aufgemischt! @ CTM.10 Blog

Vom 28. Januar bis 7. Februar findet in der Berlin der CTM.10 (club transmediale) statt. aufgemischt! berichtet in dieser Zeit hautnah vom Geschehen. TEXT & PHOTOS: Thomas Vorreyer

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Samstag, 30.01.2010, 21 Uhr: Der erste vollständige Tag des CTM.10 hat uns erst nach Sonnenaufgang wieder in unsere Betten fallen lassen und deshalb folgt mit Verspätung eine kleine Rekapitulation der zurückliegenden Nacht.

Mit gleich drei Bühnen wartete das WMF auf, wobei die dritte mit Andy Blake hinter dem DJ Pult unter einigen Publikumsschwankungen. So war der Raum etwa wie leer gefegt als in den ersten Morgenstunden sich alles vor die Hauptbühne drängte, als Janine Roston alias Planningtorock (Bild oben) ihr neues Album Planet 9 live vorstellte. Eindringlich und mit allerhand Mystik aufgeladen zog die Künstlerin die Anwesenden regelrecht in ihren Bann während hinter ihr in slow motion u.a. eine Blonde Frau ihre Haare um sich wirbelnd durch einen Wald sprang – wohl auch wegen solcher Visualisierungskonzepte und einiger Klanganalogien kollaborierte Planningtorock zuvor mit The Knife und Mt. Sims beim Soundtrack zur Darwin-Oper Tomorrow, in a Year. Mit der Show von Karin Dreijer-Anderssons Kunstfigur Fever Ray kann sich Planningtorock jedenfalls durchaus messen lassen.

Bereits zuvor hatten übrigens Felix Martin und Al Doyle von Hot Chip, mit denen Roston auch für die Aufnahmen von Planet 9 zusammengearbeitet hatte, am selben Ort aufgelegt.

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Im Obergeschoss begann zur selben Zeit die Italians Do It Better! Nacht auf der zweiten Bühne. Den Anfang machten wie gewohnt Desire mit Sängerin Megan, Schlagzeuger Natty und Johnny Jewel am Synthesizern, gefolgt von Jewels zweiter Band Glass Candy mit Ida No, während Mike Simonetti vor und nach den Auftritten auflegte. Wurden die Megan und Ida noch zuvor vom Festivalpersonal – laut Eigenaussage – als “American princesses”  bezeichnet, so wurden sie jetzt vom Publikum umso euphorischer Empfangen. Jewel hatte seinen Beats noch etwas kräftiger gestaltet und die beiden Damen wandelten die angestaute Wut ausnahmslos in eine energetische und agile Performance um. Da scheint es kaum verwunderlich, dass sich die Italians-Crew mit ihrer beinahe halbjährlichen Reisen nach Berlin eine lebhafte Fanbase erspielt hat.

Ein ausführlicher Bericht folgt in den nächsten Tagen samt zweier Interviews mit Ida No und Mike Simonetti. Im Anschluss findet sich die Fotogalerie zur Nacht und das Line-Up für den heutigen Abend im WMF.

30.1. CTM @ WMF
Floor1 in collaboration with Man Recordings & Melt Booking: Sinden (UK), Drop the Lime (US), Daniel Haaksman (DE), Ku Bo & Joyce Muniz (AT), Schlachthof Bronx (DE), DJ Manaia (PT), VJ Sniper (IL/DE)
Floor 2 in collaboration with Surefire: Brackles (UK), Falty DL (US), Paul Spymania (UK), Loops Haunt (UK), Rustie (UK)
Lounge: Dubco (UK)

Freitag, 29.01.10, 22:00 Uhr: Was wäre ein echtes Festival ohne Matsch und Gummistiefel? Wohl kein richtiges, deshalb begrüßt Berlin den CTM.10 und seine zahlreichen, internationalen Besucher mit unwirtlichem Tauwetter und Schneematsch. Die Gummistiefel haben wir allerdings leider vergessen!

Nachdem gestern bereits im HAU2 Jacob Kirkegaard, Transforma und Hiroaki Umeda in Kooperation mit dem CONTEXT Festival Anästhesie der Gefühleden CTM eröffneten, fällt heute der Startschuss im .HBC mit dem A MAZE. Interact Festival (s. oben), das Musik und Kunst mit der elektronischen Videospielkultur zu vereinen versucht.

Gegen 18 Uhr herrschen noch umtriebige Aufbauarbeiten, deshalb wage ich mich, an einem Konferenzraum für zwei Personen vorbei, als einer der Ersten in den Raum des salientsounds und werde zum Testobjekt: Ein Stück von Atom TM’s neuem Album wird in einem dunklem Raum vor mehreren Wissenschaftlern sowohl akustisch, als auch durch ein Computersystem namens PURE (Pulsed Ultrasound Remote Engine) via Ultraschall auf mein Nervensystem übertragen vorgespielt – ein Teil der Musik existiert als Klang damit also gar nicht. Allerdings sendet PURE nicht die ganze Zeit und die Probanden müssen die Wechsel – wenn sie sie denn bemerken – mit einem Knopfdruck kennzeichnen.

Zwar liege ich bei vier Knopfdrücken jedes Mal richtig, aber den Unterschied spürt man kaum; ein interessantes und vielversprechendes Projekt über das ich am Montag nochmal mehr berichten werde.

Aus der Dunkelkammer entlassen, folge ich den Gängen zu den Videospielinstallationen des A.MAZE. An der Wand hängt eine Kategorisierung und Chronik bekannter Musikvideospiele, direkt daneben kann man mit einem aktuellen, kommerziellen Spiel die Beatles einschließlich Instrumenten nachspielen oder im Bad samt Dusche dahinter Karaoke üben. Aus der Vielzahl der Installationen stechen besonders die Spatial Soundsculpture, in der man mit einer Videokamera, die an der Wand befestigten Pixel-Schwarz-Weiß-Codes  - ähnlich dem qode-Barcode für Handys – einlesen kann, Melodien kreieren kann, und Ludic Sound Play (s. oben), bei dem man mit einem Joystick einem Lichtstrahl über eine Matrix steuert, auf der beleuchtete Pyramidenstümpfe, als Instrumente dienen bzw. die Melodie nachspielen.

Kurz vor 20 Uhr geht es an der Spandauer Straße 2 vorbei, in der weitere Programmteile stattfinden, zur S-Bahn und dann gen Süden zum Halleschen Ufer, denn im HAU2 wird die gestrige Eröffnung wiederholt. Den Anfang macht der Däne Jacob Kirkegaard mit einer fantastischen Performance: Kirkegaard hat dem singenden Sand in der Wüste des Omans nachgespürt und präsentiert nun mit Sabulation ein ein faszinierende Schwarz-Weiß-Videoaufnahmen von sich bewegenden Sandsteilhängen an Dünen,  die er mal laut und dumpf brummenden, mal zischenden, rauschenden Tonspuren vom selben Ort vertont. Immer wieder sucht das Auge Halt in seinen Bildern und meint, ein beständiges Stück Sand gefunden zu haben, während in anderen Bildbereichen die Körner nach unten stürzen, doch während sich die Klangkulisse bedrohlich aufbaut, wechseln ursprünglich die Ströme und der eben noch sicher geglaubte Abschnitt fällt in Sekundenbruchteilen in sich zusammen. Es ist unendlicher Kreislauf aus sich abwechselnden wunderschönen Reliefs und totalen Sandfällen, der dem Betrachter auf eindringliche Weise die Schönheit und Vergänglichkeit des Seins vorführt und ihn selbst zum Sandkorn werden lässt.

Im Anschluss präsentiert das heimatliche Künstlerkollektiv Transforma in Operators eine von mächtigen Bässen begleitete, hektische Bilderflut, die ein wirres Pong-Videospiel in eine halb-dokumentarische Aufnahme einer maskierten Person auflöst, die in einem dunklen Raum zuerst mit Neonröhren (den Pong-Balken) ‘performt’ und später – eine Werkstatt reproduzierend – farbige Glass- und Metallplatten verschiebt, untersucht und verwirft.

Darauf folgt Hiroaki Umedas Adapting for Distortion. Um 23 Uhr beginnt nun das Nachtprogramm im WMF mit Planet 9 und Italians Do It Better!, hier das komplette Programm:

Floor 1: Planningtorock (UK/DE), Felix Martin & Al Doyle (Hot Chip, Dj Set, UK), Jackson (DJ Set, FR), Mount Sims (US)
Floor 2: Glass Candy (US), Desire (US), Mike Simonetti (US), Noot (CA/DE), DJ TV DiSKO (CA/NZ)
Lounge: Andy Blake (UK)

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One Comment

  • Peter Frankmann
    Sonntag, der 13. Juni 2010 | Permalink | Antworten

    Hallo zusammen.
    habe den Blog bei google gefunden.
    Werde wohl jetzt öfters mal reinschauen.
    Gruß