We Have Band : Jägermeister WHT Interview

dede we have band

“Es gehört zu Eckkneipen oder Wirtshäusern, dass sie eben etwas miefig, verklebt und in etwa so modisch wie Omas Faltenrock sind.” Während die tierliebe Oma von der Geweihkollektion der orange eingetauchten Jägerklause wohl ordentlich eingeschüchtert gewesen wäre, wurde der Rest unserer Erwartungen locker am Donnerstag übererfüllt. Von einer bayrischen Brotzeit und ein paar Drinks gestärkt und durch Tischtennis, Kicker und Dart (bei dem sich Darren als Naturtalent erwies) bestens aufgewärmt, eröffneten We Have Band die Jägermeister Wirtshaustour in Berlin mit einem wahrlich intensiven Auftritt. Für die zuvor in einer straßenlangen Schlange anstehenden Gäste schien sich das Warten gelohnt zu haben: Obwohl Schulter an Schulter in das kleine Lokal gedrängt, kam schnell Bewegung in den durch Hits wie “Oh” oder “Divisive” euphorisierten Pulk, während das Klima in das einer tropisch-feuchte Großwildjagd umschlug.

Im ersten von zwei Rückblickteilen teilt das muntere britische Trio – bestehend aus Darren sowie die verheirateten Dede und Tom – nun alte und neue Berlin-Geschichten mit uns und diskutiert die Vor- und Nachteile eines mütterlichen Tourbesuchs ebenso wie die Frage, welchen Drink man zu ihrem gerade entstehenden, zweiten Album später reichen sollte.

Ihr wirkt alle drei sehr aufgeregt bis hibbelig, gerade Darren, der einmal sagte, er wäre für euch, Dede und Tom, mal eine Art Sohn, mal eine Art mäßigender Großvater. Wie sieht es damit heute aus?
Darren: Oh ja, lasst uns am Spielplatz treffen, um zu spielen!
Dede: Ich glaube, es ist heute der Sohn.
Tom: Aber ich bin ein zerrütteter Vater.
Darren: Nein, heute bin ich gewissermaßen für jeden verfügbar. An manchen Orten braucht jeder von uns einen älteren Part und Berlin gehört dazu. Wir sind hier immer etwas aufgedreht hier. Ich weiß aber nicht warum.

Vielleicht ist es die Atmosphäre hier?
Tom: Es ist auf jeden Fall die Atmosphäre einer großartigen Stadt.
Darren: Wir lieben sie.
Dede: Hier sind wir immer aufgeregt.

Und es ist bereits euer sechster Besuch. Manche der Clubs wie das Scala oder die Villa, in denen ihr gespielt habt, wurden leider wenig später geschlossen.
Darren: Und der Magnet Club musste umziehen. In der Villa hatte man uns schon damals vom Ende erzählt. Vielleicht bringen wir Unglück und auch die Jägerklause muss bald schließen.
Tom: Entschuldigt bitte schon einmal!
Dede: Ja, sorry. Die heutige Nacht ist vielleicht die letzte, also amüsiert euch!

Aber mittlerweile müsste es für euch schon allerhand bekannte Gesichter in der Stadt und unter den Konzertbesuchern geben.
Tom: Ich bin mir nicht sicher. Aber als wir im November im Festsaal Kreuzberg gespielt haben, fühlte sich das großartig an. 500 Leute waren da. Ganz schön viel für solch eine kleine Band, die in eine solche Stadt kommt und derartige Clubs ausverkauft. Vielleicht haben wir die Schwelle endgültig überschritten.
Darren: Es war jedenfalls sehr besonders.
Dede: Und dadurch, dass alle so enthusiastisch waren, haben wir uns auch gleich wieder wohl gefühlt.

Ursprünglich habt ihr eure Karriere aber in kleinen Bars wie dieser hier bekommen, etwa dem Old Blue Last oder Barden’s Boudoir in London. Was für Erfahrungen habt ihr damals gemacht?
Dede: Es war etwas chaotisch, aber es war ein stimmungsvolles Chaos.
Tom: Wir lieben das Old Blue noch immer. Es war ein tolles Gefühl, eine der Bands der Stunde zu sein. Aber manchmal kann das auch ein Fluch sein und man scheitert daran, es über den buzz hinaus zu schaffen.
Dede: Man spielt in solchen Leuten wohl wissend, dass die Leute dort dich nicht kennen, aber für alles bereit sind, vor allem für eine gute Nacht. Also haben sie einfach Spaß. Es ist schwitzig, voll und viel zu viel los. Der Klang ist vielleicht auch noch mies und so hören weder sie dich, noch du sie. Aber alles ist dennoch in bester Ordnung.
Darren: Irgendwie funktioniert es eben immer.

Vermisst ihr manchmal diese Tage, in denen ihr noch wirklich die Zuschauer von euch überzeugen musstet?
Darren: Gewissermaßen ist es noch immer so, denn jetzt ist da ein Raum voller Erwartungshaltungen von Leuten, die bereits vor vier Monaten sich eine Karte gekauft haben. Es ist einfach ein andere Art von Druck, der wiederum immer da sein wird.
Tom: Und wenn du bei einem Festival spielst, kennt dich nur ein Drittel des Zelts und der Rest nicht.
Dede: Dir muss immer der Umschwung gelingen.

Was wiederum sicherlich einfacher ist, wenn man zu dritt auf der Bühne steht und sich so die Aufmerksamkeit und Geschmäcker verteilen können.
Tom: Ich mag es, zu dritt zu sein. Ich habe auch in Bands mit noch mehr Leuten gespielten, aber mit dreien funktioniert es am besten, auch wenn wir noch einen Schlagzeuger dabei haben.
Dede: Ich kann nur sagen, dass du mich ohne die zwei nie auf eine Bühne kriegen würdest.
Darren: Du meinst, nicht ohne deinen Ehemann.
Dede: … oder eben meinen ganz besonderen Freund.

Wie beeinflusst das die Bandchemie, etwa im Tourbus? Denn um offen zu sein, habt ihr bis hierhin fast durchgängig alle drei gleichzeitig gesprochen, was wohl auch untereinander die Kommunikation nicht immer erleichtert.
Tom: Ach, im Bus sind wir immer alle ruhig, haben die Kopfhörer auf und versuchen zu schlafen.
Dede: Es wird nicht geredet bis nach ungefähr vier bis fünf Stunden es dann aus uns herausplatzt.
Darren: Heute morgen gab es kein Gerede im Bus, nur wenig am Flughafen und dann plötzlich… bumm!

Dann seid ihr wohl alle eher richtige Katermenschen?
Dede: Nein, darum geht es nicht. Wir mögen einfach keine Morgen; weder betrunken, noch nüchtern.

Es gibt kein romantisches Frühstück für das Ehepaar?
Beide: Nein.
Darren: Ich bin heute um sechs aufgestanden, was weder schlecht, noch gut ist. Besonders wenn die Nacht davor lang war.

Wie steht es da um euren Lebensstil auf Tour? Von euren Interviews ausgehend, würde ich da eher wilde Geschichten vermuten, allerdings hattet ihr auch Dedes Mutter in der Schweiz dabei – was natürlich nicht unbedingt einander widersprechen muss.
Dede: Das bedeutet nicht, dass wir in besseren Hotels schlafen.
Tom: … aber dass sie uns wohl alles wegtrinkt.

Aber ihr dürftet euch doch ruhiger verhalten oder?
Darren: Nein, sie kann mit den besten mithalten.
Tom: Sie mag es zu feiern. Wir dagegen bevorzugen es nicht besonders wild, aber haben auch nichts dagegen.
Darren: Oh, magst du etwas nicht wild?
Tom: Lass das! Wir waren nicht eine dieser Bands, die von einem Majorlabel genommen werden, noch bevor sie überhaupt bekannt sind, und dann in große Hotels gesteckt und wie Stars behandelt werden. Wir haben alles selbst gemacht und das ziemlich dreckig. Aber sicherlich mögen wir etwas Luxus.
Darren: Aber was ist schon der Unterschied? Wenn du achtzehn bist und jemand einen riesigen Scheck auf den Tisch haut, nimmst du alles mit. Wir haben unsere eigenen Auftritte organisiert, uns unsere Bühnen selbst gesucht und hatten nicht mal einen Soundtechniker für uns, geschweige denn einen Manager. Und nun, davon kommend, sind wir eben noch immer in der Lage, unseren Müll selbst rauszutragen. Das ist der Unterschied.

Hattet ihr Mitleid mit all jenen jungen Künstlern, die in die Maschinerie geraten sind, während ihr noch selbst alle bei einem Majorlabel gearbeitet habt und es die Band noch nicht gab?
Dede: Nein und wir hatten auch andere Jobs.
Darren: Eine andere Zeit…
Tom: … und Ära.

Werdet ihr gerade nostalgisch?
Darren: Aber nicht weil ich für andere den Telefonisten gegeben habe. Wenn wir coole A&R-Manager gewesen wäre, wäre es wohl anders gewesen.
Tom: Es gibt keinerlei Verbindung zwischen unserer damaligen Arbeit und was wir heute tun.
Dede: Wir genießen einfach die unterschiedlichen Zeiten. Man erfährt die unterschiedlichsten Dinge mit jedem weiteren Lebensabschnitt.
Darren: Das ist auch entscheidend.
Tom: Wir haben kein Problem damit, so etwas zu zerreißen, aber wir mögen etwas Luxus eben auch selbst.

Wie luxuriös wird da die Produktion des neuen Albums ausfallen?  Gibt es weitere Audioperlen?
Dede: Nein, es wird stattdessen viele Liebe drin sein. Vielleicht auch Luxus, den wir lieben.
Tom: Aber vor allem Liebe.

Nächtliche Liebe?
Tom: Nächtliches Lieben!
Darren: Sexy Kram und dergleichen.

Cherry-Funk also?
Tom: Oder Sherry-Funk!
Darren: Wir trinken auch gerne mal etwas, bevor wir Sachen einsingen. Das lässt das Ganze sexy klingen.
Tom: Do you know trifle? It’s an English pudding and you should enjoy the record with it, when it’s done. Or better with a bottle of sherry.

We Have Band WHB ist bei Naïve erschienen. Den ersten Teil unserer Photogalerie gibt es unten zu sehen. Morgen folgt Teil #2, in dem Yuksek mit uns seine Ansichten sich zu Frankreichs Zukunft, heimatlichen Champagner und sein neues Album teilt. Die Jägermeister Wirthaustour zieht derweil weiter nach Köln, wo The Subs und Proxy am 17. März im Dom im Stapelhaus spielen – weitere Infos dazu findet ihr auf das-wirtshaus.de/gaesteliste oder Facebook.

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PHOTOS: Christoph Paul

In cooperation with Jägermeister.

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