Archive for the ‘Rückblick’ Category

Rückblick : Jägermeister WHT in Hamburg

13:24

Die spannendsten Geschichten ereignen sich oftmals am Rande des eigentlichen Großen. Auch bei der Jägermeister Wirtshaus Tour in Hamburg war das nicht unähnlich. Während drinnen, in der Reiterkneipe (von außen spektakulär im Bauch einer Rennbahntribüne, von drinnen Schülerdiskoatmosphäre) das überwiegend junge Publikum sogar auf die Heizkörper geklettert war, um im prall gefüllten Raum Skrillex abzufeiern, erzählte uns ein Tourbandmitglied von The Toxic Avenger, wie aus Sonny Moore, dem ehemaligen Sänger der Hardcoreband From First To Last, Skrillex wurde: Simon Delacroix von der Band war bereits zuvor mit Moore befreundet, als dieser ihn beim einem USA-Besuch Delacroix’s von seinem Wunsch berichtete, ein Elektro-DJ zu werden. Der Franzose gab ihm die ersten Lehrstunden und ein halbes Jahr später war ein Monster geboren, das Hamburg anno 2011 an eine verschwitzte Grenzerfahrung führte. Die hier gezeigten Fotos sprechen für sich.

Einen genaueren Einblick wollte sich davon auch H.P. Baxxter, stets blondierter Sänger von Scooter, verschaffen. Weniger aufgeregend, aber dennoch gut war zuvor der Auftritt von Toxic Avenger geraten, die auf der Bühne aber noch einmal zulegen mussten, nachdem sie ein vorangegangenes Minigolftunier gegen ein BloggerInnenteam aus IsaNike, SaraJanos, Marcel und Thang nur knapp gewinnen konnten. Es war dennoch für alle ein ausgesprochen schöner Tag und der vielleicht intensivste Tourstop überhaupt. Danke Hamburg, Charlotte, Nele und Alex!

Am 29. September geht es mit Breakbot, autoKratz und vielleicht auch den netten Herren von der Theke (siehe Video ganz unten) in Bochum weiter.

Fotos: This Is Jane Wayne, Dragstripgirl, Electru, Sebastian Gabsch

Melt! Festival 2011 : Live-Blog

22:53

Wir grüßen aus der Ferropolis, Gräfenhainichen! An diesem Wochenende findet hier das Melt! Festival statt und wie auch im Vorjahr und 2009 möchten wir euch wieder so oft wie möglich mit aktuellen Eindrücken direkt vom Gelände versorgen. Fotos: Christoph Paul / Text: Thomas Vorreyer

Sonntag: Regen, oder: kalte Tropfen auf heiße sonnenverbrannte Nacken (die Erinnerung an gestern). Hinter uns spielen Frittenbude als Plan B, sprich: Ersatz, für den ausgefallenen Künstler gleich Namens, Tino Hanekamp liest zudem aus seinem tollem Debütroman vor. Der Tag wurde allerdings ruhig angegangen, Grizzly legte im Sitzen für das ebenfalls sitzende Publikum vor der Gemini auf, dann setzte sich José Gonzáles, heute im Doppeleinsatz solo sowie mit Junip auf dem Melt! vertreten, auf einen Bauhausstuhl, die Gitarre im Schoß. Im letzten Jahr hatten hier Kings of Convenience für die denkbar wundervollste Entschleunigung und ein letztes Kraftauftanken vor dem letzten Festivalabend. Gonzáles ist gleich noch ein paar Töne leiser, auch introvertierter. Wer seine oder ihre Müdigkeit hört ein paar der besten Lieder des ganzen Wochenendes von einer der besten Stimme des Ebenselben.

Dass ihre Lieder für derart große Szenerien wie diese geschrieben wurden, hörte man bei den Cold War Kids wieder auf der Hauptbühne sofort heraus. Die Gruppe fühlte sich sichtlich wohl, was ja meistens eher nicht so wirkt, und rieb sich zur Spannungserhaltung gleich mal selbst immer wieder auf der Bühne. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, bei derartigen Folkrock-Schätzen im Repertoire.

Gutes Aussehen, diesmal zudem  modisch, wurde dann auch im leider nur halbvollen Zelt geboten. Wie die Cold War Kids schauten auch Crocodiles aus den Staaten herüber und spielten ein überraschend sauberes Konzert, trotz allerhand Hall. Langweilig war der Geheimtipp dabei keinesfalls, ihre Mischung aus Shoegaze und Punkrock hatte auf dem Melt! ohnehin noch gefehlt. Ein Hoch also auf die musikalische Vielfalt und die immer noch famosen roten Bühnenvorhänge, die das Zelt anlässlich von zwanzig Jahren Intro schmücken.

Jetzt freuen wir uns auf Bodi Bill, Pulp und Les Savy Fav.

Noch zum Samstag: Nach The Streets wurden Editors zum absoluten Massenmagneten und schienen sichtlich geschmeichelt. Digitalism hatten die große Bühne mit kleinen Abstrichen ebenfalls gut im Griff, während im Anschluss Crystal Castles bzw. parallel Atari Teenage Riot im Zelt oder Rusko munter drauflos bretterten. Den schönsten Moment gab es dennoch ganz woanders, nämlich am See an der Strandbühne, wo Punkt Mitternacht SBTRKT und Sampha die Bühne betraten, hinter der sich ein klarer Mond in den Wellen spiegelte. Soviel Gefühl wie in den Produktionen des Ersteren und vor allem der Stimme des Letzteren gab es innerhalb der drei Tage sonst nicht zu hören, der Pathos fehlte dennoch vollständig und wären sie der einzige Dubstep-Act des Melt! gewesen, das Genre wäre mehr als würdig vertreten. Toll auch Metronimy und Totally Enormous Extinct Dinosaurs, die die Erwartungen auf der Gemini Bühne locker erfüllten. Ebenfalls gut war die Stimmung vor der Big Wheel Stage.

Metronomy (Samstag), José Gonzáles, Cold War Kids, Crocodiles

Samstag: Das Wetter hat gehalten und während Andreas Dorau im schwarzen Anzug schwitzend die Hauptbühne eröffnet, können Clock Opera die beinahe-Kühle des Zeltes genießen. Entsprechend ruhig gehen sie alles an, man kommt nur langsam in Schwung, den man dann gleich vor der Gemini voll entfalten kann, denn Monarchy, eben im gemeinsamen Gespräch noch maskenlos, bieten fantastischen Elektropop mit großer Geste (ein kleines Hurts-Dejavue, die ja 2010 ebenfalls an dieser Stelle spielten inklusive) und nur wenigen Längen, allerdings scheint das noch nicht allgemein bekannt zu sein. Der erste Deutschlandauftritt der Wahllondoner findet dementsprechend vor einer überschaubaren Besucherzahl statt. Diese gibt sich jedoch euphorisch und kann dank Großbritannien-Veröffentlichung letzter Woche bzw. Leak im letzten Jahr alle Albumtexte von Around The Sun problemlos mitsingen. (Interview folgt!)

Die nächste Dramaqueen wartet da bereits auf der Hauptbühne. Patrick Wolf, bekanntlich ja noch recht frisch verlobt und anscheinend noch immer bis in die roten Haarspitzen euphorisiert darüber, umschmeichelt im babyblauen Anzug sein Publikum. Die einzelnen (älteren) Stücke leiden etwas unter dem wiedergefundenen Pop-Appeal, die ganz neuen Lieder hingegen wirken durch die reduzierte Aufführung gleich viel angenehmer und weniger, Verzeihung, schmalzig. Der Wiederholungseffekt zu seinem etwas raueren Konzert hier auf der selben Bühne vor zwei Jahren fällt dadurch erfreulich gering aus.

Gleich zweimal heißt es im Anschluss, Abschied zu nehmen: These New Puritans ziehen sich vorerst in das Kreativstadium zurück, um eventuell den Nachfolger von Hidden aufzunehmen, das sie heute zum letzten Mal live spielen. Der Soundcheck dauert lange, die Band wirkt etwas müde, trotz hohem Aufwand (Posaunen und Perkussionisten etc.) und Einsatz springt der Funke nicht ganz, ein neues namenloses Stück schleppt sich etwas zäh daher. Schade, doch beinahe schon wieder vergessen, denn auf der Hauptbühne spielt ein ganz großer sein letztes Konzert überhaupt in Deutschland. Mike Skinner sind seine The Streets überdrüssig geworden, also sagt er sich gerade live von ihnen los. Das deutsche Publikum wird mehrfach umschmeichelt (die weltbesten Autos, die weltbesten Winker…), muss sich seine Lorbeeren aber auch hart verdienen, denn der Brite fordert lautstark gleich drei parallele Moshpits – erfolgreich. Zuvor spielt sich die Band durch das komplette Streets-Repertoire; Grime, Rock, alles fliegt genussvoll durcheinander. Der Brite gibt mal den sensiblen Facebook-Stalker, spuckt dann wieder große Töne, zelebriert das einfache Leben und gibt für Bandmitglied gut gelaunt den Macker: Blue Stew ist frisch getrennt und soll heute bitte nicht ohne Groupiesex in den Tourbus steigen. Da vergisst Skinner auch schnell die Bedeutung des Konzerts oder gar irgendwelche Abschiedsworte. Schade, dass keine Zugabe gefordert werden kann, weil direkt danach die Editors anstehen. Vielleicht wäre ein anderer Programmplatz da idealer gewesen? Soviel Spaß wie The Streets haben auf diesem Festival dann nämlich doch nur wenige verbreitet. Schade.

Des Nächtens treten nun die besagten Editors, Metronomy, DJ Koze, Crystal Castles, K.I.Z., SBTRKT und viele andere auf.

Clock Opera, Monarchy, Patrick Wolf, Publikum vor der Hauptbühne, These New Puritans, The Streets

Freitag, Cut Copy, Robyn, Paul Kalkbrenner, Crystal Fighters: Es ist Samstag, die Sonne knallt ordentlich. Irgendwie wären wir doch wieder gerne noch im kalten See, statt auf dem Gelände. Nur tummeln sich auf der Ferropolis bereits Andreas Dorau, Lawrence und gleich auch Clock Opera und Patrick Wolf.

Zu gestern: Einen kurzen Phoenix-Wiedergängermoment haben wir mit den Franzosen, nein: Australiern, von Cut Copy. Poprock trifft auf noch saftigere Electronica, alles sitzt und fühlt sich gerade im Tanzen gut an. Da wo ihr neues Album Zonoscope gegenüber dem Vorgänger In Ghost Colours zuhause leicht abfällt, drückt es hier erfreulicher Weise umso stärker nach vorne.

Selbiges versucht die Schwedin Robyn auf der Hauptbühne ebenfalls, seit Jahren – ob wieder beim Melt!, beim Berlin Festival oder Oya – werden ihre Auftritte immer härter und elektronischer, gerade zu technoid. Beim Melt! anno 2011 klopft sie damit lautstark an die Eurodance-Autoscooterdisco-Tür. Grenzwertig, aber eben nur das, und somit noch sehr gut und unterhaltsam (nur “With Every Heartbeat” als Finale bleibt vom Pulsrausch verschont), jedoch scheint das Konzept damit ausgereizt. Pluspunkte gibt es da noch für das Blumenmuster ihrer Leggings und gehörig Körpereinsatz auf der Bühne.

Vielleicht blieb Robyn ja auch gar nichts Anderes übrig, als eben so auf die Tube zu drücken, folgen auf sie doch Paul Kalkbrenner und Boys Noize. Ersterer hat seinen Laptop dabei, über ihm schweben seine Initialen im Lichtkreis. Die Szenerie wirkt optisch obskur, passen aber zum zunächst kalt wummernden Technoklang, der auch oben im Intro Zelt noch gut zu hören ist, während sich die Crystal Fighters noch etwas Zeit mit ihrem Auftritt lassen. Der gerät dann zwar etwas schief und neben der Spur, aber selbst dort geht man gut ab.

Cut Copy, Robyn (2), Paul Kalkbrenner, Crystal Fighters

Freitag, The Drums & FM Belfast: Schnell noch zwei Fotos nachgeschoben. FM Belfast waren auf der Gemini, The Drums spielen immer noch auf der Hauptbühne. Den Sieg nach Punkten holen sich die Isländer, denn Stimmung ist vor beiden Bühnen, nur oben drauf wirken die US-Amerikaner deutlich (von sich selbst?) gelangweilt.

The Drums, FM Belfast

Freitag, der Beginn: Etwas verspätet sind wir hier, erwischen noch das Ende von When Saints Go Machine, deren komplexe Klangwaben (leider) noch reichlich Platz finden. Überhaupt wirkt das Gelände sehr leer; wo sind die Leute vor den Baggern? Am Strand, der sich bereits beim spätnachmittäglichen Auftritt von Jamie Woon in den Tagebausee abneigt. Oben ist der Himmel matt und grau, unten Woons Stimme wunderbar klar. Auf der von Modeselektor kuratierten Elektrobühne entfaltet sich sein halbelektronischer Gitarrensoul perfekt und wärmt auf.

An den beiden Hauptbühnen vorbei geht es fast zurück bis zum Eingang hinein in das hübsch rot verkleidete (die Intro feiert ihren Zwangzigsten) und daher erhaben einladend wirkende Zelt. Little Dragon sind aus Schweden gekommen und haben nordische Verführungstänze im Gepäck. Das Set ist bis zu einem ausufernden Intermezzo im Terje-Studio-Stil (holla!) knackig und schön direkt nach vorne. Bereits zu Beginn gab es mit Sängerin Yukimi Naganos neonorangen Fingernägeln, die im UV-Licht zu Spinnenbeinen verwischten einen ersten, optischen Höhepunkt, an den der Auftritt musikalisch anknüpfen kann.

Zeitgleich sind die Swans auf der Hauptbühne bereits fertig; leer war es, die Ästhetik der Waveveteranen für das heutige Publikum vielleicht etwas zu verworren. Fröhliche Routine und trotzige Energie sorgen dennoch für ein gutes Konzerte der Wenigen. Direkt im Anschluss folgt mit The Naked And Famous dann die Melt!-Explosion: Die Hits sind allseits bekannt, der Schub hatte sich angestaut, die”VIVA-Band” ist längst bereit für die große Bühne, Geschmack hin oder her. Wer auf letzteren etwas geht ist eh bei Nicolas Jaar am Wasser, der leider mit Akustikproblemen zu kämpfen hat.

Es folgen heute noch u.a. FM Belfast, Robyn, Cut Copy, Apparat, Iron and Wine, Gold Panda, Nôze, Azari & III sowie Paul Kalkbrenner und Boys Noize.

Jamie Woon, Little Dragon (2), The Naked And Famous (2)

Rückblick : Jägermeister WHT in Nürnberg

16:40

Achtung, Geweih und Federn einziehen! So klaustrophobisch kuschelig wie in Nürnberg sah die Jägermeister Wirtshaus Tour lange nicht mehr aus. Orlando Higginbottom von Totally Enormous Extinct Dinosaurs schaffte es trotzdem seinen riesigen Kopfschmuck zwischen Decke, Fußboden und wahlweise bei Großmutter oder Fever Ray geliehenen Lampenschirmen zu quetschen. Seine Tänzerinnen untermalten das verschwitzte Set mit rhythmischer Sportgymnastik von nebenan aus. Die anfänglichen (technischen) Startschwierigkeiten waren damit schnell vergessen und spätestens bei D.I.M. lagen sich eh alle in den Armen. Oder unter der WurstBiertheke.




Fotos: Annette Staack

Hurricane Festival 2011 : Blog

09:04

Die nächste Festivalreise steht an. Von heute (Freitag) an berichten wir für euch in Wort und Bild und so oft wie nur möglich vom Hurricane Festival in Scheeßel, wo wir dank der freundlichen Unterstützung von AXE gelandet sind. PHOTO: Dragstripgirl

Der endgültige Schluss & I am Kloot & Bright Eyes: Irgendwann ist auch mal gut, nicht wahr? Deshalb verabschieden wir uns heute (Dienstag) vorerst vom Hurricane (ein kleines Schmankerl haben wir in den nächsten Tagen aber noch) und verweisen weiterführend auf unsere tollen Reisekollegen Thang (der auch unsere idyllische Pension Eichenhof in Hellwege mitsamt eingeritztem “Guten Morgen!” in der Frühstücksbutter und Taschentuchpackungsspende an verschnupfte Festivaljournalisten wie unsereins herausgesucht hat), Isa und Sebastian, Wenke und Marcel, Alex und Flo sowie die tapfere Sara, mit der wir dann zwar nicht in den AXE-Duschen waren, von der aber diese leuchtende Impression oben stammt. Und irgendwie müssen wir bei diesem Anblick an Men in Black denken und das so eine überlebengroße saubere und einzelne Duschgelpackung als Dusche uns an verschachtelte Microgalaxien erinnert. Unseres Wissens sind aber alle Besucher da wieder glücklich herausmarschiert. Katja “Glamcanyon” Hentschel hat jedenfalls noch ein schönes Video zum Festival für Travelettes gemacht und Christoph zudem noch einmal nachfolgend die Auftritte von I Am Kloot und Bright Eyes rekapituliert. Allen anderen Quellen solltet ihr keinen Glauben schenken – adieu!

Für alle diejenigen, bei denen zum Abend der Pegel bereits so stark abgefallen ist, dass sie mit dem Gegröle vor den großen Bühnen nichts mehr anzufangen wissen, oder einfach Lust haben den Samstag etwas ruhiger ausklingen zu lassen ist die Red Stage mit I Am Kloot der Zufluchtspunkt.
Gespannt warten die – zum größten Teil weiblichen – Fans auf die Band aus Manchester. Hatten sie wenigen Minuten zuvor noch nahezu ungestörten von jeglichen Fanzwischenrufen ihre Instrumente stimmen können, fällt der Jubel beim Betreten der Bühne doch stürmischer aus, als man es für die – im Vergleich zum Rest des Festivals – gediegene Band erwarten konnte. Wie Sänger John Bramwell gleich zu Beginn ihres Auftritts bemerkt, hat sich vor der Bühne der „gesittetere“ Teil des Festivalpublikums eingefunden. Gespannt auf das was jetzt kommt, können sich die meisten ein kleines Lächeln aber nicht verkneifen als Brawell verkündet, dass es in den ersten Songs um „love and disaster“ gehen wird. Uns zumindest fallen nur wenige Lieder von I am Kloot ein, in denen das nicht der Fall ist. Stetig hin und her gerissen zwischen Freunde und Leid genießt das geneigte Publikum die Stille des Moments zwischen dem lauten Treiben des Hurricanes.
Trotz einer folgenden einstündigen Umbaupause verlassen die Wenigsten danach die Red Stage. Denn der Platz ist begrenzt und niemand will den nächsten Act verpassen: Bright Eyes. Wer weiß, ob man die Band um den genialen Conor Oberst nochmal live sehen wird, denken sich wohl die Meisten derjenigen, die es noch in das Zelt geschafft haben. Immerhin hat er angekündigt, dass The People’s Key das letzte Album mit seinem erfolgreichsten Projekt sein wird. Viele derer, die nicht mehr hinein gelassen wurden bleiben jedoch vor dem Zelt stehen und versuchen noch etwas von der Atmosphäre zu erhaschen.
Die Laune auf Rock ’n’ Roll gebürstet, der Verstand vom Alkohol – und wer weiß wovon noch – benebelt stürmt Conor Oberst die Bühne. Die Eröffnung mit einer rockigen Version von „Gold Mine Gutted“ ist bereits bezeichnend für den Verlauf des Konzert. Elektrische siegt über akustische Gitarre. Wer auf die gefühlvollen Folk-Songs von I’m Wide Awake It’s Morning hofft, muss sich noch eine halbe Stunde gedulden, wird dann aber mit “Poison Oak” und einem gewohnt gefühlvollen Oberst belohnt. So erhält mit Bright Eyes auch das Alternativprogramm zum Festivalalltag einen grandiosen Abschluss.
Bereits wenige Stunden später findet sich der noch etwas müde Oberst in der Berlin C-Halle wieder. Diesmal weniger betrunken, aber nicht minder enthusiastisch, nimmt er das mehr als begeisterte Berliner Publikum mit auf eine Reise durch Liebe, Krieg, Frieden und Rock ’n’ Roll.

William Fitzsimmons & Band of Horses und das Ende: Erstaunlich, dass William Fitzsimmons am Sonntag nicht zu leise für dieses Rockfestival ist. Er folgt auf Darwin Deez und das Red-Stage-Zelt ist natürlich ausgelastet, nur sind das nun stillschweigend genießende oder einfach glücklich trockene, aber apathische Gesichter, in die der singende Psychotherapeut da nun blickt? Fröhlich aufgenomme Vorträge vieler aktueller Lieder wie “Beautiful Girl” sowie Wunderkerzen(!) und Feuerzeuge (nicht Smartphonebildschirme) beim 2009er “I Don’t Feel It Anymore (Song of the Sparrow)” entscheiden das Rätsel zu Gunsten der ersten Theorie. Es ist ein berührender Auftritt. Lediglich seinen mitunter derben Humor hat Fitzsimmons heute im Tourbus gelassen, die Festivalausmaße bieten wohl nicht genug Intimität. Sein Gitarrist bemüht sich dann doch noch um ein paar Rock’n’Roll-Klischees und spielt das Konzert nackt bis auf die schwarze Unterhose zuende, während der Wind am Zelt zerrt. PHOTO: Bernd Zahn

Wieder draußen geht es direkt hinein in die Umbaupause vor der Blue Stage. Von links dröhnen Boysetfire von der Hauptbühne herüber, durchsetzt von Rihanna und Kelly Clarkson aus den Lautsprechern der Cocktailbar. Es regnet nur leicht, aber der Wind ist noch immer böig. Ein Mädchen fragt, ob die ziemlich erschöpft und fade wirkenden Post-Hardcore-Herren, hier nur via Liveübertragung auf den LED-Wänden zu sehen, Selig wären. Festivals können bisweilen grausam sein. (Erst recht zu Selig, die ihr quasi-Heimspiel bei strömenden Regen und bereits um 14 Uhr mit vollem Einsatz bestreiten.)
Die Laune hebt sich beim Anblick von Band-of-Horses-Frontmann Ben Bridwell: Dieses Lächeln tröstet über alles hinweg und Bridwell ist schlau genug, es so oft wie möglich einzusetzen. Die Menge, eben noch bestens von Kamerateam unterhalten, das nach Boysetfire Festivalbesucher vorrangig an den Pissoirs beschäftigt oder auf Schultern sitzend zeigte, ist etwas träge. Daran ändern auch Band of Horses trotz hervorrangendem icebreaker “Is There A Ghost” an Position drei nicht – dem guten Konzert mangelt es etwas an Höhen und Tiefen.
Knapp eine Stunde und einen kurzen Blick auf die ersten drei Stücke der Hives auf der Hauptbühne (ein ganz neues Lied namens “Go Ahead” zwischen den immer noch durchdringenden Veni-Vedi-Vicious-Klassikern “Main Offender” und “Die, All Right!”) später ist bereits Schluss. Die AXE-Reisegruppe muss zurück nach Berlin, ohne The Kills und Trentemøller (oder Arctic Monkeys und Foo Fighters) gesehen zu haben. Schade. Gerne hätten wir euch auch mehr Photos von den Künstlern und Auftritten geboten, in diesem Jahr hat uns das Festival aber leider nur für das Gelände mit einer Photoakkreditierung ausgestattet.

Sonntag – Impressionen: Festival paradox: Einerseits ist mitgebrachter Alkohol verboten, trägt jemand Freund oder Freundin auf den Schultern wird er von den Sicherheitskräften sofort abgemahnt. Andererseits zelebrieren die Kamerabilder auf den LED-Wänden genau solche Momente und sogar die zwei am Samstag im Block vor Incubus gezündeten bengalischen Feuer wurden gestern mit Großaufnahmen (gerechtermaßen) belohnt. Das Festival an sich ist aber gut organisiert. Die meisten Künstler können pünktlich beginnen, die Bühnen sind recht schnell auf den Starkregen vorbereitet worden und auch das Sicherheitskonzept mit mehreren Einzelabschnitten, Wellenbrechern und Schleusen funktioniert mit wenigen Ausnahmen. Nur der Klang ist in seiner Abmischung abseits der Hauptbühne immer wankelmütig.
Gerade (Sonntagnachmittag) sind wir noch ein paar Meter mit Andrew von Darwin Deez gelaufen. Der Mann mit der besonders exaltierten Choreographie und schrecklich modischen roten Teddybär-Pullover verriet, dass er von letzteren gleich sechs Stück während der Tournee dabei hat, die die Band im Anschluss zu Collegebällen in York und Cambridge und einem Auftritt beim Glastonbury führen wird. Und ist die Anhängerschaft außerhalb Deutschlands auch so überdurchschnittlich jung und schwebt in Extase als wäre zum Gruppenpogo aufgerufen worden und nicht zu einem Gitarrenpopkonzert? Ja und ja. Die Band hat sogar nach jedem Konzert das Gefühl, eigentlich viel härtere Musik gespielt zu haben.
Hier noch ein paar Photos vom Gelände, unter anderem die Duschen unseres freundlichen Unterstützer AXE, die so manche eigene WG-Dusche daheim locker übertrafen, und eine bewegte Puppe, die sich vom Backstage der Hauptbühne aus auf den Weg zum Zirkus in der White Stage machte. Tolle Idee. PHOTOS: Christoph Paul

Lykke Li & Kasabian: Noch einmal zum Samstag: Schwierig einzuordnen war der Auftritt von Lykke Li. Die Schwedin hatte sich noch vor weniger als zwei Wochen schwer erkältet vom Krankenbett gemeldet, in Scheeßel wirkt sie ausgemergelt, blass und angespannt, der Zopf streng, kurz vor Schluss wird sie dem eigentlich begeisterten Publikum ein grimmiges “Are you sleeping?” entgegenwerfen. Dazu wummert der Bass im Zelt als spielen die Chemical Brothers auf der Hauptbühne. Während Lykke etwa bei ihrem Konzert im Berliner Heimathafen anno 2010 fast ganz in Leder gekleidet war, trägt sie dieses Mal ein langes schwarzes Sakko, das auch besser zu den gleichfarbigen Stoffbahnen passt, die dramatisierend von der Bühnendecke hängen, zu zweit allerdings etwas verloren wirken. Dafür geht alle zwei, drei Lieder das Licht aus, etwa nach der tollen aktuellen Single und drittem Lied “Sadness is a Blessing”. Im Licht verausgabt sie sich dann anschließend an den Trommeln zu “I Follow Rivers”, kreist mit ihren Hüften, bis das Sakko ihren unbedeckten Bauch freigibt und singt dann die Ballade “Unrequited Ballon”. Ein großer pinker Ballon tanzt über dem Auditorium und sorgt für ein schönes Bild. Soweit alles gut, doch schon bei “Little Bit” verzieht Lykke sichtlich genervt das Gesicht, die Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit des Karriereanfangs ist längst aus ihrer Stimme gewichen. Wie auch schon in Berlin wird klar, dass hier jemand um Selbstbestimmung des eigenen Bildes kämpft, kontrollierende Kämpferin statt einsames Mädchen sein will bzw. ist. Da passt natürlich ein kurzes eindruckvolles Intermezzo mit The Knifes “Silent Shout”, aber die Aggressivität scheint auch Verbitterung zu sein. Vielleicht ist es nur eine Pose, vielleicht aber doch der konstante Stress, die Pflicht und ein gebrochenes Herz(?). Das Konzert endet jedenfalls mit “Get Some”. Like a shotgun needs an outcome/ I’m your prostitute, you gon’ get some… (PHOTO: FKP Scorpio)

Kasabian, danach auf der Blue Stage zu sehen, sind wiederum eine Festivalband. Für zuhause ist die Musik sieben Jahre nach Erscheinen des Debüts und nur mäßiger Entwicklung bereits abgenutzt, live darf es hingegen weiter ordentlich krachen. Aber vielleicht ist es ja doch noch 2004, denn “Club Foot” macht den Anfang. Mit deutschem Bier versorgte Briten haben das Feld übernehmen. Die Band um den mittlerweile wieder kurz frisierten Tom Meighan steigt gleich voll ein. Nummer fünf ist dann ein neues Stück namens “The Raptor” (?) – der Refrain: There’s a raptor/ he’s gonna find you/ he’s gonna kill you/ he’s gonna eat you. Gewohnte Meighan-Gesangsmelodie. Alles in allem unaufregend war nicht gar stumpf. Nachfolgend wendet sich der Sänger der Bühnenseite zu, von wo aus anscheinend die Kaiser Chiefs, Tagesheadliner der Blue Stage, lauschen. “Welcome back, it’s been a long time!” Verneigung, Handkuss. Die Luft ist raus.

Sonntag – Zwischenstand: Es regnet seit heute morgen durch. Davon profitieren natürlich Künstler wie Tame Impala und Darwin Deez, die im Zelt der Red Stage auftreten. Die Australier sorgen für einen schön runden Sound, spielen sich schüchtern durch ein entspanntes Set und üben sich etwas in Deutsch. Letztendlich lassen sie aber doch ihre Gitarren sprechen. Rumms. Schluss. Die Jungspunde markieren einen guten Tagesauftakt, von dem Darwin Deez im Anschluss nähren kann. Tanzeinlagen zu 80er-Jahre-Einspielungen, Teddypullover und schräge Frisuren: The D-team is back in town! Das ausgesprochen junge Publikum im bis zum Rand gefüllten Zelt bekommt das komplette Deez-Programm geboten, die Singles wie “Radar Detector” und “Constellations” und Nicht-Singles münden in einer großen ausgelassenen Schülerparty samt Poppogo. / PHOTO: Bernd Zahn

Wir erwarten William Fitzsimmons (Interview), Band of Horses und The Kills, danach geht es leider frühzeitig nachhause. Updates zu Lykke Li, Bright Eyes und weiteren Konzerten von gestern folgen.

Samstag – Friendly Fires: 17:30 Uhr, die Friendly Fires betreten die Blue Stage, von der vor vier Stunden Cloud Control noch vom Regen vertrieben wurden. Jetzt wärmt die Nachmittagssonne tausende Nacken, die schon beim ersten Stück “Lovesick” vom Debüt in Bewung geraten. Man möchte Sänger gerne Ed Macfarlane gerne einmal zuhause besuchen und in seinen Kleiderschrank spähen – sein Vorrat an an sich geschmacklosen, an ihm aber hervorragend aussehenden Hemden scheint unerschöpflich. Heute hüllen Palmen und Obst seinen zuckenden Körper. “On Board” wird von zwei echten Bläsern mit ebenfalls fragwürdigen Frisuren angestimmt, schon zuvor hatte Jack Savidge einen Drumstick verloren und Edd Gibson die gesamten Ausmaße des Bühnenrandes abgelaufen. Der Sound ist leider (wie so oft an dieser Bühne) leicht breiig, dafür steigt an einer besonders spannungsgeladenen Stelle plötzlich ein Polizeihubschrauber hinter der Bühne auf. Eigentlich gibt es ja seit kurzem das neue Album Pala, hört man aber zwischen alten Hits wie “Jump In The Pool” kaum, oder? Nicht ganz, mit “Live Those Days Tonight” und “Hawaiin Air” muss man erst warm werden, doch dann entfalten auch sie ihr Potential. Das Zwischenalbumstück “Kiss Of Life” ist dann ohnehin ein würdiger Abschluss, eben eines jener Feuerwerke, die die Band immer wieder zu zünden weiß.

Im Anschluss hat das Kamerateam bei The Sounds fast ausschließlich Maja Ivarsson entblößte Schenkel im Blick. Die sehen bei weitem nicht so angestaubt aus wie sich ihre Songs mittlerweile anhören. Durchschnittliches Konzert.

Samstag – Zwischenstand: Cloud Control, die auf Grund plötzlich einsetzenden Starkregens ihren Auftritt nach nur einem Stück abbrechen mussten, gaben uns eben ein Interview: Ihr Equipment ist möglicherweise zerstört worden, dennoch gab sich die Band gelassen und plauderte über ihre neue Heimat London. Sympathisch. Währenddessen rumpelt auf der Hauptbühne eine maue Crossoverband nach der anderen vor sich hin. Wir blicken also optimistisch den Friendly Fires, Lykke Li, The Sounds , Kasabian, I Am Kloot und Bright Eyes entgegen.

Freitag – Arcade Fire: Wer sich die Zeit zwischen den beiden Hauptbühnenkünstlern Portishead und Arcade Fire mit dem Auftritt der Crystal Fighters im nahegelegenen Zelt der White Stage vertreiben wollte, wurde enttäuscht: Bereits zwanzig Minuten über der Zeit, verzögern Probleme mit der Schlagzeugabmischung den Aufritt der elektro-baskischen Londoner Internationalen. Das überaus junge Publikum im prall gefüllten Zelt stimmt Fußballlieder an und macht – dank der Akustik – den Lärm für 80.000 Festivalbesucher. Natürlich wird auch “Seven Nation Army” angestimmt. Zehn Minuten später kippt die Stimmung, Pfiffe, die Zeit verstreicht, Arcade Fire warten. Wieder zurück zur Hauptbühne ohne Crystal Fighters, dafür vorbei an einer noch stärker frequentierten Zeltdisco, in der die Leute lauthals zu Shakira mitsingen. Festivalkarten für 125 € kaufen und dann zur Ballermanndisko gehen? Das erschließt sich (uns) nicht.

Wieder vor der Hauptbühne: “Diese Arcade Fire haben einen Grammy gewonnen, die müssen also gut sein.” Ja, müssen sie dann wohl oder? Die Erwartungen sind also unabhängig von der Tiefe der musikalischen Auseinandersetzung entsprechend hoch an den Tagesheadliner. Ein kurzes Intro mit alten Filmszenen zu Jugendbewegungen in suburbs, ein Filmvorspann, dann füllt das Kollektiv die Bühne und eröffnet programmatisch mit “Ready To Start” vom entsprechenden Album. Win Butler (“Dankeschön! It’s good to see you again!) ist von Beginn an charismatisch und bei der Sache, Régine Chassagne wirkt am Schlagzeug im Hintergrund noch angespannt, ist aber schon beim nächsten Lied bestens gelaunt in der ersten Reihen angekommen. “Keep the Car Running”, “Neighborhood #2 (Laika)”, “No Cars Go” – die Band berauscht sich rückwärts und vorwärts durch den eigenen drei Alben starken Katalog. Bei zweiten Neon-Bible-Stück mimen Synchroschwimmerinnen im Hintergrund den Refrain, beim folgenden “Haiti” wiegen Palmen im Wind. Am Liedende zerfallen Arcade Fire in ihre Einzelprotagonisten, Chassagne verrenkt sich yogaartig, Timothy Kingsbury springt in die Luft tretend mit der Gitarre nach oben, Butler legt seine wie ein Gewehr vors Auge. Der Hinweis auf die eigene Zusammenarbeit mit Partners in Health in dem von Erdbeben zerstörten Land, auf dem Hurricane auch mit einem eigenen Spendenstand vertreten, folgt erst später. “The Suburbs” (das Lied) hätten die Leute erstmals in Berlin laut mitgesungen, merkt Butler an und bedankt sich erneut. Er beherrscht die aggressiven Posen, ebenso wie die zerbrechlichen oder freundlichen, weis die Menge anzutreiben, diktiert “and now you scream and sing the chorus again” am Ende von “We Used To Wait” ins Mikro. Der alte “fucking dance song” (Butler) “Neighborhood #3 (Power Out)” und “Rebellion (Lies)”, Lied zwölf und dreizehn und beide vom Debütalbum, beschließen das Pflichtprogramm (“it’s a song, it’s all right”). Mit der Kür und Zugabe “Wake Up” demonstrieren Arcade Fire dann, warum David Bowie sie früh protegierte und sie hier und heute da oben stehen: Kaum eine Band klingt derart natürlich, organisch und doch irgendwie groß und manisch wie die Kanadier. Der Abschluss macht die jetzt bezaubernde Chassange, die auf The Suburbs leider viel zu kurz kommt, bis eben in “Sprawl II (Mountains Behind Mountains), mit dem sie nun – bunte Schweife an den kreisenden Armen inklusive – in die Nacht entschwebt. / PHOTOS: FKP Scorpio

Freitag – Portishead: Nach recht drögem Beginn sorgen Portishead gestern um 21:40 auf der grünen Hauptbühne für die ersten echten Höhepunkte. Die Band beginnt mit “Silence”, dem erstem Stück ihres Rückkehralbums Third, hinter ihnen ein großes Blau, die LED-Großbildwände rechts und links senden ihre Bilder erstmals in schwarz-weiß, was den vom Leben gezeichneten Gesichtern von Gibbons, Barrow und Utley noch mehr Erhabenheit verleiht. Massive Attack hatten noch im letzten beim Melt! Festival noch Statistiken zum Verfall der Welt in ihrem Rücken herunterlaufen, nun verschlingen sich bei Portishead Szenen von Waldrodungen, Staus und Feiergesellschaften im Zeichentrick ineinander, während sie an dritter Stelle “Wild Horses” von den Rolling Stones covern. Ein mit Siegrunen bedeckter Stier fällt vom Himmel. Bei “Wandering Star” lehnt Beth Gibbons am Schlagzeugpodest, fast wirken die drei Mitglieder wie bei einer Probesession, während sie gefühlvoll das Lied auskleiden. “Humming” elektrisiert die Luft, lässt alles knistern. “Machine Gun” gerät endlich zu jener klangvollen Eruption, die man eigentlich von einem Rockfestival erwartet und bis zu diesem Zeitpunkt noch vermisst hatte. Es ist ein routiniertes bis meisterliches Konzert.

Freitag – Impressionen: Die Verbindung will nicht immer so, wie wir sie wollen. Eben unterbrach ein Schauer den noch zarten Samstag. Hier also leicht verspätet ein paar erste Impressionen von den Besuchern beim Hurricane. In der großen spaßorientierten Menge tauchen dabei immer wieder amüsante Kostüme auf – die typischen Festivalklassiker eben -, ingesamt besteht in puncto Mode hier aber Nachholbedarf. Wer gerne die Bands in Bewegtbildern erleben möchte, sollte um 20 Uhr ZDFkultur einschalten. U.a. wird der heutige Auftritt von Kasabian live übertragen und eine Aufzeichnung des famosen gestrigen Arcade Fire Konzerts nachgelegt. Zu diesem gleich mehr. / PHOTOS: Christoph Paul

Freitag – Ankunft: Der Countdown auf hurricane.de zeigt 00:06:50. Noch sitzen wir in Berlin, aber in wenigen Stunden schon sind wir im Eichenring und Musik erschallt aus großen Boxen. Nur wie soll der Tag gestaltet werden, welche Künstler angeschaut werden? Nachfolgend unser Vorschlag, die komplette Übersicht aller Zeiten gibt es hier:

15:40 YOAV Blue Stage
17:15 Portugal. The Man Blue
18:55 Kashmir Green Stage
20:10 Elbow Green
21:10 Jimmy Eat World Blue (kurz angucken, dann rüber zu…)
21:40 Portishead Green
22:55 Suede Blue
23:25 Arcade Fire Green
00:45 The Chemical Brothers Blue

PHOTO: FKP Scorpio

Jägermeister Wirtshaus Tour : Frankfurt

15:23


Eine Premiere unter Zeitdruck: Kaum fand in Frankfurt ein Stopp der Jägermeister Wirtshaus Tour nicht zu Land, sondern an Deck der Hausbootlocation Yachtklub statt, engte der anschließende Karfreitag samt Tanzverbot bereits die Feierlichkeiten auf ein verfrüht-mitternächtliches Ende ein. Die Münchener Frittenbude ließ sich davon jedoch keineswegs irritieren und gab als Tageslosung aus, das Boot “kentern” zu wollen. Bei allem Einsatz blieb ihnen zumindest dieser Erfolg (Gott sei Dank?) versagt. (Luft)feucht wurde es trotzdem – ein verfrühtes Ostergeschenk für die Konzertbesucher, Wildjagd statt Fliegenfischen. Da musste Tom Deluxx im Anschluss nur noch das Steuer an sich reißen und gekonnt abräumen; auch er bestand seine Seepferdchenprüfung.

Am 19. Mai gibt es im Stuttgarter Calwer Eck gleich drei Auftritte zu sehen, Bag Raiders, Peaches und aUtodiDakt sind mit von der Partie. Die Fotos aus Frankfurt schoss Geert Schäfer und das Team von i-ref hat vor Ort sogar gefilmt:

In association with Jägermeister.

Rückblick : JM WHT in Köln

14:16

Außen strömte (in einiger Entfernung) der Rhein an den Fenstern des Stapelhauses in Köln vorbei, an den Scheibeninnenseiten ran indessen kondensierter Schweiß zu Boden. The Subs und Proxy waren für die Jägermeister Wirtshaus Tour in die Stadt gekommen und der Laden quoll über; irgendwo dazwischen unsere vier Gewinner samt Begleitungen.

Ob die überbordende Stimmung beim Auftritt der ersteren allerdings an den harten Beats oder vielmehr am Schamhaareinsatz von Sänger Papillon (siehe unten) und der dabei verteilten Pheromondosis (biologische Geheimwaffe) gelegen hat, können wir aus der Ferne schlecht beurteilen. Dass Proxy allerdings für keinerlei Abkühlung sorgen würde – wirkte er noch so schüchtern -, war allerdings vorab zu erwarten; Verschnaufspausen ausgeschlossen.

Und dann schauten auch noch zwei Herren privat vorbei, denen wir nun vermutlich eher keine Kräutervorliebe zugerechnet hätten: HURTS kamen nach ihrem eigenen Köln-Konzert an diesem Abend noch vorbei. Bei wem die wohl ihre Gästeliste gewonnen hatten?

Am 21. April (Gründonnerstag) erwarten euch Frittenbude aus München und Tom Deluxx aus dem französischen Bordeaux im Yachtklub zu Frankfurt a.M. – für die erste Gästelistenverlosung könnt ihr euch bereits auf das-wirthaus.de oder Facebook registrieren.

PHOTOS: Gert Schäfer: 1,3 / Thang Dai (Electru): 2,4

Is Tropical x Tweak Bird x Berlin

19:25

Viel war über die drei Jungs von Is Tropical noch nicht bekannt, als sie sich am Freitag, dem 15., im Berliner Comet Club einfanden. Bisher veröffentlichten sie erst eine kleinere Single und auch ihre Gesichter versteckten die Briten mit Tüchern. Dafür erregte zuletzt die Ankündigung einer neuen Kitsuné-Single Aufmerksamkeit.

Doch den Abend einläuten durften I’m not a Band aus Berlin. Mit ihrem Electro-Pop beigeisterte das Duo die Wenigen, die den Weg in den Comet gefunden hatten. Ebenfalls noch ohne Albumveröffentlichung spielten I’m not a Band ihr Set souverän, aber nicht gelangweilt durch, ließen sich auch nicht durch die lange Verspätung von Is Tropical aus dem Konzept bringen. So gaben sie Zugabe um Zugabe und sammelten damit  Pluspunkte beim Publikum.

Der eigentliche Headliner des Abends schaffte es mit einiger Verspätung letztendlich doch noch auf die Bühne. Ohne ein Wort der Erklärung, aber mit den bekannten, verhüllenden Tüchern begannen sie ihren Auftritt. Wer beim Soundcheck nicht aufgepasst hatte, konnte aber spätestens nach 30 Sekunden einen Blick auf das Gesicht des Drummers werfen, dessen Tuch sich ebenso schnell verabschiedete wie der Enthusiasmus der Drei. Ohne große Regungen brachten sie ihr Set über die Runden.

Eine Stunde später und in einer anderen Location versprachen Tweak Bird mehr Begeisterung. Im restlos gefüllten West Germany war gut beraten, wer seine Ohrenschützer dabei hatte. Ein treibendes Schlagzeug und der Hardcore-Gitarrensound brachte so manche lang gewachsene Mähne zum Schwingen. Der gute Auftritt verlor zum Ende allerdings etwas an Substanz, als es den Gebrüdern Bird wohl etwas an Kreativität mangelte und sie ein und dieselben vier Akkorde für einige ihr Songs traktierten.

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Melt! Liveblog: Der Samstag

20:59

Hallo miteinander! Nach 2009 wagen wir auch in diesem Jahr eine eigenes Liveblog für das 13. Melt! Festival - Fotos (Christoph Paul) und erste Impressionen (Thomas Vorreyer) inklusive.

Sonntag, 16:40: Wir neigen uns dem Ende zu, der 2008 erstmals eingeführte Sonntag lädt in seiner dritten Ausgabe zu einem mit lediglich drei statt fünf Bühnen abgespeckten, aber dafür umso dichter besetzten Abschluss des Melt! Festivals. Im Hintergrund zupfen gerade die Kings of Convenience ihre Saiten, die Post War Years, Fucked Up, Crookers, WhoMadeWho, Slagmalsklubben und natürlich Goldfrapp und Festivalheadliner Massive Attack werden folgen.

Nachdem uns gestern zwei Interviews etwas vom bloggen abgehalten haben, hier noch der Rückblick auf den Samstag:

Bei mildem, trockenem Wetter lief der Tag relativ schleppend an und war etwas ärmer an Höhepunkten als der Vortag. Dafür gaben die Friendly Fires, die uns gegenüber ihren 2008er Auftritt im Melt! Regen- und Sturmchaos als schlimmsten überhaupt bezeichnet hatten, eines der mit Abstand besten Konzerte des Wochenendes. Die bandeigene Maschine ist mittlerweile bestens geölt, das Publikum wogte frenetisch durch das Discoset und zum neuen Song “Running Away” flogen zu Laftballons aufgeblasene Kondome über die Köpfe hinweg – Interview folgt. Da hatte die Konkurrenz in Form von Holy Ghost deutlich das Nachsehen. Zwischen den beiden Acts gab es auf der Gemini-Bühne noch Pop mit großer Geste bei Hurts zu hören, die sich erstaunlich gut im noch hellen, spätnachmittäglichen Festivalslot präsentierten.

Zeitgleich ging es auf der Hauptbühne etwas derber zu: Die Blood Red Shoes stürmten und rumpelten schlagkräftig-solide wie immer durch ihr Set und Dendemann demonstrierte den zahlreichen internationalen Gästen, dass sich in Deutschland guter, etwas wagender Hip-Hop und Vokuhilafrise durchaus vertragen. Im Intro Zelt eroberte Darwin Deez derweil die Besucherherzen, bevor im Anschluss The Big Pink tongewaltig die Genrevielfalt des Melt!s unter Beweis stellten. Vielleicht hätte ihr Großspurgitarrensynthierock der Hauptbühne auch besser zu Gesicht gestanden, als der doch etwas dröge Jamie T. Interview folgt.

Dann: Achtung, Tanzattacke! Soulpopper Jamie Lidell, DJ Shadow, Sinden und die neuerdings discolastigen Sterne traten parallel auf. Kein K.O., wohl aber ein deutlicher Punktsieg in dieser Konkurrenz gelang dabei Lidell, der sich allerdings auch eines überdurchschnittlich guten Sounds unter dem Gemini-Bagger erfreuen durfte. Dort traten im Anschluss auch Hercules and Love Affair auf, die sich allerdings mit ihrem neuen, noch unveröffentlichten zweiten Album nach draußen wagten. Das neue Line-Up und der stringent-knackige Chicago-Detroit-Mix, in den sich auch die spährisch abgewandelten “Blind” und “You Belong” fügen mussten, zündete leider, da unverdientermaßen, noch nicht ganz im Rund. Die Menge blieb dennoch und lockerte entsprechende Tanzreserven dann eben bei Chromeo, die ihre Show mit zahlreichen kleinen Audio- (Introchor) und Settingüberraschungen gelungen aufwerten konnten, bevor die DJs A-Trak, Tiga, Carl Craig und allen voran das Trio Moderat (Fotos) die Regie für die Nacht übernahmen.


Chromeo, DJ Shadow, Hercules and Love Affair, Melt! crowd (2), The Big Pink, Jamie T, Friendly Fires (2), Dendemann, Hurts, Blood Red Shoes, Holy Ghost, Jamaica

Samstag, 16:00: Der Melt!-Samstag hat gerade begonnen, doch wir uns u.a. Jamaica, Holy Ghost!, Darwin Deez, Maskinen, Hercules and Love Affair, Chromeo, Tiefschwarz und Hurts zuwenden – und die Friendly Fires und The Big Pink interviewen – hier noch ein abschließender, retrograder Blick auf Freitagnacht. Nach Jónsi zogen uns Sitarklänge zu Yeasayer, wo Chris Keating eine Gesangsdarbietung ablieferte, die mit ihrer Extravaganz und Sexyness gar an Prince und, ja auch, Michael Jackson in ihren Hochzeiten erinnerte. Sowas hatte mensch lange nicht mehr gehört und gesehen und es hätte auch gut auf die ganz große Bühne gepasst, wo The XX die Mammutaufgabe ihre intimen, minimalistischen Songs in den großen Rahmen auf erstaunliche Art und Weise meisterten. Die tragende Rolle übernahm dabei Jamie, der, hinter einem großen, weißen X auf schwarzem Grund über die Szenerie in der laserlichtüberspannten Ferropolis thronend, die Stücke mit seinen Beats nicht nur umstruktierte, sondern auch kraftvoll unterfütterte. Und wer sah, wie Oliver plötzlich ungeahnte Rockbassistenposen einnahm, der_die kann erahnen, in welche (gute) Richtung die Reise der Band bald gehen könnte. Jemand der einen ähnlichen, nämlich elektronischen Schritt bereits gewagt hat, ist Kele Okereke von Bloc Party. Bei seinem anschließenden Soloset überzeugte der muskelbepackte Körper voll, die Musik angesichts einiger Längen nicht ganz. Momente später boten die Foals, trotz eines ausgesprochen engagierten Yannis Philippakis, ein für ihre Verhältnisse eher durchschnittliches Konzert samt pappehaften Schlagzeugsound. Auf ihrer eigenen Tagesbühne boten Modeselektor dann ebenfalls nicht das volle Optimum, beschränkte sich doch die Kooperation mit zahlreichen Gästen, etwa dem Kaiser von Bonaparte, lediglich auf die schnöde Addition der Kräfte, statt der angestrebten Multiplikation selbiger. Einen versöhnlicheren, weil hochgradig energetischen Abschied gab es da schon mit autoKratz im Intro Zelt.

Autokratz (2), Modeselektor, Foals, Kele (2), The XX (2), Yeasayer

Freitag, 23:32: Eine weitere Runde vielfältiger Auftritte liegt hinter uns. Wir haben schelmisch die Jugend in den ersten Reihen von Two Door Cinema Club belächelt, sind zum Strand entschwunden, um zu einem fantastischen Dubstep-Electro-Set von Jamie XX zu tanzen und wurden von Tocotronic wieder an die Hauptbühne geholt. Beinahe ekstasisch gab sich dort Dirk von Lowtzow und beschwor zum Spaß einmal mehr den Widerstand, während Rick Mc Phail den Gitarrengott mimte. Danach ein visuelles Delikatessensandwich: Blaulichtgewitter und Cheesyness bei Delphic, Donnergrollen (und ein genial umstrukturiertes “Crimewave”) bei HEALTH im Intro Zelt und final Jónsi, mit tollem, aber zu leisem Sound und ein Show, die für die große Bühne und das davor befindliche Oval wohl etwas zu komplex-intim war. Es folgen nun u.a.: Yeasayer, Four Tet, The XX, Kele, Foals, autoKratz und Modeselektor ft. Bonaparte.


Jónsi, HEALTH (2), Delphic, Tocotronic (2), Jamie XX, Two Door Cinema Club

Freitag, 20:36: Die Worte kleksen in Schweißtropfen auf die Tastatur – das Melt! hat seinen Schmelzpunkt bereits überschritten. Nach dem Audiolith Pferdemarkt gestern auf dem Gelände und dem Introducing in Berlin (Fotos nachfolgend) lockte der Freitagnachmittag mit u.a. Bonaparte und Midlake auf den beiden Hauptbühnen. Vor der Big Wheel Stage flimmerten der Staub und die Hitze um die Wette, während Oliver Koletzki die Menge verführte. Parallel zu Ja, Panik und Pantha du Prince, wagten sich eben die Shout Out Louds nach draußen. Ihr Rezept gegen die Hitze: Ein merklich unterkühlter Beginn, dafür coverten sie nach “Train in Vain” anno 2007 an gleicher Stelle diesmal kurz “Walking Like an Egyptian”. Nette Idee. Nun stehen Two Door Cinema Club, Jamie XX und Tocotronic in den Startlöchern. Erstes Zwischenfazit: Das Festival hat seine Betriebszeit im Handumdrehen erreicht.

Shout Out Louds, Converse Mainstage

Post War Years und Alexander’s Festival Hall, Introducing (gestern in Berlin)

Review: Lykke Li @ subject60 Tour

02:46

lykke-li-subject60-berlin-2

Diese Elektrizität; diese Spannung in der Luft; die Funken, die auf eine(n) einprasseln; nicht der eine, einzige, der überspringt – das ist Lykke Lis große Stärke, den Raum einfach ganz mit Emotionen aufzuladen. Nur was tun, wenn der Raum eine alte Fabrikhalle ist? Zwischen dem neuen Volvo S60 und allerhand Soapsternchen, JournalistenInnen, BloggerInnen und anderen geladenen Gästen eröffnete die Schwedin, als Gastgeberin angekündigt, letzte Woche die subject60-Tour im Schatten des Berliner Gleisdreieckes. An ihrer Seite: Ein Gitarrist samt Akkustikgitarre und ein Perkussionist mit Tom-Tom-Trommel und Becken; mehr nicht.

Mit einem derartig minimalistischen Unterbau bekamen Stücke wie “Little Bit” fast schon einen neuen, spröden Charme, während die Sängerin mal mit dem zunächst nicht ganz aufmerksamen Publikum kokettierte, mal das lange, blonde Haar schüttelnd auf das Becken einschlug. Da war sie auf einmal, die Spannung, allerdings mit einer leichten, aggresiven Note, obwohl Lykke zugleich immer freundlich blieb.

Dass letztendlich doch die Musik (und nicht die Gratisspirituosen) einer/m das Herz erwärmten, lag an den Songs. Aufgeteilt in zwei Minisets á fünf Stücken gab es neben den altbewährten (Semi)Hits auch das neue Stück “Possibility” und das gar noch neuere, da bisher unbekannte, “French Lover” – ein Lied über eine Pariser Liaison – beide wussten zu überzeugen. So wurden Fashionblogger und Mitgastgeber Yvan Rodic und den anderen Gäste nicht nur optisch (frau trug schwarze Acne zu gewagtem Schuhwerk), sondern auch musikalisch allerhand geboten. Das neue Album soll es im Februar geben. Alles gut im Lykke-Land also.

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Der nächste Tourstop ist heute in der alten Sortierzentrale der britischen Post in der New Oxford Street, London.

subject60 Tour:
02.06. London, UK
10.06. Mailand, Italien
16.06. Paris, Frankreich
24.06. Madrid, Spanien

ALL PHOTOS BY KATRIN HUTH

Ulterior & UK Decay

11:37

Wirft man eines der aktuell einzigen Rock’n’Roll-Monster und ein paar Heroen des Goth und Postpunk zusammen in einen Raum, kann man sich der Anziehungskraft, die daraufhin um diesen Ort herrschen wird, sicher sein. Fällt dies noch mit dem allerersten Berlin-Konzert der Jüngeren und dem ersten seit fast 30 Jahren der Älteren zusammen, dreht sich die Welt – zumindest die des Rock’n’Roll – an diesem Tag beinahe einzig und allein um jenen besagten Ort inmitten Berlins.

So geschehen am letzten Samstag im Slaughterhouse, als die Herren von UK Decay auf die Jungspunde von Ulterior trafen. Jene junge Band, die die Rocker-Attitüde fürs sich gepachtet hat. Neben Wodka hinter, Bier vor und Leder auf der Bühne stellte Sänger Paul McGregor eine lebendige Erinnerung an den Axl Rose-Look dar. Zum obligatorischen Bandana gehörte die langen Mähne zum Pflichtprogramm – bisher! Trotz der Verspätung wehte ein Sturm durch Berlin als Ulterior mit nunmehr kurzgeschorenem McGregor (Foto oben) entgegen des Plans als erste Band die Bühne betraten, um ihre Show abzuziehen. Kraftvoll und mit der bekannten Härte präsentierten sie ihre Songs ohne große Überraschungen.

Einige Posen, Biere und dröhnende Gitarrensounds später war der Spuk auch schon wieder vorbei. Kurz aber heftig durchgeschüttelt hatte das Publikum daraufhin etwas Zeit sich zu erholen, denn die folgenden The Wars waren nicht mehr als ein kurzes Intermezzo zwischen zwei großen Bands.

Als UK Decay nach 28 Jahren Abstinenz zum ersten Mal wieder einen Berliner Bühnenboden betraten war, die Spannung fast greifbar. Mit ihrer mehr als großzügigen Umbaupause trugen sie dazu auch noch extra bei. Aber was sind schon 30 Minuten nach fast drei Dekaden? Eben, nichts. Mit einem gekonnten Luftsprung stürmten die vier die Bühne und schmetterten dem Publikum ihre Songs entgegen. Dieses dankte mit Begeisterung und Ehrfurcht, denn ihr 17-Song Programm spielten sie nicht nur souverän, sondern mit vollem Enthusiasmus durch.

Wider aller – wohl unberechtigten – Befürchtungen wussten sich UK Decay also gegen ihre jüngeren Kollegen zu behaupten. Ein perfekter Abend für den Rock’n’Roll.

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