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Das große Greco-Roman Interview

23:08

greco-roman

Wer diese Seite hin und wieder besucht oder einfach ein sogenannter SzenemultiplikatorIn irgendwo auf dieser weiten Welt ist, dem / der wird Greco-Roman Music bereits ein Begriff sein. Dieses feine Clubprojekt begann mit ein paar geheimen Parties in London, reiste dann mit dem Konzept einmal um die halbe Erde und auf das Glastonbury und veröffentlicht mittlerweile sogar eigene Platten. Nächster Halt: Totale Weltherrschaft.

Natürlich war es dabei nicht gerade hinderlich, dass einer der vier Gründungsmitglieder Joe Goddard von Hot Chip ist, aber was Greco-Roman wirklich aus- und erfolgreich macht, ist ihr spielerischer, offener Zugang zu so gut wie heißem Musikgenre unserer Zivilisation. Und statt um Geld geht es hier vor allem um Spaß und das Entdecken neuer Sounds. Mit Drums of Death und Totally Enormous Extinct Dinosaurs haben sie zudem zwei der derzeit vielversprechendsten Talente der Szene unter ihre Fittiche.

Nachdem wir im letzten Sommer (endlich!) unsere allererste Greco-Roman-Nacht in Berlin überstanden hatten, haben wir uns noch einmal mit einem der Köpfe hinter dem Label, Alex Waldron, auf einen Plausch getroffen. Mit der offiziellen Berufsbezeichnung “A&R Manager” hat Alex sicherlich schon bei mindestens einem eurer Lieblingsalben seine Finger mit ihm Spiel gehabt, umfasst sein Lebenslauf doch (in chronologischer Reihenfolge) Anstellungen bei Island Records, 13Amp, !K7 und aktuell XL Recordings in Berlin, der Wahlheimat des Briten.

Nebenbei hatte er die berüchtigten Über-Alles-Reihe ins Leben gerufen und legte hin und wieder mit solo als Half/Full Nelson oder eben gemeinsam mit Joe Hot Chip auf – eine, wie sich herausstellen sollte, sehr fruchtbare Verbindung, die in Greco-Roman mündete. Laut Eigenaussage auf seinem Myspace, sieht sich Alex selbst in dreißig Jahren “wearing a Hawaiian shirt with a silver pony-tail and sunglasses […] going on about times with Tom Vek, Matthew Herbert, DJ Shadow, Hot Chip and Nine Black Alps”. Das sagt doch schon fast alles oder?

Hallo Alex, alles hat einen Anfang. Wie entstand das Greco-Roman Label?
Vor drei Jahren als wir mit den Parties anfingen. Wir wollten ursprünglich gar kein Plattenlabel werden, obwohl wir uns damit ja alle bestens auskannten, aber die Parties hatten in gewisser Weise ihren eigenen Willen: Irgendwann schrieb David E. Sugar, der auf unseren Parties spielte, diesen Song über uns und wir dachten, dass es wirklich gut ist, wir es veröffentlichen müssten. Damit begann das Label.
Die Platte sollte ein Flyer für die nächste Party werden, sodass man freien Eintritt zu ihr erhielt, wenn man die Scheibe kaufte, die ein White Label werden sollte. Dann hatten wir aber den ersten Remix fertig und plötzlich wollten auch Jesse Rose und Hot Chip einen machen. Auf einmal hatten wir all diese Remixe im Postfach und damit fühlte sich alles etwas professioneller an, sodass wir die Single richtig und offiziell verkauften. Das war es.

Wer ist “wir” bei Greco-Roman?
Nun, ich mache selbst keine Musik, aber Joe wird ein Soloalbum machen, das wir hoffentlich diese Woche vollenden. Dann wird es noch eines von Drums of Death geben. Natürlich wollen wir in erster Linie gute Musik veröffentlichen, die eigentliche Idee ist aber, dass diese die Parties repräsentiert. Deshalb muss jeder veröffentlichende Künstler eine sehr starke Persönlichkeit haben. Sie sehen alle gut aus, haben eine gute Lichtshow etc. Es ist wirklich wichtig für uns, sie zuerst live gesehen zu haben, bevor wir etwas veröffentlichen.
Jetzt hoffen wir, dass die Leute die Musik hören und zu unseren Parties kommen. Wir experimentieren dort viel: Joe spielt viel. Er ist zwar in einer Band und legt oft auf, aber er mag die Parties, weil sie für ihn ungezwungener sind. Es sind seine Parties, also kann er machen, was er will. Wir probieren mehr aus, manchmal spielen wir back-to-back mit anderen Künstlern oder Alexis oder Owen von Hot Chip kommen vorbei und probieren zusammen neue Songs aus, während sie Masken tragen und sich einfach gehen lassen. Wir sind alle Freunde und man kann sowas auch nur mit Freunden machen.

Joe hat auch so gut zu tun. Gerade hat er zwei Stücke für Little Boots Debütalbum produziert, bevor sie es in den Sand gesetzt hat…
Ja, ich weiß. Er war ziemlich froh, nicht das gesamte Album produziert zu haben. Vielleicht hätte er es aber tun sollen – dann wäre es um einiges besser geworden. Aber er will sowieso verstärkt als Produzent arbeiten. Gerade produziert er Drums of Death’s Album. Er schreibt zwar nicht mit ihm, aber er hilft ihm, seinen Sound zu finden.

A la Rick Rubin?
Vielleicht. Ich kenne Rick Rubins Stil nicht wirklich. Joe leiht ihm sein Equipment und gibt ihm vor allem viele Tipps, wie er das Album vollenden kann. Das ist immer das schwierigste für jeden Künstler, aber Drums of Death hat nicht nur eine, sondern fünf neue Ideen am Tag – und sie sind alle unglaublich, aber er beendet nie einen entsprechenden Song. Wenn er aber mit Joe zusammen ist, kann er seinen Arbeit vollenden.
Als Drums of Death anfing, hat er noch nur harte Beats produziert, die clubigen, sechs Minuten langen Beats. Das hat sehr gut im Club funktioniert und seiner erste EP war in etwa von dieser Art. Aber über die Monate hinweg hat er sich als Songschreiber wirklich entwickelt. Er singt seine Lieder richtig und spielt viel mehr am Piano ein. Die neue Single (“Got Yr Thing”) ist zwar eine ziemliche Clubnummer, aber der Rest auf dem Album ist vielmehr songorientierter, wie bei Gonzales etwa.

Das klingt gut, aber lass uns nochmal auf die Parties zurückkommen. Wie habt ihr damals die erste organisiert?
Das war spontan. Joe und ich legten seit gut einem Jahr als Greco-Roman auf; noch bevor Hot Chip richtig groß wurden und ich nach Berlin zog, um bei !K7 anzufangen. Das machte uns immer einen riesen Spaß und wir wollten unsere eigenen Parties dafür organisieren. London ist echt mies – oder war es besser gesagt vor vier, fünf Jahren. Die Clubs waren sehr teuer und es war schwierig mehre Stile in einem zu finden. Es gab Clubs für House, für Techno, Drum’n’Bass und für Hip-Hop. Aber wir mochten alles. Heute ist es recht gängig, so etwas zu behaupten, aber vor dreieinhalb Jahren war es noch sehr interessant alles zu vereinen.
Also organisierten wir unsere Party, und zwar drei Tage vorher, und kündigten am nächsten Tag an. Wir waren in eine Lagerhalle im Londoner Nord-Osten gegangen und erwarteten eigentlich, das niemand aufkreuzen würde. Stattdessen tauchten 400 Leute auf! Und das alles nur, weil Joe auf Hot Chip’s Myspace geschrieben hatte, dass er ein paar neue Sachen ausprobieren wollte.
Allerdings waren wir so ziemlich unorganisiert und nur ein Turntable funktioniert durchgängig. An der Tür hatten wir auch niemand. Matthew Herbert, der uns sehr gut kennt und andersherum, tachte auf und meinte, wir würden jemanden für die Tür brauchen. Und dann hat er es selber gemacht, stand zwei Stunden da für uns – unglaublich! Aber Matthew war gerade von einem Naturausflug zurückgekommen, bei dem er mit einem berühmten Typen aus dem Fernsehen für ein, zwei Wochen im Wald gezeltet hatte, sich nur von Würmer ernährte, im Fluss badete und das auch noch überlebte. Also stand er da mit einer riesigen Bart- und Haarpracht an unserer Tür! Dann wollte er aber unbedingt etwas trinken, weil er noch erschöpft war, und verließ den Eingang irgendwann einfach, sodass unsere Kasse dort alleine rumstand und jeder umsonst reinkam.
Letztendlich war es eine magische Nacht, eine sehr besondere. Also haben wir noch eine an einem anderen Ort einige Monate später gemacht und noch mehr Leute kamen. That was again fucking awesome. David E Sugar spielte dort und dann gingen wir nach New York um dort im November eine Party zu veranstalten und sein etwas soundclashartiger Song „OI NEW YORK THIS IS LONDON!“ war extra dafür bestimmt.

Gab es eigentlich jemals eine US-amerikanische Antwort?
Nein. Sie waren wirklich interessiert und viele Leute kamen, wahrscheinlich wegen der Hot-Chip-Verbindung. Außerhalb Englands nimmt man uns vor allem durch Joe und Hot Chip war, aber eigentlich sind wir vier Personen bei Greco-Roman, er ist nur ein Viertel. Jedenfalls gab es das gewollte „OI LONDON THIS IS NEW YORK“, aber die Idee bleibt dennoch, dass wir möglichst viel als Greco-Roman reisen und unterschiedlichste Parties in unterschiedlichsten Ländern veranstalten.

In Deutschland hat euch das etwa nach Ulm verschlagen.
Ja, ich kannte den Veranstalter aus Berlin. Also sind wir bin ich mit Drums of Death und Raf Daddy dort hingefahren.

Und ihr wart in Austin, Texas.
Das war im letzten November mit Drums of Death und Joe; die vielleicht beste Party überhaupt. Ich war nicht dabei, aber sie erzählten mir davon. Jemand hatte einen Garten mit Swimmingpool in seinem Garten und veranstaltete dort gerne Parties, also ließ er uns dort eine machen. Am Ende kamen 650 Leute, kletterten sogar über die Mauern um rein zukommen und irgendjemand rief die Polizei…
[In diesem Moment unterbricht uns der fremde Mann vom Nachbartisch plötzlich und erzählt Parties, die er in L.A. Alex verabredet ein Gespräch mit ihm im Anschluss.]
Ich bin wirklich interessiert daran, in L.A. etwas auf die Beine zu stellen… Entschuldige bitte, wo waren wir?

Wir haben über eure internationalen Parties gesprochen. Wo wart ihr noch?
In Moskau – fucking weird -, Lyon – das war großartig -, natürlich London und Berlin. Wir sollen auch nach Paris gehen und werden bald in Tel Aviv eine Party veranstalten.

Ich vermute also, dass ihr Global Players seid.
Du weißt ja, was wir damit heraus tragen wollen… Es ist für jeden von uns ein Nebenprojekt und weder eine Hot-Chip-, noch eine !K7-Sache. Wir spielen also nur in Städten, in denen wir es auch wirklich wollen. Gerade fasziniert uns eben Tel Aviv, also gehen wir dort hin. Verstehst du, was ich meine? In Paris sind zwar manche Teile der Szene wirklich erstaunlich, aber dort gibt es nicht gerade die allerinteressantesten Plätze, wo ich feiern wollen würde. Hier geht es darum, neue Orte zu erkunden. Vielleicht ist Ulm dafür kein gutes Beispiel, aber wenn wir etwa nach Schweden gehen, gehen wir nach Malmö und nicht nach Stockholm.

Warum spielt ihr dann auf Festivals wie dem Glastonbury?
Weil sie viel Spaß bringen. Wir versuchen dort kleine Ableger unserer Parties zu veranstalten. Wir nehmen uns drei, vier Stunden für das Set und packen eine normale Londoner Party in diese paar Stunden. Da spielen dann viel zu viele Djs, dann noch Liveacts und sogar solche, die dann noch über die Dj-Sets mc’en, um zu sehen, ob es auch vor tausend Festivalbesuchern funktioniert.
Das hat letztes Jahr beim Glasto’ sehr gut funktioniert, aber bei einem anderen Londoner Festival dann auch nicht. Es war das totale Chaos, wir waren schrecklich. Es legten die schlechtesten Djs auf, die ich jemals gesehen haben, und wir waren diese Djs… Aber wir experimentieren dort eben viel, spielen neue Songs und Freunde stoßen dazu.

Und die Zuhörer sind dann für gewöhnlich eure eingeschworene Fangemeinde?
In gewisser Weise, ja. Ich arbeitete die ganze Zeit und wollte deshalb das nicht so vorantreiben, wie ich andere Dinge normalerweise vorantreibe. Ich wollte, dass die Leute zu uns kommen, also gab es nie Werbung. Wir sind sehr von Mundpropaganda abhängig. Und in London ist das kein Problem: Da so viele Leute involviert sind, tauchen trotz allem mehr als 400, 500 Leute auf. In Berlin hätte ich da aber ein Problem, weil ich hier nicht so viele Leute kenne und alles alleine mache. Aber es ist toll, dass wir jetzt mit unseren Künstlern und unserer Arbeit um die Welt reisen können.

Eure aktuelle Statistik zeigt vier Veröffentlichungen in zwei Jahren. Das sieht nicht gerade sehr rege aus. Ihr wollt bestimmt, dass alles natürlich wächst oder?
So in etwa. Wir hatten ja alle unsere Arbeit, ich bei !K7 und der Rest auch. Es war also schwierig, Zeit für die Veröffentlichungen zu finden. Aber jetzt werden wir zwei Alben und mehr raus bringen. Außerdem geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um den Auftritt. Man findet kaum Künstler, die fantastische Musik machen, gut aussehen und eine großartige Lichtshow haben. Auf solche Leute muss man warten.

Ha, über das Aussehen sollten wir nochmal reden: Totally Enormous Extinct Dinosaurs sehen eher seltsam, denn gut aus.
Nun, sie sehen vielleicht nicht großartig, dafür aber interessant aus. Ich glaube es geht darum, dass wir alle von Livemusik fasziniert sind, wie Hot Chip. Man muss wirklich festhalten, dass sie eine gute Band abgegeben. Außerdem wollte ich nach unserer ersten Party hier diese Wir-feiern-bis-in-den-frühen-Morgen-Mentalität nach London bringen, denn vor zwei, drei Jahren hat jeder Club noch um zwei oder drei Uhr bereits zugemacht. Auf der anderen Seite wollte ich das eklektische an London nach Berlin transferieren, denn hier spielen die DJs über all für Stunden den selben Beat oder legen gar mit Laptops auf.

Das ist nich das Wahre.
Genau, ich will eine Show haben. Ich will mir etwas anschauen können und unsere Musik soll anders sein. Bei Greco-Roman verändern wir unsere Musik stetig.

Ah, so langsam kommen wir zu eurer Wrestlerattitüde. Woher stammt der Name Greco-Roman?
Wenn Joe und ich auflegten, fühlten wir uns wie Wrestler. Wie waren betrunken. Es war eine sehr lustige Nacht. Und dann blieb das hängen und wir sind dem Ganzen etwas nachgegangen. Ich mag es, weil es nicht wie stupides US-amerikanisches Wrestling ist. Es ist eher…

Klassisch.
Es ist tatsächlich klassisch. Es ist langsam, schwitzig und ziemlich unsexy.

Aber immer noch erotisch.
Es ist etwas erotisch, weil es hier um Schwitzen und Umarmen geht. That’s Greco-Roman.

Und wer ist der Künstler hinter euren ganz modernen und fantastischen Artworks?
Er heißt Lorenzo (Fruzza) und ist ein Illustrator in London. Er ist unglaublich und arbeitete für ein paar Werbeagenturen, als er unserer erstes Cover gestaltete. Es war sehr, sehr gut, also durfte er weitermachen. Er wird auch immer besser und besser und die Leute nehmen ihn genauso wahr wie die Musik. Das ist cool, schließlich ist er noch sehr jung und wartet auf seinen Durchbruch.

Das TEED-Cover hat mir besonders gut gefallen.
Ja, ich glaube, das war bis dato sein bestes. Das Drums of Death ist ebenfalls wirklich gut. Die Idee dahinter war, dass jemand sein Herz gestohlen hat und man ihm stattdessen eine Drumcomputer eingesetzt hat.

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Drums of Death deeyaing in London

Also wird es das Album nun im Herbst geben?
Es sollte schon vor zwei Monaten fertig sein. Er ging mit Peaches auf Tour und ich meinte: “Du weißt, dass wenn du es jetzt nicht beendest, wirst du es nach der Tour niemals schaffen.” Aber er meinte nur: “Ja, ja, ich weiß.”, und ließ das Album halbfertig zurück. Ich werde schon langsam ein bisschen verrückt, aber es sollte diese Woche geschafft sein.

Also arbeiten er und Joe gerade daran?
Ja, sie werkeln an ihm in seinem Schlafzimmer. Jeder in London nimmt in seinem / ihrem Schlafzimmer auf, da man hier kaum einen Platz dafür wie etwa in Berlin bekommt. Hot Chip haben mittlerweile ihr eigenes, aber auch erst jetzt, für das vierte Album. Die ersten drei wurden alle in Joes Schlafzimmer gemacht und das ist sehr klein, etwa von hier nach da.
[Alex malt einen kleinen Raum in die Luft, in dem er auf die Stühle direkt links und rechts von uns zeigt.]
Wirklich klein. Er hat dort ein Doppelbett für sich und seine Frau, sowie einen Tisch mit seinem Computer und allen Platten stehen. Das war es. Und dort haben sie bis jetzt alle ihre Alben gemacht. Bei Drums of Death ist es das selbe: Er hat einen Tisch, ein Bett und einen Stuhl. Im Prinzip sind ihre beiden Schlafzimmer identisch.

Es gibt da diese Theorie, dass man angesichts schwierigerer Umstände bessere Musik macht.
Vielleicht. Zumindest macht man die Musik dann schneller. Etwas, das ich in London bemerkt habe, ist die Eile, der Druck, die in der Luft liegen. Die Menschen treiben alles wirklich sehr stark voran. Ich weiß nicht, ob das besser ist oder nicht, aber die Art ist eben verschieden. Mir gefallen da Teile beide Alternativen, aber Drums of Death macht die Musik, weil er das Geld braucht. Trotzdem können auch reiche Leute gute Musik machen.

Und warum machst du keine eigenen Platten?
Ich weiß es nicht.

Hast du es versucht?
Ja, aber ich war wirklich mies. Deshalb habe ich immer für Plattenfirmen gearbeitet. Ich kann selbst nicht Musik machen, wollte aber immer mit ihr arbeiten. Ich habe immer verstanden, worum es geht, was gut aussehen würde und werde daran interessiert sein würde.

Eine Gabe.
Das ist auch das Gute an Greco-Roman: Ein Musiker und Produzent, einen A&R-Manager, ein Künstlermanager und jemand, der bei der Bank arbeitet – mehr braucht es nicht. Dann haben wir noch zwei weitere Leute. Der eine betreibt schon eine Label und der andere ist Radiomoderator und DJ. Alle kommen aus verschiedenen Richtungen, was von Vorteil ist. Einzig jemand, der die Parties bewerben würde, fehlt. Daher sind die aber auch so ein großer Spaß. Allerdings verdienen wir damit kein Geld, denn wir sind nicht sonderlich gut darin. Naja, wir haben etwas Geld mit der ersten gemacht und es dann aber schnell mit den nächsten wieder verloren. Es fühlt sich dafür immer noch wie eine Party und nicht wie eine reguläre Clubnacht an.

Und wie sieht es mit den Veröffentlichungen aus?
Nein, mit denen verlieren wir ebenfalls Geld. Aber wir bekommen es durch die Festivalgagen, das ist auch ein Grund, warum wir dort spielen. Sie bezahlen besser als jeder andere.

Wagen wir einen Blick voraus: Sucht ihr noch nach neuen Künstlern?
Ich denke, wir haben schon genug und suchen deshalb auch nicht aktiv nach neuen, aber ich will mir immer neue Sachen anhören. Außerdem wollen wir auch unterschiedlichste Musik aus verschiedenen Genren veröffentlichen. Wir haben schon eine Electro-Platte gemacht, eine Disco-Pop- und eine Rave-. Ich würde gerne noch eine Dubstep- und eine Garage-Platte rausbringen. Vor zwei Wochen haben wir uns auch mit einem Indiekünstler, Wolf Gang, über eine Single unterhalten, aber sie kam nicht zustande.

Also wird Greco-Roman zu einer Art Kitsuné heranwachsen?
Ja, so ähnlich. Sie touren viel und haben eine sehr klare visuelle Identität. Wir machen ungefähr das selbe, nur mit etwas mehr Spaß.

Wie sieht deine Zukunft und die des Labels aus?
Ich werde mit Pferdeschwanz im Pool abhängen (gerade trägt Alex übrigens Glatze). Ach, ich weiß nicht. Ich würde sagen: Viele Parties in vielen, verschiedenen Städten und viele Fehler, gerade live.

Und wenn die Menschheit mal eines Tages den Mars besiedeln wird und ihr als erstes DJ-Team überhaupt rüber fliegen dürftet, wäret ihr an Board?
Ich würde wohl nicht Drums of Death mitnehmen. Er würde die Marsianer verschrecken.

We Are Free: Der Traum von Freiheit

13:02

Kleine Geschichten von Visionen, musikalischen Revolutionen oder einfach nur jeder Menge Herzblut. Diesmal mit We Are Free (USA).

We Are Free

We Are Free: Transzendente Musik und orientalische Symbolik

We Are Free – sie sind frei, denn: Einen Menschen und drei einzigartige Bands – mehr bedarf es nicht, um einer Welt der Musik ein neues Gesicht zu geben. Das ist zumindest die Vision von Jason Foster. Der 33-jährige aus Baltimore will sich und seinen Künstlern schlichtweg die Möglichkeit geben, alles zu kontrollieren – von Veröffentlichungen bis hin zu Promotion und Touren; völlig verschieden von der mit Argwohn betrachteten, verkommerzialisierten Industrie. Ein paar Verwegene gegen das Establishment? Es mutet romantisch an.

Doch die Idee an sich ist zwar radikal, aber nicht neu. Die Musik ist der Star. We Are Free ist die Heimat von drei fantastischen Bands geworden, auf die sich Jason Foster eingeschworen hat: Yeasayer aus New York, Ponytail aus Baltimore und Indian Jewelry aus Houston (alle USA). Das Trio verbindet eine eigenwillige Mischung aus vertrackten Arrangements, hymnischen bis gospelartigen Gesängen und einem experimentellen, breit gefächtertem Spektrum an verwendeten Instrumenten – Pop und Rock mit verschrobenen Melodien und mit Charakter. Das Attribut “progressiv” hat sich, von allen Ballast befreit, wieder in die Musik eingeschlichen.

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Der ersten Labelveröffentlichung, Yeasayers Debütalbum All Hour Cymbals, gelang es bereits im letzten Jahr, auf beiden Seiten des Atlantiks neue Freunde für diese Bewegung zu gewinnen. Nach den Vereinigten Staaten und Großbrittanien erreichte man dann in diesem Frühjahr auch Deutschland. Der Intensität von Liedern wie “2080” oder “Sunrise” konnte man sich nur schwer entziehen und Yeasayer schafften es auch diese Spannung über einen ganzen Langspieler aufrecht zu erhalten. Eine wundervolle Platte also, gekrönt mit einem fantastischen Artwork. Ein solches erhielt auch Indian Jewelrys im Mai veröffentlichtes Album Free Gold. Ein Zweitling von Ponytail – nach Kamehameha auf Creative Capitalism die We Are Free-Premiere – erscheint am 17. Juni 2008.

Jason Foster ist in diesem Geschäft allerdings kein Unbekannter. Er ist parallel auch Hauptverantwortlicher von Monitor Records New York, dem Label der Battles und The Earlies u.w., von dem er auch Indian Jewelry quasi übernahm. Ende Januar blickten wir gemeinsam auf das Konzept von We Are Free und in dessen Zukunft anno 2008:

Jason, welche Idee steht hinter We Are Free?
Ich denke der Grundgedanke ist, den Charakter heutiger Labels zu verändern. Ich wollte einfach etwas mit einem kleinem Budget aber ehrlichen Veröffentlichungen beginnen. Denn vieles macht vielleicht auf den ersten Blick großen Spaß ist aber oft nicht von Dauer. Aber bei We Are Free kann ich mich dem vollkommen widmen und bin überall involviert. Zum Beispiel bin ich Yeasayers Manager und Plattenlabel in einem und kontrolliere wirklich fast alles. Effektiv bedeutet das mehr Möglichkeiten und weniger Kosten.

Verändert man so die Organisation “Label” an sich?
Ja, ich will alles zusammen packen – das Produzieren, der Vertrieb und Verkauf -, um es zu vereinen. Viele Leute da draußen haben keine Ahnung, was man so alles erreichen kann. Man hat viel mehr Kraft für alles.
Eine neue Art des progressiven Labels?
Ich denke schon. Wir haben begonnen einige Hauptaspekte des Labelgeschäftes zu verändern. Die ganzen Majors agieren förmlich aggressiv: Jede Band bekommt ihre eigene Mode, teure aber uninspirierte Videos und so weiter… Sie haben mehrere Bands, die einfach eine Veröffentlichung nach der anderen präsentieren. Ich will etwas anderes machen. Da gibt es keine strikte Regeln für uns. Das passt perfekt. We Are Free konzentriert sich auf nur drei Bands, aber diese sind professionell und machen neue Musik. In meinen Augen, sind sie sehr interessant und haben eine große Perspektive. Es ist großartig zu genießen, wie kreativ Ponytail, Yeasayer und Indian Jewelry sind.

yeasayer

Yeasayer

Warum hast du diese drei Bands ausgewählt?
Weil ich erwartete, dass sie frisch und neu klingen würden und genau das machten und machen sie. Als ich das Demoband von Yeasayer hörte, dauerte es gerade einmal weniger als eine Minute um zu erkennen, dass das die erste Band ist, die für das Label unter Vertrag genommen werden muss. Damit begann alles.

Was kann man für 2008 erwarten? Weitere Bands vielleicht?
Neue Bands? Vielleicht später. Momentan werde ich langsam gespannt für die neue Großbritannien-Single von Yeasayer im März. Es wird ein grandioses Video haben. Einfach super! Der Song wird ein gekürzte Version von “Waiting for the Summer” aus dem aktuellen Album. Indian Jewelry und Ponytail werden ihre Alben im Sommer rausbringen. Es wird auch bei digitale Aktionen geben. Eine Art Tour mit Auftritten im Westen und Südwesten der USA wird folgen und dann werden und dann die Festivals, die uns den ganzen Sommer über beschäftigen werden.

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Yeasayer | Homepage | Myspace | Mp3:  ” 2080″ | “Sunrise”
Indian Jewelry | Homepage | Myspace | Mp3 “Lesser Snake” | “Health and Wellbeing”
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