Wenn eine Hypeband aus Manchester und ein hochangesehener Produzent wohnhaft in Berlin sich für die Produktion eines Debütalbums zusammentun, sind die Erwartungen generell sehr hoch. Acolyte von Delphic mit Ewan Pearson an den Studioreglern bildet da keine Ausnahme. Schade nur, dass man hier beim Sprung über die Messlatte im Anlauf verharrte.
Beginnend mit zwei nichtssagenden, eklektischen – “Clarion Call” und die aktuelle Single “Doubt” (für die es dafür aber ein wunderbares Video gibt) – und zwei mitreißenden, beachtenswerten Stücken – die omnipräsente Kitsuné-Single “This Momentary” und “Red Light” – präsentieren Delphic einen elektronischen Rock-Pop-Hybriden, in dem Gitarre und Synthesizer einander ebenbürtig sind und der in seinen besten Momenten zu einem modernen, berauschenden Discoknüller (man denke nur an das herrliche Schlagzeug in “This Momentary“) heranwächst, in seinen schlechtesten jedoch farblos, unterkühlt und grau erscheint.
Klar produziert und mit allerhand Liebe zum ästhetischen Detail vermeiden es Delphic so berechnend und überperfekt wie zuletzt Zoot Woman zu klingen, aber lassen oftmals die (wünschenswerte) Euphorie und Lebhaftigkeit der Friendly Fires vermissen, die sie allerdings wohl beherrschen wie der Titelsong des Albums beweist. Das fast neunminütige Instrumental baut sich – geschmackvoll arrangiert – für drei Minuten auf, um dann in einen fünfminütigen, fluoreszierenden Synthieritt zu zerfallen. Einzig das mehr als einminütige Entschweben des Stücks wie an einem Albumende verwirrt.
Hier tut sich aber auch eine große Chance auf, das Album um eine zweite, konzeptionell variierte Seite zu ergänzen, die Delphic jedoch leider vertun und stattdessen lieber die altbekannten Linien und Ideen weiterverfolgen. Da wird in “Halcyon” bereits allzu platt auf die großen Arenen geschielt und “Submission” in seiner eigenen Dramatisierung erstickt. Das folgende “Counterpaint” (Delphics Debütsingle) stimmt zwar einigermaßen versöhnlich, aber wird gleich wieder mit zwei weiteren kraft- und seelenlosen Stücken überlagert, sodass man sich am Ende dabei ertappt, der Band eine das melodische Talent der Silent-Alarm-Bloc-Party zu wünschen.
Sicherlich haben Delphic hier ein paar gute Songs und Klänge zusammengestellt, aber das suboptimale Arrangement und – gesamt gesehen – der Mangel an ausreichend wirklichen, tragenden Ideen machen Acolyte schwer handhabbar und nur halb-so-gut wie erhofft und erwartet. Eine lauwarme Angelegenheit.
Delphic Acolyte erscheint am 15. Januar 2010 bei Chimeric Records / Cooperative Music / Universal. Die Band wird im Februar für vier Konzerte nach Deutschland kommen.
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