Ikons (Album)

Wenn sich sechs schwedische Musiker in Göteborg unter dem programmatischen Alias IKONS*, schwedisch für Ikonen, versammeln, sollte man wissen, dass es sich hier wohl um eine sich selbst bewahrheitetende Prophezeiung handeln tut. Nachdem wir also bereits ihren Song “Slow Light” zuvor als “kosmischen, achtminütigen Krautrockritt” vorgestellt hatten, widmen wir uns nun dem titellosen Debütalbum der Band.

Und die IKONS haben hier tatsächlich einen wohl verfassten, pulsierenden und neun-Song-starken Angriff auf den eingeschlafenen Rock’n’Roll-Zirkus vorgelegt, der es sich in sich hat und einige Parallelen zum letzten Album der Horrors zieht.

Das Groß der Songs folgt dabei einem ähnlichem Muster: Zuerst baut das Sextetts beinahe schleifenartige einen stetig dichter und dichter werdenden wall of sound auf, den dann plötzlich ein Keyboard oder ein Gitarre bricht. Und in diesen Moment fühlt man sich fast so, als würde man gerade das erste Mal zu Can, Space’s “Magic Fly” oder Air‘s Moon Safari lauschen, ohne dass einem hier eine eineindeutige Interpretation der Songs vorgegeben wird. Es entwickelt sich so eine kontinuierliche Reise hinaus in die Weiten des Alls hin zum nächsten transzedenten Level. Kein Wunder also, dass der geschätzte Dan Lissvik von Studio zusammen mit Alex Palmestål von Pistol Disco das Mixen des Albums übernommen hat.

Rau und schön zugleich klingend, gelingt es den IKONS einen in eine Vision der Zukunft hineinzuziehen, die scheinbär näher an den 1960er/70er Vorstellungen des Postmillenium-Lebens im Weltraum angelehnt ist, als an unsere gegenwärtigen, klinisch sauberen und nüchtern gestalteten Entwürfe. Dabei erscheint die Musik am Ende doch zeitlos – man kann es retro futuro** nennen, wenn man denn mag.

Mit “Bye” findet sich zum Abschluss noch ein im weitesten Sinne typisch schwedischer, hallender Rocksong, der einmal mehr, das ureigene Gefühl für nahezu perfekte Gesangsharmonien unter Beweis stellt.

Dabei hat das Album vor allem in seiner Mitte auch einige wenige zähe Momente und von Zeit zu Zeit stößt man auf musikalische Wiederholungen, aber insgesamt bekommt man hier eine LP, die nicht nur aufgrund ihres Stils, sondern auch ihrer Qualität, aus dem weiten Feld der heutigen Veröffentlichungen heraussticht.

Ikons (titellos) ist als CD, Vinyl und Download beim schwedischen Service Label erschienen.

*Zur Band gehört auch ein Videokünstler.
**Das echte Retro Futuro ist ein feines Veranstaltungskollektiv aus Berlin.

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