Das Melt!-Festival steigt vom 18. bis 20. Juli wieder in der Ferropolis/ Gräfenhainichen. Wir geben euch einen umfassenden Vorgeschmack – zeigen wer dieses Jahr groß aufspielen wird und was dieses ganz besondere Festival ausmacht. Sommer, Sonne, Melt!
Das werde ich wohl nie vergessen. Diesen magischen Moment, vor knapp einem Jahr: Die Sonne stand schon tief über der Ferropolis, als ich mich vor der Hauptbühne umdrehte und in das große Tribünenoval blickte über das und dessen Vorplatz eine Meer von tausenden, hüpfenden, bunten Menschen wogte, während auf der Bühne Hot Chip durch “Over And Over” fegten. Wow. Eine der außergewöhnlichsten Livebands des Planeten gab eines der absolut besten Konzerte anno 2007. Wo? Auf dem famosen Melt! Festival, das im Jahre elf seines Bestehens (genauer zwölf, denn 2003 fiel es aus) diesmal wieder richtig zugelegt hat, um vom 18. bis 20. Juli wie immer die ganz großen Erwartungen zu erfüllen. Und von einem Festival, dessen quasi Hausband Hot Chip heißt, kann man sich da einiges erhoffen.
Wie auch letztes Jahr, als sich das Spektrum von Digitalism über Jan Delay & Disco No1 zu The Horrors erstreckte, setzt das Melt!08 auf eine bunte Mischung. Neu ist dafür der dritte Festivaltag, der Sonntag, welcher bisher eigentlich dem Sleepless-Floor vorenthalten war. Mit Superstar Björk wurde allerdings ein überaschender Coup gelandet, für den extra der Tag 3 eingeführt wurde (die allerersten VVK-Tickets, die bloß für zwei Tage gültig waren, können gegen Aufpreis auf drei aufgewertet werden).
Das Feld des Alternative- und Independentrock wird angeführt von den Schotten von Franz Ferdinand - bekannt für ihre Hit- und Livequalitäten – und den “alten Herren” von dEUS - lebende Legenden. Ein melancholischer Höhepunkt werden Editors sein. The Notwist scheint es bei ihrem einzigen Festivalkonzert 2007 in der Ferropolis so gut gefallen zu haben, dass sie mit ihrem neuen Album The Devil, You + Me nochmals auf die Melt!-Bühne zurückkehren. Mit Die Türen, Superpunk, Turbostaat, Blackmail und Fotos wird darüber hinaus noch weiterer, deutscher (Independent)Rock unterschiedlichster Couleur geboten.
Härtere Töne gibt es von den Schweizer-Grungerockern Navel, den wirklich großartigen The (International) Noise Conspiracy und den Neulingen von Blood Red Shoes. Den Indiepoppern werden niemand geringere als Adam Green, Kate Nash und Senkrechtstarter Devonte Hynes alias Lightspeed Champion vorgesetzt. Noch eine Note anspruchsvoller und erhabener wird es dann bei Get Well Soon zugehen. Auf- und abspringen ist also eher bei The Wombats, Bonde Do Role, Operator Please gefragt. Experimentelle, offene Geister können sich wahlweise an Battles, Los Campensionos!, Rummelsnuff, Miss Platnum und die Metalheadz im Special mit Goldie wenden, Sadisten bitte an Alexander Marcus. Oder kann er beweisen, dass sein Elektroschlager mehr als nur eine fragwürdige Modeerscheinung ist? Wo wir auch schon im Bereich der elektronischen Musik wären.
Hier stand der Hipster-Zirkel von Ed Banger erfolgreich Pate, sodass Uffie & Feadz feat. Technotronic und Mr. Oizo auf die Massen losgelassen werden. Nach eher zögerlichen Anfängen veröffentlichten Neon Neon, das Nebenprojekt von Super-Furry- Animal Gif Rhys nun mit Stain Styles eines der britischen Elektropopalben des Jahres und sind damit auch in den Kreis der Auserwählten aufgenommen wurden. Britischen Elektrorock bieten hingegen die Melt!-Newcomer Does It Offend You, Yeah? und Friendly Fires, von denen Erstere in Gräfenhainichen wohl endgültig ihren Durchbruch hierzulande schaffen und Zweitere die Grundlagen dafür legen werden.
Über sowas können Miss Kittin und Ellen Allien – diesmal mit dem Meisterwerk SOOL im Plattenkoffer – nur herzlich lachen, gehören die Künstlerinnen als Dauergäste und Acts der ersten Stunde ja zur Melt!-Elite. Neben Allien vertreten u.a. Sascha Funke, Modeselektor, Boys Noize, Booka Shade die deutsche Szene und Lützenkirchens Auftritt ist ebenfalls eine Selbsverständlichkeit, schließlich ist sein allgegenwärtiges “3 Tage Wach” zur Hymne des Melt!08 auserkoren worden. Mix-Meister Kissy Sell Out versucht sich ebenso an den Mischpulten und Plattentellern.
Weitere Hockaräter sind: Robyn, The Teenagers und Zoot Woman, als deren Krönung dann Róisín Murphy und die wunderbaren Hercules & Love Affair echtes Disco- Flair verbreiten werden.
Fehlt da nicht jemand in der Liste? Ja natürlich, aber 2008 quillt das Melt! förmlich über vor lauter guten, gebuchten Künstlern. Doch auch dieses Jahr gilt – wie immer: Das Festival selbst ist der Star! Denn mit der Ferropolis samt ihrer gigantischen, mit Diskokugeln behangenen Grubenschaufelbaggern finden Bands und Besucher die vielleicht schönste und imponierendste Festivalkullisse Europas vor; wahrlich einmalig. Dazu wie immer tolles Wetter und ein angenehm kühler Badesee. Es kann also nur großartig werden, oder?
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