
Originalartikel vom 12.01.10 23:42 Uhr: Nur wenige Künstler haben die letzte Dekade so tiefgreifend beeinflusst wie Maya Arulpragasam alias M.I.A.. Die Sängerin & MC mit sri-lankisch-tamilischer Abstammung etablierte aus ihrer Londoner Basis heraus einen neuen Sound in der popkulturellen Weltöffentlichkeit, der nach allen Seiten offen war für die vielfältigen Musikstile aus allen Ländern der Erde – hier vorrangig die karibische, afrikanischen und südasiatischen – und vor allem allen Bevölkerungsschichten (schlechter Nebeneffekt: der ziemlich sinnfreie Begriff “Weltmusik” erlebt eine weitere Renaissance). Und das alles vollbrachte die junge Dame mit nur wenigen Mixtapes und ihren gerade mal zwei Alben Arular und Kala.
Nachdem zwischenzeitlich sogar ein Abschied der Künstlerin vom Musikbetrieb im Raum stand, ließ am letzten Freitag der US Rolling Stone die Bombe platzen und veröffentlichte erste Details über das dritte Album von M.I.A., die diese selbe in einem Interview mit dem Magazin verraten hatte. So soll man sie auf dem neuen , wohl im Sommer 2010 erscheinenden Werk sowohl singen als auch auch rappen hören und einen Song über Internetanbieter vorfinden. Die Produzentenarbeit soll hauptsächlich Blaqstarr aus Baltimore übernommen haben und Maya wünscht sich das Album als möglichst “ehrliche” und “echte” Platte, die vor allem im Gegensatz zum Vorgänger Kala eher ganzheitlich und in Ruhe, statt unterwegs entstanden ist.
Die größte Nachricht hielt M.I.A. allerding selbst bereit, als sie heute via ihrer Twitter-Seite ein neues Video mit dem Titel “THERES SPACE FOR OL DAT I SEE” “Space Odyssey” (siehe Update unten) publik machte. Der Sprechgesang der im grünen Laserlicht tanzenden Maya legt sich dabei über eine recht verschrobene Produktion des Produzenten Rusko aus L.A., wie dieser später widerum auf seiner Twitter-Seite bekannt gab. (Entdeckt haben das die Kollegen von The Fader, die natürlich auch bei Twitter zu finden sind; genau wie aufgemischt!.) Am Ende des Videos erscheint noch das Zeichen von NEET, M.I.A.’s eigenem Label, und die Jahreszahl 2010. TSFODIS seht ihr nachfolgend!
Update, 14. Januar 2010, 0:55 Uhr: Wie wir gerade von The Fader erfahren haben, heißt der M.I.A. Stück offiziell “Space Odyssey” und wurde mit Rusko in Reaktion auf einen Onlineartikel der New York Times aufgenommen, in dem Sri Lanka auf Platz 1 der “The 31 Places to Go in 2010″ gelistet wurde. Erst vor kurzem war die militante Oppositionskraft der tamilischen Volksgruppe in Sri Lanka, die LTTE, der auch M.I.A.s Vater angehört und die u.a. die USA und die EU als Terrororganisation betrachten, von der Armee der mehrheitlich singhalesischen Regierung besiegt worden.
Neben dem am Dienstag geposteten Video hatte die Sängerin bereits am Vormittag des selben Tages ihr Unverständnis über diese Entscheidung mit harschen Kommentaren und Bildern von Frauen- und Kinderleichen – mutmaßlich – tamilischer Opfer des Krieges via ihrer Twitter Seite zum Ausdruck gebracht. (Verschiedene Quellen bezichtigen aber auch die LTTE, etnische Säuberungen vorgenommen und Kindersoldaten eingesetzt zu haben.)
Gegenüber The Fader erklärte M.I.A.s Agent den Song und seinen Hintergrund wie folgt:
It is called ‘Space Odyssey” produced by Rusko and M.I.A. The song and video were made Monday night for $100, after the New York Times, as she says: “fucked up so hard.” Check her tweets – she obviously finds it reckless and ignorant of the paper to not even scratch their own walls on what is reality in Sri Lanka.
Der spontane Aufnahmeprozess hat wohl auch zum bit crushing in ‘Space Odyssey’ geführt, das die Spex gestern als gelungenes Beispiel dafür hervorhob, oder wurde so noch einmal bewusst hervor gehoben.
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