Archive for the ‘Fokus’ Category

MS MR – Pop am Abgrund

07:53

Sie trifft ihn, er trifft sie, es funkt. Und weil allein schon diese wenigen Informationen das Kopfkino befeuern, Geheimnisse bekanntlich die Fantasie anregen, bleibt es bei MS MR aus New York (vorerst) auch bei dieser spärlichen Erzählung. Namen? Gesichter? Biografien? Alles Fehlanzeige! Nur drei Fotos auf ihrem Myspace-Profil belegen, dass es sich bei MS MR um ein Duo handelt. Dessen weiblicher Part hat scheinbar ein Faible für Flakons, sein männliches Pendant eins für das Schachspiel. Offensichtlich handelt es sich um eine young miss bzw. young mister. Allerdings, dort endet die gedachte Romanze bereits, denn in den Liedern von MS MR sind Selbstzweifel und Verbitterung die bestimmenden Themen.

“These are hard times for dreamers / and lovers, believers”, heißt es da in Bones, dem ersten Song der im Herbst eingestellten EP Ghost City USA. Wie es der post-apokalyptische Titel schon andeutet: Die namensgebenden Knochen sind natürlich kalte, kalkweiße Gebeine; der verbundenen Seele soll die Isolation gewährt werden, die Uhr zeigt Mitternacht. Ein weiteres Stück, Ash Tree Lane, wurde höchstwahrscheinlich von Mark Z. Danielewskis hintergründiger Horroerzählung House of Leaves (in Deutschland: Das Haus) inspiriert.

Dennoch handelt es sich bei MS MR nicht um eine Gothic-Formation. Eher ist ihre Musik schwermütiger bis dramatischer Synthpop mit Schlagzeugunterstützung, gesprengelt von kleineren Noisesamples. Die Stimme der unbekannten Sängerin erscheint zunächst leicht unterkühlt, packt den Hörer schließlich aber raumgreifend in den Griff von Sentiment und Melancholie.

Solche Klangentwürfe waren zuletzt vor allem in Großbritannien zu hören, bei Florence and the Machine etwa (An Welchs Stimme erinnert jene der MS MR-Sängerin in ihrer Eindringlichkeit auch.) oder bei Patrick Wolf. Dessen Abschiedsode Time Of My Life hat sich die Band angeeignet. Und sie wirkt ihnen wie auf den Leib geschneidert, wenngleich sich Songstruktur und Arrangement stark am Original orientieren.

Inhaltlich knüpft nun Hurricane, MS MR’s neuestes, gerade veröffentlichtes und bislang bestes Lied, an die Beziehungsaufarbeitung an. Auch hier bleibt die Protagonistin allein zurück, das Schicksal wurde allerdings notgedrungen selbst gewählt. Eine empfangene Liebe kann nicht erwidert, aus Angst vor den eigenen Dämonen wird das Herz verschlossen. Ein angenehm schwerer Kopfnickbeat und dezente Streicher lassen dabei jedoch nicht allzu Melancholie aufkommen – Pop von Format! Für 2012 sollte MS MR der Durchbruch ins Haus stehen, und siehe da: Im Vorprogramm von Marina and the Diamonds gilt es demnächst, die allerersten Liveauftritte zu absolvieren.

Dies ist ein durch Myspace Deutschland vermittelter Eintrag.

patten

16:50

[vimeo 27587374 nolink]

Die britische IDM-Hoffnung patten (vollständig in Minuskeln geschrieben) will am 26. September sein Debütalbum GLAQJO XAACSSO (vollständig in Kapitalen) vorlegen. Nachdem zuvor Werk Discs als potentielle Labelheimat des Londoners galt, erscheint der Langspieler nun bei den hiesigen Obskuritätenspezialisten von No Pain in Pop. Begleitet wird die frohe Kunde von einem neuen Video zu “Blush Mosaic” (siehe oben) und einem Remix.

patten, als Produzent noch gesichtslos, setzt dabei gerne auf die Überforderung und lässt etwa in “Blush Mosaic” Blue-Monday-eske Erweckungserlebnisse sich aus beinah überfrachteten Verschachtelungen von Glitch, House, Synthpop, chopped beats und Vokalfetzen direkt in das hörende Unterbewusstsein schälen. Das kristalline Video dazu drehte Jane Eastlight, die auch schon für Alak gearbeitet hatte. Als Remixer von “my love is the best” der Letzteren (ein Projekt der Kalifornierin Jocelyn Jade Noir) löst patten hingegen nur behutsam die hymnische Monotonie des Einstiegsloops, hebt sich körnige Claps und den nahezu banalen Gong fast bis zum endgültig entrückenden Schluss auf.

Es ist ein nicht enden wollendes Dickicht in das man sich hier voller Vorfreude auf detailverliebte Überraschungen stürzen. Auch seine Webseite ist in etwa so übersichtlich wie die Kritzelei-Flyer-Collagen Berliner Clubklotüren. Über die bloße Collagieren setzt er sich dabei aber spielerisch hinweg und so ist der gewählte Künstlername durchaus als sinnstiftende Metapher zu sehen: Als patten werden in der englischen Sprache nämlich jene Holzplateausohlen bezeichnet, die im Mittelalter die Füße der Bürger vor den Ansammlungen von Pferdedung, Müll und menschlichen Ausscheidungen auf den Straßen schützte, sie quasi darüber erhob.


ALAK : my love is the best (patten Remix) (Download)


patten : This sharpened mist (slow turn version) (Download)

patten GLAQJO XAACSSO
1. Ice
2. Crown 8vo
3. Words collided
4. a.m./soft focus
5. Blush mosaic
6. & our wild paths intersect
7. Fire Dream
8. Peachy swan
9. Out the coast
10. Ndi bem
11. Plurals
12. Rubylith film

Das oben verwendete Foto hat die Fotografin Mi Nguyen im Hafen von Amsterdam geschossen, wo sicherlich auch einige niederländische Klompen tagtäglich verschifft werden. Alle Rechte vorbehalten.

The Sister Ruby Band

17:46

[vimeo 27513401 nolink]

John Ruby ist der Mephisto seiner eigenen Zitatehölle. Ein Betörender, wohl gemerkt. Einer mit einer Stimme und Zeilen, die mensch nicht so schnell vergessen kann, nicht vergessen will. The Sister Ruby Band (Foto: Robert Felix) heißt das Einmannprojekt des 22-Jährigen aus Los Angeles. Morgen erscheint im Selbstvertrieb sein Debütalbum In Cold Blood, für heute aber sind “Graceland Smile” (Videoregisseur war der Londoner Fotograf Richard Nicholson vor hiesiger Kulisse, dem Barbican Centre) und der Gratisdownload “Rebecca (Just Take It From Me)” die unauslöschlichen Leuchtfeuer im grauen Sonntagsregen. Wohl, die letzten Werke der Gebrüder Gallagher hätten ruhig so klingen dürfen.

The Sister Ruby Band : Rebecca (Just Take It From Me) (Download – einen Monat gültig)

Family

15:30

Wieder einmal führt der Weg zum Licht über den Modus der Entschlüsselung. Family sind eine neue Band, genauer ein Quartett, aus London, das unseren Gefallen gefunden hat, allein aber schon durch seinen Namen jegliche Recherche erschwert. So bleiben zunächst nur eine Bandbesetzung aus “Art Tom Bru Lu Lu Ga Ga” (sic) und ein aus mehreren Bibelstellen frei zusammengesetztes Micromanifest von der gesichtslosen Formation:

GOD SPOKE TO MICHAEL
AND MICHAEL WEPT
BUT RIGHTEOUS PPL FLOURISH LIKE PALM TREES
AND GROW TALL LIKE CEDARS OF LEBANON
SO HAVE FAITH
THE KIDS ARE COMING
.

Family haben die Palme als ihre Ikone, als ihre visuelle Repräsentanz auserkoren. So ziert sie alle drei auf Bandcamp veröffentlichten Kompilationen, Family I, II und III. Zuletzt war die Band obendrein mit den nicht minder enigmatischen W U L Y F in Großbritannien auf Tour.

Warum wir das alles schreiben? Weil Family für sich eine umwerfend schöne Lo-Fi-Musik gefunden haben (sie selbst bemühen sich um mehr Attitüde, nennen die Musik Ho-Fi, also Huren-Fi). “Baba” etwa ist eine Hymne juveniler Zerrissenheit, die einen nicht mehr loslässt. Alle anderen sieben Lieder sind nicht weniger berührend. Da schlummert allerhand Talent und großes Gefühl in den Zwischentönen.

Einen Konzertrückblick samt Fotos aus London gibt es übrigens bei DEER BRAINS.



Lana Del Rey

13:03

Baby, can’t you see that I’m danger? Mit Lana Del Rey, bürgerlicher Name: Lizzy Grant, sollte man sich besser nicht anlegen. Zumindest möchte einem das die in der ehemaligen Winterolympiaden(klein)stadt geborene Sängerin nur allzu gerne deutlich machen. Ihr Lebenslauf listet Stationen wie Alabama, New Jersey, zuletzt London und aktuell New York City, problemlos hätten sich aber auch Nashville und warum nicht auch der Sunset Boulevard in Hollywood dazugesellen können, denn mit ihren sinnlichen Lippen und der noch viel schöneren Stimme ist Del Rey ein kommender Star für alte Fans Nancy Sinatras und Marianne Faithfulls, heimliche (und offene) Anhänger Duffys, aber auch Besitzer des ein oder anderen Cat-Power-Albums. Nur handelt es sich hier eben um die bad girl Variante.

Diamonds on my wrist, whiskey on my tongue, lautet ihre Standortortbestimmung im Refrain des eingangs zitierten “Kinda Outta Luck”, kurz denken wir an Ke$ha, dann hat Lana uns bei eingängigem 60ies-Soul-Pop-Rhythmus wieder. Dem besungenen Liebsten (You made me nice for a while, but my darkside’s true.), droht Ungemach, das lyrische Ich will ihn erschießen. Der eigene Vater liegt da schon längst tot im Kofferraum. Natürlich funktioniert das Spiel auch andersherum, aus “Diet Mtn. Dew” (Demodownload am Artikelende) sprudelt die Unvernunft hervor: You’re not good for me, but baby, I want you, und: Maybe I like this rollercoaster, maybe it keeps me high - die Liebe als stetiger Adrenalinschub. Lana hätte sicherlich auch eine gute Bonnie Parker abgegeben. Die Synthese folgt mit der wundervollen Ballade “Video Games”: I heard, you like the bad girls only, is that true?, bringt sie sich in zunächst kokettierend in Stellung, am Ende verfällt sie ihrer eigenen gangster love story vollkommen und liefert sich aus: It’s you, it’s you, it’s all for you. Everything I do. I tell you all the time, heaven is a place on earth with you.

Untermalt wird das im Falle von “Kinda Outta Luck” und “Video Games” mit aus unterschiedlichsten Filmschnipseln zusammengesetzten Musikvideos. Zwischen 50er-Jahre-Werbung und -Kinofilmen in schwarz-weiß, Konzerten, Comicstreifen, TV-Nachrichtenausschnitten und allerhand mehr mischen sich Aufnahmen der singenden Lana Del Rey, von üppigen Locken gerahmt und in Webcam-Optik. Die scheinbare Zurückhaltung in den Produktionsmitteln ist aber wohl nur vorgeschoben, die Nachwuchskünstlerin besitzt bereits Pressevertretungen auf beiden Seiten des Atlantiks, hatte einen Gastauftritt bei Mando Diaos MTV Unplugged und nahm anscheinend ein paar eher lauwarme Stücke mit dem EMI-Texter Noah McNamara auf. Auch ein vor einem Jahr aufgenommenes, aber nie veröffentlichtes Album konnte nicht recht überzeugen. Laut Guardian sind ihre 19(!) neusten Stücke, darunter die oben genannten drei, aber von ganz anderer Qualität, was natürlich überaus vielversprechend ist. “Video Games” soll wohl die erste Single werden, derweil ist Nancy Sinatra bereits auf ihre potentielle Nachfolgerin aufmerksam geworden.


Lana Del Rey : Diet Mtn. Dew (Demo) (Download)

Herman Dune : Interview x Verlosung

19:00

Mit Strange Moosic haben David-Ivar “Yaya” und “Cosmic” Néman Herman Dune dieser Tage ein sommerliches und erquickendes Pop- und Folkalbum mit großartigen Texten vorgelegt, das schnell eine große Hörerschaft finden dürfte. Das gelang zwar schon vielen der insgesamt acht Vorgängeralben des französisch-schweizerischen Duos, selbstverständlich wäre es deshalb noch lange nicht. Schließlich wagten sie dieses Mal das Experiment und nahmen sich vor den Albumaufnahmen in Portland ihre erste echte Auszeit von der Band in mehr als zehn(!) Jahren. Wir haben mit Herman Dune über die Erkenntnis von Bedürfnissen, Reisen, den Einfluss der US-Kultur und ihr neues Video zusammen mit Mad-Men-Schauspieler Jon Hamm gesprochen.

Vorab aber noch eine Information: Derzeit sind Herman Dune auf auf Europatournee, spielen etwa heute Abend in London und am 14. Juni mit Waters und Wye Oak beim City Slang Summer Slang “Strange Moosic” im Festsaal Kreuzberg, Berlin. Wir verlosen noch 2×2 Karten für diesen Abend. Wie immer entscheidet dabei das Los, nur diesmal bitten für euch um einen Kommentar auf unserer Facebook-Seite. Viel Glück!

-Interview-

David, Néman, wie geht es der Familie der blauen Yetis?
DAVID-IVAR: Ziemlich gut. Sie hatten Ausstellungen und so weiter. Baby Blue ist im neuen Video zu sehen. Es ist viel los.
NÉMAN: Sie waren in Texas und Kalifornien und sind richtige Globetrotter geworden.

Einer ist auch auf dem Cover von Strange Moosic zu sehen. Die zweidimensionale Gestaltung erinnert an Videospiele wie Farmville oder Zoo Tycoon. Was für Spiele spielt ihr?
D: Ja, es ist eine Sim-City-artige Gestaltung, aber ich wollte dort eine Waffle-House-Filliale zeichnen. Ich bin jedenfalls ein großer Nintendo-Fan, spiele viel Mario Cart. Aber das ist nichts, was ich weiterempfehlen würde, denn ich habe recht viel Zeit mit dem Spielen verschwendet. Ich kann etwa zwei Stunden mit Zoo Keeper, einem großartigen Spiel, verbringen, aber könnte in der Zwischenzeit auch schon drei Lieder geschrieben haben. Und die Arbeit macht ja Spaß, wenn du ein Texter bist und einen Refrain entwirfst. Wenn du aber wiederum deine Arbeit hasst, dann geht es dir wohl mit Videospielen tatsächlich besser.
N: Spiele können mich sehr schnell begeistern, aber ich spiele sie nie sehr lange, werde nicht süchtig danach.
D: Néman hatte ohnehin nie eine Suchtpersönlichkeit, was ihn für mich zu einem Schutzschild werden lässt. Ich kenne ihn seit Jahren und beispielsweise kann er rauchen ohne davon abhängig zu werden. Als ich aber mit Super Mario World anfing, musste ich es vollenden. Es war schwierig, aber eines der besten Spiele überhaupt. Es hat mich verrückt gemacht.

Also hast du noch nicht eine Sucht gegenüber der Musik selbst, Néman?
N: Das ist lustig. Wenn ich meine Eltern in ihrem Sommerhaus in den Schweizer Bergen besuche, ist das wohl die einzige Zeit und der einzige Ort in der bzw. an dem ich keine zu hören brauche. Normaler Weise habe ich immer Platten um mich herum und kaufe auch viele davon. Dann hält mich aber schon das bloße draußen Sein, das Klettern oder Schwimmen davon ab, süchtig zu werden.

David, du meintest gerade, drei Stücke in nur zwei Stunden schreiben zu können. Das wiederum klingt nach einer nahezu suchtartigen Schreibgeschwindigkeit.
D: Das weiß man nie. Zu manchen Lieder kann man oftmals wiederkehren, jenen Teil oder jenen Reim zu ersetzen zu versuchen oder an der Melodie arbeiten. Aber manche kommen auch sehr schnell. Du kannst etwa eine schlaflose Nacht haben, einfach nur mit deiner Gitarre und voller Inspiration.

“Ich bin jetzt 44 und es gab nie ein Jahr, zudem ich zurückkehren möchte.”

Der besondere Umstand des Albums ist, dass ihr euch zum ersten Mal Zeit für eine wirkliche Pause vom Touren und Aufnehmen gegönnt habt, bevor ihr euch mit ihm auseinandergesetzt habt. War es schwierig, wieder in den Rhythmus zu kommen?
D: Nein, es hat Spaß gemacht. Zu etwas zurückzukehren bedeutet, dass du es tatsächlich und wirklich gewollt und gebraucht hast, was du vorher gar nicht wissen konntest. Es war toll diese Pause zu nehmen und diese Bedürfnis wiederkommen zu spüren, gerade da wir für so lange konstant am Stück gespielt haben. Die Pause war eine gesunde Entscheidung.

Es war also eine Art Selbsttest?
D: Die Musik war nie ganz weg. Ich haben jeden Tag gespielt. Aber wir mussten wissen, ob zum Aufnehmen eines Albums und Spielen des selben auf Konzerten, wirklich noch das war, was wir wollten. Und für mich war es eben tatsächlich immer gut und das, was ich wollte.

Habt ihr eure Entscheidungen in der vorangegangenen Dekade des permanenten Touren und Aufnehmens jemals zuvor derart infrage gestellt?
D: Es war eine durchweg gute Zeit. Es gab nur wenige Male, an denen wir uns erschöpft fühlten, an denen ich dachte, es wäre vielleicht besser ein Studiomusiker zu sein und mit dem Hund zuhause zu bleiben, oder eher ein Produzent und Texter statt eines tourenden Künstlers zu sein.
N: Es braucht viel Energie, aber ich habe es nie bereut. Die letzten zehn Jahren waren die besten meines Lebens und ich hoffe, dass sie andauern werden. Ich könnte es mir nicht vorstellen, irgendetwas Anderes als Musik mit meinem besten Freund zu machen, auf Tour zu sein und alle diese unterhaltsamen Menschen zu treffen. Wir sind sehr glücklich.
D: Es ist ein toller Beruf, gleichwohl aber auch allerhand Arbeit. Der kreative Teil nimmt sehr viel von dir.  Und viele Leute, die ich kenne und die es wohl so niemals direkt sagen würden, denken, dass ihre beste Jahre, jene in der Schule oder an der Universität waren. Das spüre ich an der Art, wie sie reden. Aber für mich war bisher jedes einzelne Jahr besser als das davor. Ich bin jetzt 44 und es gab nie ein Jahr, zudem ich zurückkehren möchte.

Eine sehr lebhafte Thematik in Strange Moosic sind auf road trips gesammelten Erfahrungen, in “Ah Hears Strange Moosic”, “Be A Doll And Take My Heart”, “Just Like Summer”, “Lay Your Head On My Chest”. Seid ihr auch während der Pause weiter herumgereist?
D: Jetzt, wo du es sagst, verbarg sich dahinter wohl ein Freud’scher Wille, wieder auf Tour gehen zu können oder meinerseits wie Willie Nelson singen und schreiben zu können, ha. Herumzufahren ist fantastisch, man. Etwa für Wörter und Melodien ist es ein großartiges Mittel, um zu neuen gelangen. Und wenn ich nicht auf Tour bin, liebe ich es einfach, irgendwohin zu fahren.

Ohne Ziel?
D: Mal mit einem, mal ist es auch der Weg wichtiger als das. Und dabei spreche ich nicht von Flugzeugen, denn die gefielen mir nie. Es ist ein Stress wie wenn man in einem Bus sitzen würde für zehn Stunden.
N: Flughäfen sind am schlimmsten. Aber Autofahren oder auf einem Boot und in einem Zug sind gute Wege, um irgendwohin zu kommen.

Was für Autos fahrt ihr? Ältere Modelle wie jenes aus dem Video zu “Tell Me Something  I Don’t Know”?
D: Ich würde liebend gerne so einen alten Chevy fahren. Ein Malibu war das beste Auto, das ich jemals gefahren habe, aber für gewöhnlich fahre ich einen Honda. Auf Tour sind es dann Transporter von Mercedes oder Volkswagen.

Chevrolet ist eine US-amerikanische Ikone, Strange Moosic wurde zudem in Portland, Baltimore, aufgenommen. Welchen Einfluss hatten die USA und die Reisen durch sie hindurch auf den auf den kreativen Prozess?
D: Für mich sind Amerika und die Vereinigten Staaten sehr wichtig. Meine Kultur stammt von dort. Ich liebe es, dahin zu fahren, Englisch zu sprechen, die Landschaft zu sehen, durch Missouri oder Kalifornien zu fahren. Wenn wir in den USA waren, hatten wir immer Spaß und alle waren nett zu uns. Ich fühle mich dort zuhause, gerade da es die Geburtsstätte des Rock’n’Roll ist. Das lässt immer Erinnerungen an bestimmte Lieder hochkommen.

“Warum verbringen manche ein Leben damit, auf ein Wunder zu warten, wenn alles um dich herum eines ist?”

Kannst du einen solchen Moment bitte beschreiben?
D: Venice, Los Angeles, lässt mich an Orson Welles’ Touch of Evil denken, das dort gedreht wurde. Oder ich denke an the Doors, die dort gelebt haben. Und erst New York… Alles zwischen Woody Allen, Seinfeld, Bob Dylan erscheint. Es fühlt sich gut an, nach Chicago zu kommen mit der Vorstellung, dass Chuck Berry und Muddy Waters dort vor dir gespielt haben.

Dem Lied “Monument Park” gelingt es sogar, die Atmosphäre der USA in den 1950ern einzufangen. Andererseits singt ihr in “Tell Me Something I Don’t Know”: “Every new band sounds like I heard them before.” War das nur ironisch gemeint?
D: Wahrscheinlich ist es das. Wir mögen es, ältere Geräten zu benutzen, meine Gitarre ist etwa von 1954. Aber wir mögen nur die Klänge, wir wollen nichts reproduzieren.
N: Sogar die Synthesizer, die wir benutzen, sind mittlerweile Vintage.

Es gibt auf dem Album zwei Stellen, wo Natur als ein Wunder beschrieben wird. Woher rührt diese Ansicht?
D: Meine Aufmerksamkeit wurde durch das Lesen von Büchern darauf gerichtet. Dort wurde alles als ein Wunder angesehen. Allein die Tatsache, dass die Natur so schön ist, ist ein Wunder für sich. Warum verbringen manche ein Leben damit, auf ein Wunder zu warten, wenn du erkennen könntest, dass alles um dich herum, zum Beispiel der wehende Wind, eines ist?


Herman Dune : Tell Me Something I Don’t Know (Video)

Wer hatte die Idee Jon Hamm für das Video “Tell Me Something I Don’t Know” zu besetzen?
D: Als ich das Skript schrieb, wollte ich bereits, dass ein Komiker den Fahrer spielt. Das würde am besten funktionieren, denn alles würde sehr leise sein und ich wollte, dass die Person lustig ist und eine starke Mimik besitzt. Zuerst dachte ich, es wäre total komisch, Laura David in das Auto zu setzen. Aber als ich mit (unserem Regisseur) Toben (Seymour) nochmals am Skript saß, schlug er Jon Hamm vor – nicht wegen seiner Rolle in Mad Men, aber wegen30 Rocks, wo er sehr lustig ist. Er hat ein tolles Gesicht und als ein großer Fan von Hitchcock denke ich, dass er etwas von Cary Grant oder James Stewart, diesen klassischen Typ Mann, hat. Es war eine famose Idee, aber ich glaubte nicht wirklich daran, weil er zu bekannt war. Aber Toben hat ihn einfach gefragt und er sagte Ja.

“Am Set gab es einen Haarstylisten nur für Jon, aber er hat sich auch um den Yeti gekümmert.”

Konnte euch Jon ein paar Dating-Tipps geben?
D: Meinst du etwa, wir würden solche brauchen?

Das nicht direkt, deshalb besser formuliert: Konntet ihr euch mit ihm über Dating-Tipps austauschen?
D: Er hat die Frauen definitiv angezogen. Er ist tatsächlich sehr stattlich, nicht wie all diese Schauspieler, die im echten Leben viel kleiner sind als im Film. Es ist groß und sehr stark, sieht gut aus, hat eine sehr männliche Stimme. Aber das ist natürlich keine eigentlicher Tipp, gut auszusehen. Wenn ich jedenfalls ein Mädchen wäre, würde ich ihn wohl attraktiv finden. Ich weiß zumindest, dass meine Freundin es tut. Ich möchte nicht über sein Privatleben reden, aber von dem, was er uns erzählt hat, schien er nicht wie ein zweiter Jack Nicholson zu sein, sondern eher ruhiges Liebesleben zu führen.

Zurück zum Yeti, einem sehr haarigen Monster. Gibt es irgendeine Verbindung zwischen seinem Haar und Davids langem Bart?
D: Ich male diesen Charakter jetzt schon über eine sehr lange Zeit hinweg und meistens war er da ein Alter Ego, ein Abbild meinerselbst. Wenn ich mich selbst in meinen Träumen sehe, war ich der Blue Yeti. Deshalb habe ich ihn so gemalt, in Visionen und traumartigen Szenen. Aber im Video ist es sein Sohn, Baby Blue Yeti, der wiederum meines Traum-Ichs Kind wäre. Ich denke nicht, dass er auch nur im Ansatz aussieht wie ich, aber er ist ein cooler kleiner Kerl.

Aber ihr trimmt den Yeti nicht oder?
D: Doch, als die Puppe gemacht wurde. Sie (das Furry Puppet Studio) haben dafür sehr langes Haar genommen, das sie dann schneiden mussten, um alles wie auf den Zeichnungen aussehen zu lassen. Es ist überall das gleiche Haar, nur um die Augen etc. eben sehr kurz getrimmt, um da ein Gesicht entstehen zu lassen. Am Set gab es einen Haarstylisten nur für Jon, aber er hat sich auch um den Yeti gekümmert.

Kam zu einem Haarkampf zwischen den beiden?
D: Ich glaube, der Yeti hat knapp gewonnen.

Herman Dune Strange Moosic ist bei City Slang erschienen. Ein Interview mit Jon Hamm zum Videodreh findet sich beim Interview Magazine. PHOTO: Estelle Hanania


Herman Dune : Tell Me Something I Don’t Know

Herman Dune live:
Monday, June 6th: LONDON UK at Xoyo
Tuesday, June 7th: AMSTERDAM NL at Paradiso
Wednesday, June 8th: BRUXELLES BL at La Maison Des Musiques
Thursday, June 9th: PARIS FRANCE at LE TRIANON
Tuesday, June 14th: BERLIN D at Festsaal Kreuzberg
Wednesday, June 15th: VIENNA Austria at Chelsea
Thursday, June 16th: GAMBETTOLA IT at Tressessanta Club
Saturday, June 18th: LUZERN Switzerland Festival B side
Thursday, June 30th: EGERSUND Norway Vidfestival
Saturday, July 2nd: CAEN / HEROUVILLE, FR Festival Beauregard
Tuesday, July 5th: CALVI CORSICA at Calvi On The Rocks
Thursday, July 7th: LIÈGE BL at Festival Des Ardentes
Saturday, July 9th: TOURS FR Festival Terre Du Son
Friday, July 15th: BENICASSIM FIB Spain
Wednesday, July 20th: GENT BL at Boomtown
Saturday, July 23rd: METZ FR at Centre George Pompidou

Gatto Fritto : s/t

15:44

Der Beipackzettel für die Presse bemüht sich noch um Mystifizierung, doch bereits der Name stimmt perplex. Ein, lange Zeit vor allem durch die Londoner U-Bahn herumwandelnder, Einzelgänger soll Gatto Fritto, der im echten Leben Ben Williams heißt, gewesen sein, bevor er sich mit allerhand Instrumenten in ein Studio einschloss, um sein gleichnamiges Debütalbum aufzunehmen. Frittierte Katze bedeutet der Künstlername, sofern man ihm aus dem Italienischen übersetzt, und erinnert damit (sicherlich unfreiwillig) an drögen deutschen T-Shirt-Humor. Seine Musik bleibt jedoch in jeder der insgesamt 54 Minuten eine ebenso ernsthafte wie erquickende Erfahrung.

Das Album ist gerade bei International Feel erschienen, einem Wunderkind der digitalisierten globalen Musikwelt, das sich erstmals an das Langspielformat heranwagt, nachdem es zuvor mit sechzehn Singles in zwei Jahren sich ähnlich treffsicher gezeigt hatte wie seine uruquayischen Landsmänner der Fußballnationalmannschaft der 1920er Jahre. Die neugewonnenen Einblicke in den detailverliebten Kosmos Williams’ sind mannigfaltig, wobei die Himmelsassoziation hier bewusst gewählt ist: Gatto Fritto legt den Soundtrack zu zahllosen traumgebliebenen Weltraumabenteuern vor.

Das ist natürlich alles bis weit in den Krautrock zurück verwurzelt, quasi ein nostalgischer Futurismus, erinnert aber in aktuelleren Bezügen bei “The Hex” an die Chromatics oder direkt an Studio, wenn eine Gitarre in die elfminütige Trance von “Invisible College” einführt. Allerdings waren beide Stücke bereits zwischen 2007 und 2008 als Singles bei Andy Blakes Dissident bzw. in Eigenregie erschienen. Es handelt sich somit vielmehr um eine musikalische Parallelentwicklung. Und wird einmal gesungen, etwa in “The Curse” oder “Lucifer Morning Star”, die beide bereits offiziell mit aus altem Filmmaterial zusammengeschnittenen Videos ausgestattet wurden (siehe unten), kommt selbstverständlich der Vocoder zum Einsatz.

Am liebsten würde man das Album letztendlich auf den Mond schießen; auf den Mond und in jede andere Ecke des Universums auch, sich selbst verlierend im Schlepptau.

Gatto Fritto Gatto Fritto ist bei International Feel / NEWS erschienen. Heute Abend spielt Gatto Fritto live in der Soju Bar, Berlin, (Programm: siehe unten), am Samstag dann in der Elli Disco, München.


Gatto Fritto : Lucifer Morning Star


Gatto Fritto : The Curse (Video)


Gatto Fritto : Hex (Download)

Bag Raiders : Jägermeister WHT Interview

13:19

Nein, das obige Photo zeigt keine zwei einsamen (aber geschmackvollen) Robinson Crusoes, die glücklich ihre Rettung zelebrieren. Auch wenn die Palmen und Bärte das vermuten lassen. Es handelt sich um die Bag Raiders, ein australisches Gemeinschaftsprojekt von Chris Stracey und Jack Glass, stolze (kreative) Väter) einiger der besten Discostücke der letzten beiden Saisons, die sich auch auf ihrem demnächst ebenfalls international erscheinendem Debütalbum finden lassen. Bevor sie am Donnerstag mit der Jägermeister Wirtshaus Tour (und Peaches sowie aUtOdiDakT) in Stuttgart spielen, nahm sich Jack noch einmal die Zeit, um mit uns die ersten deutschen Erlebnisse, den Weg zum Erfolg (und Mobilfunkverträgen) und ihre künstlerischen Neigungen zu diskutieren. Ganz nebenbei bekannte er sich noch zur Liebhaberschaft einer sehr, sehr deutschen Spezialität.

Hi Jack, mittlerweile habt ihr drei Auftritte in Deutschland absolviert. Wie wurden sie vom Publikum aufgenommen?
Bis jetzt wirklich gut! Wir haben jetzt sogar schon vier Nächte hier gespielt. In München und Saarbrücken haben wir aufgelegt, in Berlin und letzten Samstag in Hamburg haben wir live gespielt.
Sie waren alle unglaublich auf ihre eigene Art und Weise, auch sehr verschieden. Wir waren in der Nacht nach Saarbrücken in München und es wäre schwierig, noch einmal zwei derart unterschiedliche Städte als diese zwei zu finden!

Es ist überhaupt eure erste Tour durch Europa. Was hat sich als genauso wie von euch erwartet erwiesen, was nicht?
Es so ziemlich das, was wir erwarteten. Ich habe mich immer darauf gefreut, hier einmal touren zu können (es hat ja ein paar Jahre gedauert), denn jede Stadt ist neu und aufregend hier. Ich liebe es etwa durch die USA zu touren, aber wenn du dort zehn Auftritte hast, sind die großen Städte aufregend, die kleinen seltsam und interessant, aber nichts ist großartig verschieden. In Europa sind wir an jedem Tag in einem anderen Land und erleben all diese erstaunlichen Städte mit ihren reichen Historien. Wir lieben das!

Habt ihr bereits ein deutsches Wirtshaus in Vorbereitung auf Stuttgart ausprobiert?
Ich denke nicht! Wir hatten allerdings zahllose Biere und Würste. Aber für das Echte kommen wir wohl besser etwas früher nach Stuttgart!

Einer eurer ersten Auftritte oder sogar der erste, soll im Empire von Brisbane stattgefunden haben, eine ähnlich kleine Lokation wie das Calwer Eck. Was sind eure Erinnerungen an diese Veranstaltung?
Das könnte korrekt sein. Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern. Vielleicht war es unser allererster Auftritt außerhalb Sydneys. Ich erinnere mich daran, sehr aufgeregt gewesen zu sein, weil wir reisen und unser Ding machen durften, da Leute uns auch in anderen Städten hören wollten. Das begeistert uns noch immer, denke ich. Jedes Mal, wenn wir irgendwo neu hinkommen, gibt das ein gutes Gefühl…

Zuletzt haben Cut Copy und Empire of the Sun elektronische Musik aus Australien hier in Europa auf sein hohes Level der Beliebtheit gehoben, letztere habt ihr mit “Way Back Home” als Soundtrack einer großen Mobilfunkanbieterkampagne hierzulande abgelöst. Glaubt ihr, dass euch diese Künstler gewissermaßen den Weg nach Europa geebnet haben?
Ich bin mir da nicht wirklich sicher. In Australien jedenfalls nicht, da haben wir uns unseren Weg selbst geebnet. Und hier? Ich weiß es nicht. Ich meine, wenn die Leute solche Dinge sagen, klingt das für mich als ob sie sagen würden: “Empire of the Sun waren groß hier. Ihr macht ähnliche Musik und seid aus dem selben Land. Deshalb seid ihr jetzt beliebt.” Offensichtlicher Weise werde ich so etwas niemals zustimmen. Durch das Internet kann jeder alles aus jeder Ecke der Welt hören. Ich denke wirklich, dass es nichts bedeutet, von woher man kommt. Wenn die Musik gut ist, werden die Leute es mögen.


Bag Raiders : Shooting Stars (Video)

Wir sind erstmals 2008 bei der B-Seite der Turbo Love! Single, “Shooting Stars”, auf euch gestoßen. Zwei Jahre später habt ihr das Lied auch auf euer Debütalbum gepackt. Welche Beziehung habt ihr mittlerweile zu diesem Stück entwickelt?
Es ist ein großer Teil unserer Leben! Ich bin wirklich stolz darauf. Vielleicht macht es mich auch mal etwas krank. Haha. Aber immer wenn wir es live oder als DJs spielen, bekommt es die unglaublichsten Reaktionen. Dessen bin ich keineswegs überdrüssig!

Zu welchen Aktivitäten ist einer Album deiner Meinung nach ein guter Soundtrack?
Hoffentlich viele. Wir wollten ein Album machen, das Stücke für den Club hat (offensichtlicher Weise), aber auch für das Auto, das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, die Küche, die Wäsche, was auch immer. Ich denke, wir das auch mehr oder weniger geschafft. Die Vielseitigkeit des Albums ist eines der Dinge, auf das ich am meisten stolz bin.

Um ehrlich zu sein, die Frontgestaltung des Albums erinnert uns an die Airbrush-Kunst getunter Autos. Welche Autotypen bevorzugt ihr und was war die Idee hinter dem Artwork?
Ha, da fragt ihr die falschen Leute. Keiner von uns ist einer Autonarr. Chris fährt einen Motorroller und mein Auto ist ein vermöbelter Haufen Mist (genau so, wie ich es mag)!
Wir mögen das Artwork, da es all die hunderten unterschiedlichen Einflüsse repräsentiert, die in unsere Musik einfließen. Polarbären, Surfer, Törtchen, sie alle stecken irgendwo da…

Das Video zu “Way Back Home” zeigt euch an bei der Arbeit an diversen Exponaten in einem Atelier. Seid ihr neben eurer Musik auch sehr künstlerisch veranlagt, zeichnet etwa in ein Skizzenbuch unterwegs?
Nicht besonders. Das Videoset wirkte auf mich eher wie ein Drogenlabor denn alles andere.  Wir beide lieben Kunst und Filme, aber ich denke, unsere Talente beschränken sich auf die Sphäre der Musik.


Bag Raiders : Way Back Home (Video)

Zu guter Letzt: Wir wissen kaum etwas über das australische Essen und Trinken, mit Ausnahme eines gewissen blauen Bieres (F…..’s). Habt ihr ein lokales Lieblingsgericht, dass ihr vielleicht sogar selbst kochen könnt?
Foster’s gibt es nur als Export. Man sieht es (glücklicherweise, denn es schmeckt wie Urin) nie Australien!
Die beliebtesten Biere sind solche wie VB, Tooheys New und Carlton Draught. Nichts besonders Aufregendes. Es gibt einige gute Biere von Kleinbrauereien und gute Weine. Aber um ehrlich zu sein, ich liebe Weißbiere und für gewöhnlich trinke ich deutsche Sachen wie Erdinger und Shöfferhoffer. Mmmm.

Bag Raiders Bag Raiders erscheint am 3. Juni bei Universal in Deutschland.


Bag Raiders : Sunlight


Monarchy : I Won’t Let Go (Bag Raiders Remix)

In Zusammenarbeit mit Jägermeister.

aUtOdiDakT : Jägermeister WHT Interview

12:29

Wenn am Donnerstag die Jägermeister Wirtshaus Tour im Stuttgarter Calwer Eck einkehrt, hat er die kürzeste Anreise: Andres Klein alias aUtOdiDakt, Labelvater von Traktor Records und Mähtrasher, hat sein Refugium hier am Neckar, kennt die einheimischen Clubs ebenso gut wie die regionale Küche, zu der er nach Auftritten in aller Welt gerne wieder zurückkehrt. Und obwohl man zuerst die ganz harten (musikalisch-elektronischen) Töne mit seinem Namen (und vor allem Mähtrasher) verbindet, ist vielleicht sogar der vielseitigste der drei auftretenden bzw. auflegenden Künstler. Uns hat er ein paar Fragen über seine Heimat und die anfänglichen Rückschläge wie späteren Erfolge seiner Karriere beantwortet.

Ihr könnt zudem noch bis heute Nachmittag hier Karten für den Abend mit ihm, Bag Raiders und Peaches gewinnen.

Bis vor kurzem galt Stuttgart als beschauliche Landeshauptstadt, mit den Protesten gegen S21 wurde es plötzlich zur Heimstätte der neuen “Wutbürger”. Du hingegen hälst dich in deiner Musik seit jeher nicht mit Kompromissen auf. Warst du ein Vorreiter?
Keine Ahnung, es wäre auch vermessen sich selbst so zu bezeichnen, aber am Anfang haben mich die meisten anderen DJs mit meinem härteren Kram schon eher belächelt und z.T. in meinem Beisein den Clubbesitzern erzählt, dass ich die Leute sowieso überfordern würde und so ein Sound nie hier ankommen wird. Nach einer Weile haben sie dann auch angefangen so was zu spielen, als der Vorwurf nicht mehr haltbar war, ha.
Aber ich glaube schon, dass Stuttgart seit einer Weile eine Sonderstellung hat hinsichtlich der Würdigung von Sachen, die in irgendner Form ‘nen “Mittelfinger” zeigen, ob das jetzt musikalisch oder politisch ist…

Du bist als DJ weltweilt unterwegs. Worauf freust du dich am meisten, wenn du wieder nachhause zurückkehrst?
Auf ‘ne harte Matratze! Ich bekomm von den meist viel zu weichen Hotelmatratzen Rückenschmerzen… sonst natürlich auf die Badewanne und darauf wieder selber zu kochen und Musik zu machen!

Welche Gerichte der lokalen Küche schätzt du besonders und vor allem: Welche kannst du auch selbst kochen?
Also ich mag eigentlich alle schwäbischen Gerichte ausser Kutteln und Hirnsuppe! Einen anständigen Zwiebelrostbraten bekomm ich schon hin und Käsespatzle auch, wobei die meine Freundin viel besser kann als ich! Ich mags gern schwer und fleischig, also ist schwäbisch schon genau mein Ding…

Dein aUtOdiDakT-Vorgängerprojekt IMP-ACT ging bei einem Majorlabel unter, das geplante Album erschien nie. Verfolgt so ein Erlebnis einen auch sieben Jahre später noch?
Klar, das prägt sehr nachhaltig! Wir haben damals drei Jahre Zeit und Ideen reingesteckt und konnten keinerlei Einfluss darauf nehmen, was anschließend passiert, d.h. wir waren vollständig ausgeliefert und konnten auch nicht bei einem anderen Major, der ebenfalls Interesse hatte, signen, weil wir ja schon etwas unterschrieben hatten. Im Endeffekt hat das die Band zerbrochen und alle sieben damals Beteiligten wollten mit der Musikindustrie möglichst nichts mehr zu tun haben und gehen jetzt normalen Jobs nach, außer mir. Ich habe Traktor Records gegründet, weil ich einfach eine Plattform wollte, wo ich allein die vollständige Kontrolle habe und mir kein Ibiza-gebräunter A&R reinreden kann, was für Musik ich am besten machen soll oder in welcher Schublade er mich gerne mit welchem Image vermarkten würde…

Im letzten Jahr erschien dein Debütalbum Genres Are Dead mit 28 im Durchschnitt mehr als vier Minuten langen Titeln u.a. als Doppel-CD-Album. Hattest du keine Angst, die potentiellen Hörer_innen damit zu überfordern?
Natürlich war mir bewusst, dass ich damit die meisten überfordere oder verwirre. Aber im Endeffekt dachte ich mir, dass ich a) keine Lust habe, ein Album nur mit Gebretter zu machen, nur weil die meisten das jetzt aufgrund meiner DJ-Sets erwarten würden und b) ich das Format Album sowieso für mich selbst mache. Ich wollte eigentlich nur mal schaun, ob ich es hinbekomme, ein komplettes Album zu machen, das für mich selbst langfristig interessant anzuhören bleibt und eine gewisse Stilbreite als Produzent aufzeigt. Ich hab es mir jetzt nach drei Monaten (davor konnte ich nicht objektiv sein, weil ich alles schon im Entstehungsprozess so oft angehört habe) zum ersten Mal wieder angehört und war sehr zufrieden damit. Das war für mich auch das einzige Ziel des Albums: Es nach einer Weile selbst gut zu finden. Der Rest, d.h. ob es sich verkauft oder ob es überhaupt noch jemand anderes gut findet, ist für mich eher zweitrangig gewesen. Aber das ist natürlich dann die Glasur auf der Torte und freut ungemein.

Wie entstand das Album?
Ich habe im Winter 2008 die erste richtige aUtOdiDakT-Single “Shit your rack” rausgebracht und seither einfach weiterproduziert, ohne ein Album anzuvisieren. Ich habe verschiedene Sachen versucht, weil es mich schnell langweilt, denselben Stil zu produzieren, und ich Abwechslung brauche, d.h. am besten immer je einen ruhigen, einen harten und einen funkigen Track unfertig auf der Festplatte, so dass man stimmungsabhängig arbeiten kann. Wenn ich scheiße drauf bin, kann ich nicht funky sein, und wenn es mir blendend geht, kann ich auch schlecht Geballer machen.
Jedenfalls waren es irgendwann ca. 80 Tracks von Electro bis reinem Indie-Rock oder Downbeat und ich dachte mir, ich versuche mal ein Album daraus zu kompilieren. Dann habe ich gemerkt, dass mir selber da z.T. noch Brückensongs fehlen, d.h. Tracks, die als Überleitung von einem Stil zum anderen funktionieren oder einfach stilistisch fehlen, um andere logischer zu machen. Die hab ich dann gemacht und noch Sängern bzw. Rappern, die ich gut finde, Instrumentals geschickt, weil ich mich noch nicht für so einen töfte Sänger halte, dass ich auf der Mehrheit der Tracks singen sollte… Aber Vocals wollte ich natürlich auch drauf haben. Im Endeffekt singe ich jetzt nur auf zwei Liedern selbst (erster und letzter), aber die Gastsänger machen ihre Sache auch mehr als gut! Vielleicht singe ich auf der nächsten mehr.
Bezüglich der Stilmischung habe ich trotzdem noch etwas versucht, die ganz harten Ausreißer von der elektronischen Basis eher wegzulassen, sonst wäre es doch auch für mich selbst schwierig geworden, das Album am Stück als “Artist-Album” zu erkennen und nicht als Kompilation unzusammenhängender Sachen.

Dein Traktor-Sublabel Mähtrasher ist nun ziemlich genau ein Jahr alt. Wie zufrieden bist du mit seiner bisherigen Entwicklung? Wohin geht es demnächst?
Mähtrasher hat mich extrem überrascht! Ich dachte mir schon, dass es einfacher ist ein Label zu branden, das für einen bestimmten Stil steht (im Gegensatz zu Traktor), aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht! Ich glaube fast, dass Mähtrasher (zumindest im Ausland) Traktor schon in Sachen Bekanntheit überholt hat in diesem einen Jahr.

Mit der Reihe Stuttgart kaputtraven – Traktor Edition veranstaltest du selbst obendrein noch alle zwei Monate eine Party im lokalen Rocker33. Haben dich die hier gesammelten Erfahrungen als Künstler auf Tour eher entspannter oder anspruchsvoller werden lassen?
Ich glaube, es hat mich in Bezug auf Publikumsreaktion eher anspruchsvoller werden lassen, beim Kaputtraven drehen die Leute halt schon oft enorm durch, ha. Aber bezüglich der Routine lässt einen das natürlich auch ruhiger werden. Wenn man als Veranstalter den ganzen Stress bei den eigenen Parties mitbekommt, lässt man sich außerhalb als Dj auch weniger aus der Ruhe bringen, weil die meisten Probleme dann ja nicht die eigenen sind bzw. man sich nicht selber darum kümmern muss.

Mit Proxy aufgelegt zu haben, soll für dich wie “Weihnachten, Geburtstag und Apokalypse zusammen” gewesen sein. Welche aUtOdiDakT-Auftritte und Traktor-Nächte haben sich sonst noch besonders in dein Gedächtnis eingebrannt?
Sonst haben sich natürlich so “exotische” Auftritte wie Johannesburg oder Sydney eingebrannt, aber auch viele “kleinere” wie z.B. der in nem Landgasthof namens Fuchs & Has in irgendeinem 20-Seelendorf in Bayern, wo mehrere hundert Leute komplett ausgerastet sind und der Alkohol frühzeitig einfach aus war! Von den Traktor-Editionen vom Kaputtraven möchte ich jetzt keine besonders hervorheben, weil da wirklich alle was Besonderes für mich waren… Die erste ist natürlich besonders wichtig, das war beim Kaputtdubben auch so. Eine Partyreihe definiert sich natürlich durch die erste Ausgabe und da war es sehr befriedigend, so tolle Headliner zu bekommen und zu sehen, dass es dermaßen abgeht!


aUtOdiDakT Genres Are Dead (Exzerpte)

In Zusammenarbeit mit Jägermeister.

Tyler, The Creator : Pakt der Wölfe

16:07

I don‘t want to be the future of „L.A. Hip Hop“ I want to be the future of music“ schrieb Tyler, The Creator Ende April in sein Twitter-Profil. Der Konsens bei Musikjournalisten, Hörern und anderen Rappern wie Mos Def, Kanye West und Pharrell Williams zeigt auch alles andere, als dass er nur die Zukunft des HipHops in L.A. ist beziehungsweise sein wird. Der Konsens suggeriert viel mehr, dass der 19 Jährige die HipHop-Kultur mit seiner düster-ironisierten Art erfolgreich auffrischt.

Tyler sitzt auf einem Barhocker. Er trägt ein gemustertes Shirt und eine Kappe – er sieht eben aus wie ein niedlicher(?) Skater-Boy in der Postpubertät. Die schrillen Töne von „Yonkers“ und Tylers tiefe, von Düsterkeit belegte Stimme lassen den Zuschauer aber alles andere als Niedlichkeit mit ihm assoziieren. Er klingt wütend, benutzt fuck im exorbitanten Ausmaße, isst eine Schabe, woraufhin er sich übergeben muss, trägt schwarze Augenlinsen, die die ganze Attitüde noch mehr verdüstern, so dass Tyler aussieht wie ein Soziopath auf einem Patientenstuhl, von dem aus er sich am Ende selbst erhängt. Für dieses lyrische wie visuell geniale Video bekommt er fast 7. Mio. Klicks. He doesn‘t give a shit. Er möchte Musik machen und damit am besten das ganze Universum erreichen.

I’m feeling like the Bulls, I’ve got a Gang of Wolves
Odd Future is children that’s fucked up on they mental
Simple but probably not, fuck them („Bastard“)

Dass Tylers Lieblingswort fuck zu sein, ist nicht schwierig zu erraten, wenn man seine Lyrics sowie Tweets liest. Das ist im Rap freilich kein Alleinstellungsmerkmal, allerdings begegnen wir momentan keinem Rap-Musiker, der FUCK so bösartig in (Kon)texte einbettet wie er. In Tyler, The Creators Musik kulminieren alle bösen Gedanken und Beschimpfungen zu einem Alterego Mr. Evil.
Sein diabolisch-lyrisches Genius kommt in den Thematiken, beispielsweise Vergewaltigung, vaterlose Kindheit, auf seinem ersten Debüt-Album Bastard sowie in seinen Arbeiten mit dem HipHop-Kollektiv Odd Future (Wolf Gang Kill Them All), kurz: OFWGKTA, zum Ausdruck. Dieses Kollektiv, das aus ca. zehn Rappern besteht und ebenfalls aus Los Angeles, genauer gesagt wie auch Ice T oder Ice Cube, der hier aufwuchs, aus dem sozialen Brennpunkt Crenshaw, kommt, präsentiert sein Talent via Tumblr.
Hier können kostenlose Mitxtapes und Alben heruntergeladen werden. Deren Anzahl dürfte sich in Zukunft aber reduzieren, seitdem sich dieser Tage mit Sony RED, ein Major, die Vertriebsrechte an allen Gang-Produktionen sicherte. Und das lässt sogar ohne künstlerische Beschränkungen die Kassen demnächst kräftig klingeln. Auch Tyler, The Creators am sechsten Mai erscheinendes Nachfolgealbum Goblin wird nicht kostenlos, sondern am 6. Mai offiziell bei XL Recordings / Beggars erscheinen. Wie der zweifellose Erfolg ihn vermeintlich verändern könnte, ironisiert er bereits jetzt in seiner golfenden Kunstfigur Thurnis Haley.

Das Team Odd Future, bestehend aus Videoregisseuren, DJs und Skateboardern, hat sich Intensität und Bösartigkeit zu konstitutiven Merkmalen gemacht. Odd Future schreiben damit nicht nur böse Texte über raping und bitches, mit ihrem extrovertierten Auftreten bei Shows (z.B. Jimmy Fallon-Show) und dem Personifizieren mit Wölfen präsentiert sich das Kollektiv als Extrem. Extrem laut, extrem musikalisch und manchmal auch extrem lustig, wie bei einem Shooting mit dem Fotografen Terry Richardson. Es wird wohl nie langweilig um die Crew werden.

Am 6. Mai bestände ebenfalls die Möglichkeit Tyler, The Creator zusammen mit OFWGKTA im Cossiopeia in Berlin zu sehen, allerdings ist das Konzert bereits ausverkauft. Einen guten Überblick über das Kollektivschaffen bietet das Feature Youth And Young Manhood bei The Quietus.