Melt! Liveblog: Der Samstag

Hallo miteinander! Nach 2009 wagen wir auch in diesem Jahr eine eigenes Liveblog für das 13. Melt! Festival - Fotos (Christoph Paul) und erste Impressionen (Thomas Vorreyer) inklusive.

Sonntag, 16:40: Wir neigen uns dem Ende zu, der 2008 erstmals eingeführte Sonntag lädt in seiner dritten Ausgabe zu einem mit lediglich drei statt fünf Bühnen abgespeckten, aber dafür umso dichter besetzten Abschluss des Melt! Festivals. Im Hintergrund zupfen gerade die Kings of Convenience ihre Saiten, die Post War Years, Fucked Up, Crookers, WhoMadeWho, Slagmalsklubben und natürlich Goldfrapp und Festivalheadliner Massive Attack werden folgen.

Nachdem uns gestern zwei Interviews etwas vom bloggen abgehalten haben, hier noch der Rückblick auf den Samstag:

Bei mildem, trockenem Wetter lief der Tag relativ schleppend an und war etwas ärmer an Höhepunkten als der Vortag. Dafür gaben die Friendly Fires, die uns gegenüber ihren 2008er Auftritt im Melt! Regen- und Sturmchaos als schlimmsten überhaupt bezeichnet hatten, eines der mit Abstand besten Konzerte des Wochenendes. Die bandeigene Maschine ist mittlerweile bestens geölt, das Publikum wogte frenetisch durch das Discoset und zum neuen Song “Running Away” flogen zu Laftballons aufgeblasene Kondome über die Köpfe hinweg – Interview folgt. Da hatte die Konkurrenz in Form von Holy Ghost deutlich das Nachsehen. Zwischen den beiden Acts gab es auf der Gemini-Bühne noch Pop mit großer Geste bei Hurts zu hören, die sich erstaunlich gut im noch hellen, spätnachmittäglichen Festivalslot präsentierten.

Zeitgleich ging es auf der Hauptbühne etwas derber zu: Die Blood Red Shoes stürmten und rumpelten schlagkräftig-solide wie immer durch ihr Set und Dendemann demonstrierte den zahlreichen internationalen Gästen, dass sich in Deutschland guter, etwas wagender Hip-Hop und Vokuhilafrise durchaus vertragen. Im Intro Zelt eroberte Darwin Deez derweil die Besucherherzen, bevor im Anschluss The Big Pink tongewaltig die Genrevielfalt des Melt!s unter Beweis stellten. Vielleicht hätte ihr Großspurgitarrensynthierock der Hauptbühne auch besser zu Gesicht gestanden, als der doch etwas dröge Jamie T. Interview folgt.

Dann: Achtung, Tanzattacke! Soulpopper Jamie Lidell, DJ Shadow, Sinden und die neuerdings discolastigen Sterne traten parallel auf. Kein K.O., wohl aber ein deutlicher Punktsieg in dieser Konkurrenz gelang dabei Lidell, der sich allerdings auch eines überdurchschnittlich guten Sounds unter dem Gemini-Bagger erfreuen durfte. Dort traten im Anschluss auch Hercules and Love Affair auf, die sich allerdings mit ihrem neuen, noch unveröffentlichten zweiten Album nach draußen wagten. Das neue Line-Up und der stringent-knackige Chicago-Detroit-Mix, in den sich auch die spährisch abgewandelten “Blind” und “You Belong” fügen mussten, zündete leider, da unverdientermaßen, noch nicht ganz im Rund. Die Menge blieb dennoch und lockerte entsprechende Tanzreserven dann eben bei Chromeo, die ihre Show mit zahlreichen kleinen Audio- (Introchor) und Settingüberraschungen gelungen aufwerten konnten, bevor die DJs A-Trak, Tiga, Carl Craig und allen voran das Trio Moderat (Fotos) die Regie für die Nacht übernahmen.


Chromeo, DJ Shadow, Hercules and Love Affair, Melt! crowd (2), The Big Pink, Jamie T, Friendly Fires (2), Dendemann, Hurts, Blood Red Shoes, Holy Ghost, Jamaica

Samstag, 16:00: Der Melt!-Samstag hat gerade begonnen, doch wir uns u.a. Jamaica, Holy Ghost!, Darwin Deez, Maskinen, Hercules and Love Affair, Chromeo, Tiefschwarz und Hurts zuwenden – und die Friendly Fires und The Big Pink interviewen – hier noch ein abschließender, retrograder Blick auf Freitagnacht. Nach Jónsi zogen uns Sitarklänge zu Yeasayer, wo Chris Keating eine Gesangsdarbietung ablieferte, die mit ihrer Extravaganz und Sexyness gar an Prince und, ja auch, Michael Jackson in ihren Hochzeiten erinnerte. Sowas hatte mensch lange nicht mehr gehört und gesehen und es hätte auch gut auf die ganz große Bühne gepasst, wo The XX die Mammutaufgabe ihre intimen, minimalistischen Songs in den großen Rahmen auf erstaunliche Art und Weise meisterten. Die tragende Rolle übernahm dabei Jamie, der, hinter einem großen, weißen X auf schwarzem Grund über die Szenerie in der laserlichtüberspannten Ferropolis thronend, die Stücke mit seinen Beats nicht nur umstruktierte, sondern auch kraftvoll unterfütterte. Und wer sah, wie Oliver plötzlich ungeahnte Rockbassistenposen einnahm, der_die kann erahnen, in welche (gute) Richtung die Reise der Band bald gehen könnte. Jemand der einen ähnlichen, nämlich elektronischen Schritt bereits gewagt hat, ist Kele Okereke von Bloc Party. Bei seinem anschließenden Soloset überzeugte der muskelbepackte Körper voll, die Musik angesichts einiger Längen nicht ganz. Momente später boten die Foals, trotz eines ausgesprochen engagierten Yannis Philippakis, ein für ihre Verhältnisse eher durchschnittliches Konzert samt pappehaften Schlagzeugsound. Auf ihrer eigenen Tagesbühne boten Modeselektor dann ebenfalls nicht das volle Optimum, beschränkte sich doch die Kooperation mit zahlreichen Gästen, etwa dem Kaiser von Bonaparte, lediglich auf die schnöde Addition der Kräfte, statt der angestrebten Multiplikation selbiger. Einen versöhnlicheren, weil hochgradig energetischen Abschied gab es da schon mit autoKratz im Intro Zelt.

Autokratz (2), Modeselektor, Foals, Kele (2), The XX (2), Yeasayer

Freitag, 23:32: Eine weitere Runde vielfältiger Auftritte liegt hinter uns. Wir haben schelmisch die Jugend in den ersten Reihen von Two Door Cinema Club belächelt, sind zum Strand entschwunden, um zu einem fantastischen Dubstep-Electro-Set von Jamie XX zu tanzen und wurden von Tocotronic wieder an die Hauptbühne geholt. Beinahe ekstasisch gab sich dort Dirk von Lowtzow und beschwor zum Spaß einmal mehr den Widerstand, während Rick Mc Phail den Gitarrengott mimte. Danach ein visuelles Delikatessensandwich: Blaulichtgewitter und Cheesyness bei Delphic, Donnergrollen (und ein genial umstrukturiertes “Crimewave”) bei HEALTH im Intro Zelt und final Jónsi, mit tollem, aber zu leisem Sound und ein Show, die für die große Bühne und das davor befindliche Oval wohl etwas zu komplex-intim war. Es folgen nun u.a.: Yeasayer, Four Tet, The XX, Kele, Foals, autoKratz und Modeselektor ft. Bonaparte.


Jónsi, HEALTH (2), Delphic, Tocotronic (2), Jamie XX, Two Door Cinema Club

Freitag, 20:36: Die Worte kleksen in Schweißtropfen auf die Tastatur – das Melt! hat seinen Schmelzpunkt bereits überschritten. Nach dem Audiolith Pferdemarkt gestern auf dem Gelände und dem Introducing in Berlin (Fotos nachfolgend) lockte der Freitagnachmittag mit u.a. Bonaparte und Midlake auf den beiden Hauptbühnen. Vor der Big Wheel Stage flimmerten der Staub und die Hitze um die Wette, während Oliver Koletzki die Menge verführte. Parallel zu Ja, Panik und Pantha du Prince, wagten sich eben die Shout Out Louds nach draußen. Ihr Rezept gegen die Hitze: Ein merklich unterkühlter Beginn, dafür coverten sie nach “Train in Vain” anno 2007 an gleicher Stelle diesmal kurz “Walking Like an Egyptian”. Nette Idee. Nun stehen Two Door Cinema Club, Jamie XX und Tocotronic in den Startlöchern. Erstes Zwischenfazit: Das Festival hat seine Betriebszeit im Handumdrehen erreicht.

Shout Out Louds, Converse Mainstage

Post War Years und Alexander’s Festival Hall, Introducing (gestern in Berlin)

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