Familjen “Vielleicht versuche ich ja poetisch zu sein.”

Johan Karlsson alias Familjen spielt bald einen einzigen Gig in Berlin. Wir fragten uns, ob es denn nach seinem tollen Debütalbum “Kom snurra i min skalle” überhaupt schon genug Nachschub gäbe. Also riefen wir kurzum mal in seinem Stockholmer Heimatstudio – das passenderweise gerade von herrlichster schwedischer Frühlingssonne beschienen wurde, während Berlin im letzten Schneesturm versank – an und ließen uns einen kleinen Einblick geben.

Herr Karlsson und die Sonne - Frauen spielen im Interview allerdings auch eine Rolle. -c- Jenny Kallman

Herr Karlsson und die Sonne - Frauen spielen im Interview allerdings auch eine Rolle. -c- Jenny Kallman

Hej Johann, woran arbeitest du gerade?
An meinem neuesten Album, ich schreibe neues Material. Derzeit machen wir eine Tour-Unterbrechung, denn ich brauchte eine lange Pause, nachdem wir die ganze Zeit für das erste Album unterwegs waren. Ich glaube es waren sogar über 150 Auftritte.

Wohin entwickeln sich die neuen Songs?
Ah… ich habe keine Ahnung. Ich habe jetzt so viele Projekte und Sessions in meinem Computer, ich bin mir gar nicht sicher, in welche Richtung ich mich wenden soll.

Du bist also kein Purist bzw. Verfechter der analogen Aufnahmetechnik?
Nein, ich würde sagen, ich nutze das beste aus beiden Welten; sowohl analoges, als auch digitales Equipment. Ich benutze das alles jeden Tag und mische es dann ineinander. Solche Software-Tunes benutze ich auch, aber ich nehme auch eine Hi-Hat oder elektrische Röhrensounds live auf. Mich stört das eher wenig, ob es nun digital oder analog ist. Wenn es gut klingt, ist es auch gut.

Gibt es denn auch weiterhin solche schönen schwedischen Texte zu hören?
Ja, ich führe das fort, die schwedische Art. Es fühlt sich gut an. Vielleicht werde ich später mal auf Englisch singen, aber das weiß ich jetzt noch nicht und es wird auch nicht für das Familjen-Projekt sein. Es ist aber dennoch viel einfach in Schwedisch, deiner Muttersprache, zu schreiben und zu singen. Als wir etwa in Australien waren, haben die Leute sich auch nicht daran gestört und sogar mit gesungen – was ziemlich lustig klang. Aber solange es einen guten Beat, einen guten Groove und Harmonien gibt, denke ich, hat die Sprache keinen Einfluss auf die Musik.

Nun, meine Schwedisch-Kenntnisse sind sehr limitiert, aber die Übersetzungen deiner Texte erscheinen mir sehr poetisch. Sehen das die Schweden genauso?
Haha nein, ich bin kein Poet. Ich lese kaum jemals und ich bin auch nicht poetisch. Ich versuche es einfach gewöhnlich zu halten, es sind nur die Spuren des Alltags… Hm vielleicht versuche ich ja poetisch zu sein. Ich war nie wirklich auf einer Schule, bin nicht wirklich gebildet, aber ich gebe mein Bestes.

Bei Familjen denkt man auch immer sofort an die tollen, preisgekrönten Videos; alles sehr experimentelle, gelungene Filmkunst. Wie wichtig sind diese dir?
Ich denke es ist wichtiger denn je, originelle Videos zu kriegen, wegen dieser Youtube-Sache. Du hast sie dort auf deiner Seite und auf deinem Myspace, nicht mehr dein Gesicht bestimmt das Erscheinungsbild von Familjen, sondern die Videos. Ich selbst bin aber nicht wirklich ein Teil des kreativen Prozesses. Man sieht lediglich ein gutes Video und dann fragt man den Regisseur, etwas für einen selbst zu machen. Die Ideen stammen also nicht von mir.

Johan Söderberg hatte sein Video zu „Det Snurra I Min Skalle“ (gewann den schwedischen Grammy 2007 für das beste Musikvideo) ohne Auftrag gemacht. Er hat es mir einfach geschickt und schrieb: ‘Hej, ich liebe deinen Song und habe dazu das Video gemacht. Du kannst es frei verwenden, wenn du magst.’ Ich war total überwältigt. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag das entsprechende Video für den Song drehen, aber ich brach alles ab: ‘Entschuldigt bitte, ich habe schon ein Video!’ Ich denke, ich habe mich einfach in alle meine Videos verliebt.

Auf deine Remixe hast du aber sicher um einiges mehr einen Einfluss. Die zwei aktuellsten stammen von Lykke Li und Fever Ray, ebenfalls Schwedinnen. Kleerup und Robyn haben ja auch zusammengearbeitet. Wie ist es denn um die heimischen Netzwerke bestellt?
Ich denke nicht, dass es grundsätzlich anders ist als zum Rest der Welt, aber Schweden ist so ein kleines Land und alle guten Musiker wohnen in Stockholm. Es ist eine kleine Stadt – jeder kennt jeden. Man geht zusammen aus, betrinkt sich gemeinsam, geht auf Parties und in Klubs. Du machst etwas zusammen, spielst vielleicht ein wenig zusammen, und gehst dann weiter, um dich irgendwie auch selbst zu erkennen. Ich weiß nicht, ob das wirklich anders ist als Berlin oder London.

Naja, Berlin und Stockholm sind dann doch eher Apfel und Birne.
Ja das stimmt. Im Vergleich zu Berlin ist Stockholm eher ein Vorort, aber wie ich sagte: Alles ist hier konzentrierter.

Uns fehlt vielleicht auch die Vielzahl an guten Sängerinnen, mit denen man arbeiten könnte.
Ich habe erst kürzlich mit einigen gesprochen, da wird demnächst noch etwas kommen.

Auf dem neuen Album etwa?
Ja, es sind ein paar Ideen bereits da und ich habe schon mit ein paar Leuten gesprochen.

Kannst du mir auch bereits deren Namen verraten?
Nein, jetzt noch nicht. Das wird erstmal ein Geheimnis bleiben.

Wie gefallen die Kollaborationen der drei genannten Künstlerinnen mit Röyksopp, deinen Labelkollegen, auf deren neuem Album „Junior“?
Ich habe es noch nicht gehört, kann ich nicht beurteilen. Röyksopp haben ein neues Album draußen?

Ja, wusstest du das nicht?
Nein, ich lebe in einer Seifenblase (lacht), in meiner eigenen Welt, im Moment. Das muss ich mir dann wohl mal anhören. Findest du es denn gut?

Ja, es ist offener als seine Vorgänger. Beinahe ein richtiges „Partyalbum“.
Oh, das klingt cool.

Zurück zu dir: Können wir denn schon neues Material auf deinen Deutschland-Konzerten hören?
Zumindest einen, ja. Einen Song habe ich schon fertiggestellt und ich hoffe noch einen zweiten zu schaffen. Wir werden es ausprobieren und dann wissen wir, ob wir es wegschmeißen müssen oder es eben gut ist.

Bist du sehr nervös, wenn du so etwas ausprobierst?
Nein, solange ich es mag und meine Freunde genau das auch tun, solange stört uns das überhaupt gar nicht. Hoffentlich wird es trotzdem gut vom Publikum aufgenommen werden.

Na, das hoffen wir doch auch!

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