Little Boots: Flop auf Albumlänge

little boots cover

Unter Lenins Neuer Ökonomischer Politik verfolgte die junge Sowjetunion eine Programmatik mit dem Selbstverständnis, einen Schritt zurück zu gehen, um dann einen umso größeren Sprung nach vorne machen zu können. Das mit dem Schritt zurücl klappte ziemlich gut, der große Sprung blieb aber eher aus. Bei Victoria Hesketh alias Little Boots ist es genau andersherum. Nach dem sie mit “Stuck On Repeat” einen Schritt nach vorne gegangen war, macht sie nun mit ihrem Debütalbum “Hands” einen gewaltigen Sprung zurück. Wie bei der Sowjetunion sieht das Ergebnis am Ende ziemlich düster aus.

Um es kurz zu machen: Little Boots schmeißt die zahlreichen Vorschusslorbeeren, die sie mit ihren Vorabsingles und charmanten Liveauftritten eingeheimst hatte, blindlings in die Ecke. Ähnlich wie bei La Roux gibt es einen musikalisch klaren 80er-Jahre-Bezug, mit dem Unterschied, dass sich Viktoria darin verbeißt. Alles muss immer noch größer und größer werden. Die perfekte Persiflage dafür bietet das nervige “New In Tour”. Nicht mal Phil Oakey von Human League (ein echter Held der 80er) kann hier noch irgendwas retten; im Gegenteil: Bei seinem Duett mit Little Boots in “Symmetry” muss er sich noch forsch mit: So ask me your questions and I tell you what you want to hear, ansingen lassen. Auf diesem Album ragt einzig und allein, fast schon monolithisch, “Stuck On Repeat” heraus, dass Joe Goddard von Hot Chip neben einem weiteren Song produzierte. Vielleicht hätte man ihn viel mehr einbeziehen sollen.

Hat man aber nicht, deshalb ist das hier Musik für die letzten Stunden von alkoholgetränkten Hochzeitsfeiern und für muffige Bahnhofsdiskos. Fans des 80er-Revivals sollten dieser Tage lieber zu La Roux greifen.

Little Boots “Hands” VÖ: 26. Juni via wmi/Warner

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