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Major Lazer & La Roux present Lazerproof

06:14

Es mögen seltsame Zeiten sein, in denen bereits die Gratisveröffentlichung eines Mixtapes vorab groß angekündigt wird. Allerdings macht auch das Erstellen eines solchen jede Menge Arbeit, und wenn obendrein dabei Major Lazor, der fiktive Zombiekiller, und La Roux, die britische (Chart-)Popsensation des letzten Jahres, aufeinander treffen, ist das schon eine Meldung wert.

Wie Pitchfork verkünden durfte, wird Mad Decent, das Label vom derzeitigen Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Überproduzenten Diplo (weitere, aktuelle Studiokollaborationen umfassen Snoop Dog, Tiesto, Robyn und natürlich M.I.A), morgen (Mittwoch, den 26. Mai 2010) das Lazerproof (Gratis-)Mixtape von Elly Jackson von La Roux und seinem gemeinsamen Nebenprojekt mit DJ Switch auf seinem Blog vorstellen. Die Trackliste verspricht schon einmal ein interessantes Hörerlebnis, u.a. sind auch Rusko und Amanda Blank mit von der Partie.

Aktualisierung: Das Mixtape ist jetzt auf der Mad-Decent-Webseite downloadbar und zwar hier.

Lazerproof Trackliste:
1. Bulletproof (Nacey Remix) [ft. Matt Hemerlein]
2. Colourless Artibella
3. I’m Not Your Lemonade + Heroes ‘N’ Villains Remix [ft. Gucci Mane]
4. Independent Kill [ft. Candi Redd?]
5. Keep It Fascinating
6. Magic (Falling Soldiers Dub)
7. In 4 the Kill Pon De Skream [ft. Drake?]
8. Houstatlantavegas Pains
9. Tigerlily (DYWHAP Blend) [ft. Rusko]
10. Can’t Stop Now (Armor Love Remix)
11. Quicksand (Mad Decent 2010 Rerub) [ft. Amanda Blank]
12. Cover My Eyes (Costra Nostra Edit)
13. I Said It (Major Lazer Dubplate) [ft. Opal?]
14. Hold Yuh (Double Dubplate) [ft. Gyptian]

Ein etwas älteres Interview mit Elly J haben wir hier parat.

PHOTO: edited screenshot of pitchfork.com

Crookers : Interview

14:12

Das Mailänder DJ/Produzententeam Andrea “Bot” Fratangelo und Francesco “Phra” Barbaglia alias Crookers haben in den letzten Jahren allerhand Aufmerksamkeit bekommen, zuerst in der heimatlichen Electroszene, dann als Remixer von Leuten wie Britney Spears, Armand van Helden und vor allem Kid Cudi auch im westlichen Pop- und Clubmainstream, den Charterfolg mit Cudis “Day’n’Nite” eingeschlossen. Jetzt steht endlich ihr Debütalbum Tons of Friends in den Läden und der Titel darf dabei wortwörtlich genommen werden: Jedes der zwanzig Stücke hat mindestens ein Feature, angefangen bei großen Namen wie Kelis, Will.I.Am und Róisin Murphy bis hin zu The Very Best, Major Lazer und Soulwax. Wir wollten von den beiden wissen, wie das so ist, wenn der Black-Eyed-Peas-Mastermind deine Nummer will, man vor Ms Murphy vorsingen muss und wie am besten von Switch klaut.

Hallo, ich habe vorhin noch ein Video mit Will.I.Am gesehen, in dem er behauptet, ihr würdet kaum Englisch sprechen. Ich dachte wir fangen deshalb mal besser auf Italienisch an: Come state ragazzi? (Wie geht es euch?)
BOT: Wir verstehen es jetzt, aber vor zwei Jahren als wir ihn in Sydney trafen war es wohl noch schlimmer.
PHRA: Aber come state ragazzi ist gut. Mir geht es gut; ein bisschen übernächtigt vielleicht.

Das geht doch. Wie habt ihr das Zusammentreffen mit ihm damals erlebt?
BOT: Er war in einem Club dort und der DJ spielte unseren “Salmon Dance Remix”, den er anscheinend sehr mochte und sich nach ihm erkundigte. Als der DJ ihm erzählte, dass wir am nächsten Tag in der Stadt spielen würden, kam er direkt vorbei und stellte sich uns vor. Es war bizarr.
PHRA: Wirklich seltsam. Wir haben seine Telefonnummer in eine neue SMS getippt, und dann aber so viele weitere an unsere Freunde geschickt, in denen wir ihnen davon erzählten, dass wir den offenen Entwurf mit seiner Nummer wieder verloren. Für uns war das aber ein guter Anfang zu sehen, dass er mit uns abhängen will, schließlich war noch alles recht neu für uns.

Super gemacht, Jungs! Wie seid ihr denn dann wieder zusammengekommen?
PHRA: Wir sind für zwei Tage nach London gekommen, um abgedrehte Beats für ihn und das Black Eyed Peas Album aufzunehmen. Dann haben wir ihm noch ein paar andere geschickt. Der, der jetzt auf Tons of Friends ist, stammte aus einer Aufnahmesession in unserem Hotel dort, als wir erstmals eine neue Software ausprobierten. Dann haben wir noch einen weiteren Beat verwendet, der ursprünglich für BEP war, aber jetzt bald als unser Song erscheinen wird.

Als ihr vor fünf Jahren mit den Crookers angefangen habt, waren Will und seine Band bereits globale Superstars. Schwebten euch derartige Kollaborationen damals schon vor?
PHRA: Nein, wir hatten keinerlei Erwartungen.
BOT: Es ist großartig, dass große Namen wie er mit uns arbeiten wollen, aber genauso toll ist es auch, mit unbekannten Leuten zusammenzuarbeiten. Ich glaube, wenn man etwas nur mit dem Gedanken aufnimmt, was man damit erreichen könnte, dann wird es schlecht.

Es ging dann alles ziemlich schnell: Als ich euch endlich das erste Mal 2008 bei Radio Soulwaxmas in Berlin live gesehen habe, fühlte ich mich wie die allerletzte Person auf diesem Planeten, die das noch nicht getan hatte. Im Prinzip kennt man euch also schon recht lange. Warum hat es so lange mit dem Album gedauert?
PHRA: Weil wir wie verrückt getourt haben…
BOT: … und weil durch diese Blogsache und Superüberkommunikation alles super schnell ging. Von “niemand kennt dich” zu “alle reden über dich” kann es mittlerweile nur noch zwei Monate dauern.

Trotzdem hätte ich das Album früher erwartet.
BOT: Unsere Plattenfirma auch, aber wir haben vom ersten Tag an daran gearbeitet, sogar weit bevor wir überhaupt ein Label hatten.
PHRA: Wir haben so viele Beats, um die 200 unbenutzten. Es brauchte einfach seine Zeit, um die richtige Form für das Album zu finden.
BOT: Wir wollten wirklich zufrieden mit ihm sein.

Clever wie ihr seid, habt ihr sogar ein paar Beats recyclet, etwa den für “No Security” mit Kelis.
PHRA: Wir verwenden viele Beats wieder, weil allerhand Remixe abgelehnt werden. Manchmal auch von großen Namen. Heutzutage fragen die einen Clubmix an und wollen in Wirklichkeit einfach eine weitere Version des Songs für das Radio. Aber so läuft ein Remix mit uns nicht.

Trotzdem waren schließlich die Remixe für euren Durchbruch verantwortlich. Hat es euch überrascht, dass nicht die für Britney oder Timbaland, sondern der für den eher weniger bekannten Kid Cudi euer bis heute größter Erfolg wurde?
PHRA: Ach, da gibt es eine große Zufallsgröße. Mancher funktioniert eben gut, ein anderer nicht.
BOT: Mit diesem Remix waren wir am Anfang nicht sehr glücklich: Das Label packte ihn nicht auf die Vinysingle, gab ihn nur als Download frei, und wir spielten ihn nicht in unseren Sets, weil er wohl etwas zu melodisch war.

Am Ende wurde es euer größter Erfolg bis jetzt und ist nun als lustiger Acappella Skit auf Tons of Friends zu hören. Lasst uns einmal darüber sprechen. Es wirkt als hätte jemand versucht eine neue, aber coole Live-Aid-Single aufzunehmen und dann ist das Ganze aber in zwanzig Einzelteile zerfallen. Wie seid ihr mit all diesen Leuten zusammengekommen? Spank Rock soll ja ursprünglich zu euch in das Studio gekommen sein, um euch zu interviewen.
PHRA: Ja, das war merkwürdig. Er kam und fragte, ob es möglich wäre, eine sehr kurzes Interview zu machen. Danach erzählten wir ihm von all den Leuten, mit denen wir gearbeitet hatten und meinte: “Cool, ich will mitmachen, aber mit diesem Mic hier.” Da wir zuvor großen Spaß mit ihm hatten, ließen wir ihn einfach etwas rappen.
BOT: Alles war purer Zufall. Der Beat war etwa am Vortag entstanden, als gar nichts zusammenlief, weshalb wir nur ihn gemacht hatten. Und dann kam Spank Rock am nächsten Tag und hat einfach drüber gerappt.

Auf eurer Seite ist ebenfalls ein Video zu sehen, dass euch mit  Dave “Switch” Taylor im Studio zeigt. Die Situation erinnert dort irgendwie an den Meister und seine zwei Lehrlinge.
BOT: Das war ein besonderer Moment: Wir nahmen dieses Mädchen aus New York (Carrie Wilds) auf und er übersetzte uns.
PHRA: Es war Carrie. Wenn wir mit anderen Produzenten zusammenarbeiten, können wir ihnen etwas direkt erklären. Aber als wir mit ihr im Studio waren, brauchte es Dave, um die Details und Feinheiten für sie ins Englische zu übersetzen. Wir und Switch können uns unsere Vorstellung unterhalten und er versteht es sofort, der / die SängerIn vielleicht nicht. Außerdem muss man dabei sehr geschickt und nett sein, auf die Psychologie achten.
BOT: Róisín Murphy fragte uns manchmal auch, was sie an bestimmten Stellen singen solle. Wir meinten: “Wir wissen es nicht, sing einfach darüber.”
PHRA: Wir können ihr nur sagen, dass sie so singen soll, dass es uns gefällt. Aber wie man sehen kann, ist es ziemlich schwierig vor Róisín Murphy zu stehen und “Ahlalala…” zu singen. Da fühlt man sich sehr dumm. Für uns ist dementsprechend schwierig mit wenigen Worten zu erklären, es sei denn auf Italienisch natürlich, aber  Dargen (D’Amico) war der einzige italienische Gast diesmal. Switch hat uns über diese Sprachbarrieren hinweggeholfen. Vom ersten Tag unseres Bestehens an ist er einer unserer Haupteinflüsse gewesen.
BOT: Während dieser Zeit machte er eine Sound wie niemand anderes sonst, also haben wir ihn gefragt, ob er uns beim Mixen helfen wollte. We wanted to steal him some secrets!

Also seid ihr mit ihm beim Mixen durch das ganze Album gegangen?
PHRA: Einige Stücke sind von ihm, andere nur von uns. Und wir wollten, dass David Dewaele von Soulwax “We Love Animals” mixt, denn wir mögen total ihren Sound, sogar obwohl er exakt genauso wie unsere Clubtracks klingt – es gibt einen großen Kick und keinen wirklichen Gesang.

Letztendlich ist es aber ein sich ganz ordentliches, sich-Schritt-für-Schritt-entwickelnder Opener geworden.
PHRA: In der Tat. Aber die meisten Leuten sagen, er würde keinen Sinn machen, da hier auf das wohl längste Intro aller Zeiten ein sehr kurzes Stück trifft.

Neben Soulwax und Switch gibt es zwar viele, weitere Kollaborationen, aber darunter finden sich mit einigen wenigen Ausnahmen wie Radioclit / The Very Best kaum Produzenten aus eurer Generation.
BOT: Wir bevorzugen es, die Produktion bei uns selbst zu belassen.
PHRA: Es war ein sehr eigenartiges, italienische Lied, das wir gemacht hatten und hatten an Radioclit gesendet hatten, aber sie meinten, es wäre gut und sie könnten mit den Beats arbeiten, nur nicht mit dem Gesang, haha. Also haben sie es zerstückelt und an Esau Mwamwaya gesendet, der dann den vocals seinen Stempel aufgedrückt hat. Dann haben wir es wieder geremixt. Überhaupt verändern wir Dinge kontinuierlich – einen Remix eines Remixes eines Remixes anzufertigen ist eine gute Herangehensweise für ein Album.

Sieht so aus, als ob Tons of Friends eher ein Mixtape denn ein Album ist.
PHRA: Es ist das Mixtape vom Remix der eigentlichen Platte.

Und es gibt ein sehr aussagekräftiges, interessantes Bild, wie ihr genau das gemacht hat, in den Aufnahmen aus New York zu sehen. Da sitzt Bot ganz alleine an diesem großen Studiotisch mit all den Anlagen um ihn herum und benutzt ausschließlich seinen kleinen Laptop.
BOT: Wir mögen es, in diesen riesigen Studios zu sein mit all den Geräten dorten, aber das einzige, um das wir dort bitten, ist ein Mini-Jack-Kabel, um den Computer anschließen zu können.
[Am selben Laptop sucht Bot während des gesamten Interview nach der geleakten Version des Albums, von der ich ihm erzählt habe.]
PHRA: Es ist wirklich seltsam.

Aber warum seid ihr bei diesem kleinen Ding hier geblieben?
BOT: Weil wir ohne Geld angefangen haben, also haben wir gecrackte Software benutzt. Jetzt haben wir zwar das Geld und ein paar Synthesizer, aber es ist immer gut seine Musik überall mit dem Laptop aufnehmen zu können. Und wenn etwas wirklich besser klingen oder gemixt werden soll, kannst du ja noch immer eine Maschine nehmen. Wir waren auch überrascht, wie Switch ihn benutzte. Er kann damit Sounds wie niemand sonst machen und das alles nur auf diesem Laptop.

Wärt ihr auch in der Lage gewesen, es ohne Computer aufzunehmen?
BOT: Nein! Aber letztendlich macht das wirklich keinen Unterschied. Wenn die Idee nicht gut ist, kannst du zwar all diese tollen Geräte und Instrumente aus den 1970ern um dich herum haben, aber es klingt trotzdem nicht toll. Es ist cool solche Sachen zur Verfügung zu haben, aber am Ende nutzen alle nur ihre Computer.

Letzte Frage an euch als Softwarefanatiker mit Hip-Hop-Background: Warum gibt es kein Autotune auf Tons of Friends?
PHRA: Das wäre zuviel! Vor drei Tagen habe ich ein Lied von Riva Starr damit gehört. Zuerst war ich echt aufgeregt, aber als die Vocals hörte, war alles kaputt. Autotune is over! Wir haben es nur ganz wenig bei “Cooler Couleur” mit Yelle benutzt.
BOT: Abgesehen davon haben wir es auf dem ganzen Album nicht verwendet. Alles ist out of tune.

Crookers Tons of Friends ist bei Ministry of Sound / Warner erschienen.

Remixe Riva Starr & Major Lazer!

13:10

Im Internet geistern ein paar neue Remixwettbewerbe herum. Da wäre zum einen Jesse Roses Label Made to Play, das mit dem schwedischen 365-Tage-im-Jahr-ist-Weihnachten-Mp3-Blog Discobelle euch Riva Starrs neue und geniale Single “I Was Drunk ft. Noze” remixen lässt. Wenn ihr eure zum-Finger-lecken-tolle 2.0 Version bis zum 13. November eingeschickt habt, könnt ihr ein Feature auf der Nachfolgesingle gewinnen, sprich: Euer Remix wird bei Beatport erscheinen; mit einigen Vorschusslorbeeren versteht sich.

Alle Informationen und die nötigen Dateien zum Download findet ihr hier.

Riva Starr wird am 25. September im The Egg zu London spielen (danach noch dreimal diesen Herbst) und wird am 28. November bei der Made To Play Nacht in der Panoramabar zu Berlin dabei sein. Hier schon einmal das Video zur Single, das mit einem ähnlichen Humor wie Familjens “Det Snurra I Min Skalle” aufwartet.

Eine weitere Profilierungschance bieten euch Diplo und sein Mad Decent Label. Downloaded die Audios des Major Lazer Hits “Pon De Floor”, macht einen feinen Remix draus, lasst eure Freunde für euch voten und schon gibt euch Mad Decent ein Packet gefüllt mit500 $, zahlreichen Mix- und DJ-Programmen, unterschriebenen CDs, Platten und einem T-Shirt. Natürlich wird euer Werk auch auf RCRDLBL.com und anderswo gefeatured. Wer sich lieber als Designer hervortun möchte, sollte ebenfalls mal vorbeischauen.

Kontroverse: Major Lazer “Pon De Floor” Video

05:47

major lazer pon de floor video

Das Video zu Major Lazers Über-Discotheme “Pon De Floor” ist da. Haben wir aber noch bei der Rezension des Albums “Guns Don’t Kill People… Lazers Do” galant auf die Thematisierung der Darstellung von Sexualität auf dieser Platte verzichtet haben, kommen wir nun angesichts des neuen Clips nicht drumherum. Wir erinnern uns: “GDKPLD” ist der jamaikanischen Dancehall-Szene gewidmet, produiziert von den weltweit anerkannten Produzenten Diplo und Switch.

Wie es um deren Umgang mit sexueller Identität und Orientierung steht, hat Wesley Pentz alias Diplo in einem Interview mit der Intro einmal sehr treffend zusammengefasst:

Es gibt nur eine Handvoll Themen, über die du in Jamaika singen kannst: Du kannst einen Weed-Tune machen, einen über Babylon Burning, einen über Sex mit einem Mädchen, einen übers Leute-Abknallen oder einen über Homophobie. Das war’s. Das Letztere haben wir uns ausgebeten, bei den anderen vieren hatten alle die freie Wahl.

Jameika gilt als eines der homophobesten Länder überhaupt auf der Welt. Gesellschaftlich und politisch weit verbreitet, wird diese aggressive Haltung vor allem aber von der Dancehall-Szene immer weiter befeuert. So ruft die Gruppe T.O.K., die bei Major Lazer die Vocals und Lyrics für “Bruk Out” beisteuerten, offen zur Gewalt gegen Schwule auf, etwa im Song “Chi Chi Man“. Angeheizt durch solche Songs kommt es teilweise zu regelrechten Hetzjagden und Folterungen auf bzw. von Schwulen in Kingston und anderen Landesteilen. Einen lebhaften Einstieg in die Problematik bieten die Artikel “The Most Homophobic Place On Earth?” im Time Magazine und  “Jagd auf Schwule” im Weltspiegel der ARD.

Zwar kommt Homophobie auf dem Major Lazer Album an keiner Stelle vor – Wentz hat Wort gehalten -, dafür zeigt sich einmal mehr, dass Schwulenhass und extremer Sexismus in vielen Kulturen Hand in Hand gehen. So setzt nun das Video zu “Pon De Floor” – der Song mit der wohl einprägsamsten Hookline des Jahres – die Stilisierung von Frauen zu reinen Sexobjekten, wie sie auch schon in den Songs “What U Like” oder eben “Bruk Out” betrieben wurde, in extremster, geschmacklosester Form fort.

Unter Einbindung der Gruppe Vybz Kartel, des Regisseurs Eric Warheim und des Tänzers Skerrit Bwoy (via Spex) werden übelste Geschlechterstereotypen noch weit übertroffen. Das grelle, durchaus humoristische Video zeichnet einen unterwürfigen und animalischen Idealtypus einer Frau, die auf allen Vieren mit dem Po in der Luft und mit dem Kopf gen Boden nur willig darauf wartet von einem Mann begattet zu werden; allzeit bereit versteht sich.

Damit sich allerdings jeder selbst eine Meinung dazu bilden kann, hier nun das Video (via Pitchfork):

Major Lazer: Guns don’t kill people…

17:55

major lazer guns don't kill people

Es ist schon irgendwie fies, wenn man schwitzend in der Redaktion sitzt und dann liegt eine CD vor einem von der man erwartet, dass sie einem nur so einheizen wird. Da hilft es nur, ein Eis zur Hand zu nehmen, sich zurück zu lehnen und rein ins Hörvergnügen:

“Guns Don’t Kill People… Lazers Do” von Major Lazer, dem gemeinsamen Projekt von Diplo und Switch, liegt vor. Es ist eine seltsame Wundertüte voller verschiedener Eindrücke geworden.

Hier gibt es als Intro pure Revolver-Westernfilm-Spannung, die sich dann im sperrigen aber packenden “Hold The Line” mit Misirlou-Hookline und Santigold- und Mr.-Lexx-Vocals entlädt. Schon zwei Songs weiter schlägt “Can’t Stop Now” (ft. Mr. Vegas & Jovi Rockwell) und später “Cash Flow” dann die Brücke zu Bob Marleys “Kaya”-Zeiten.

Dazwischen wird in eine brodelnde Dancehall-Bloc-Party irgendwo mitten in Kingston, Jameika, aufrengefah. Überhaupt ist Dancehall das bestimmende Thema dieses Werkes; in diesem Fall besonder guter Dancehall.

Noch häufiger wird in Clubs auf und unter der Erde aber wohl “Pon De Floor´´” mit seinem sich in den Verstand brennendem Sampel (aktuell unter anderem bei Radioclit und Mixhell in Benutzung) und “Jump Up”, an dem sich die Crookers versuchen durften, zu hören sein.

Und dann hat die Platte da noch diesen einen echten Überhit: “Keep It Goin Louder” ft. Nina Sky und Ricky Blaze (samt Audio Tune) ist wohl die Definition eines universellen Sommerhits. Damit könnten Major Lazer auch durchaus erfolgreich die Charts weltweit angreifen.

Dabei gibt es schon genug Chartpopreminisenzen: Mal denkt man an Sean Paul, mal an die junge Lumidee und einmal – bei “Mary Jane” – gar an Jimmy Blue (ja genau, der pseudcoole Ochsenknecht-Sohn). Der Unterschied zu der “rappenden” Marketingpuppe ist aber, dass eindeutig Substanz und ein unglaubliches Gespür für die jamaikanische Szene hinter Major Lazer steckt. Hier ist jeder Schuss ein Treffer, präzise wie ein Laser eben.

Major Lazer “Guns Don’t Kill People… Lazers Do” VÖ: 3. Juli 2009 via Cooperative Music/Downtown Music

Krise?! Welche Krise? II

23:25

Neue Videos von WhoMadeWho, Gossip, MGMT, Fever Ray, Dinosaur Jr, The XX, Simian Mobile Disco, Mos Def, Major Lazer, N.A.S.A. und Crystal Fighters zeigen uns, dass es auch oder gerade besonders – in Krisenzeiten auf gute Ideen ankommt. Das gilt auch für Musikvideos, deren elf an der Zahl wir euch nun ans Herz legen wollen. In Sachen Krise hat sich dagegen auch Monate nach unserer ersten Zusammenstellung kaum etwas getan.

WhoMadeWho – Keep Me In My Plane

Es kann nicht immer weiter und weiter nach oben gehen, denn der Mensch verliert sich im Streben nach Erfolg selbst. Das ist die Botschaft dieses mit eindrucksvollen Kompositionen und in nüchterner Darstellung gemachten Videos zu WhoMadeWhos neuer Single. Der Mensch als Maschine, als reiner Erwartungserfüller bis er irgendwann kaputt ist. Das erinnert uns daran, dass wir auch schon vor der Krise einige Probleme hatten und stellt die Frage:  Ob wir wirklich zu diesem Lebensmodell zurückkehren wollen? Solche Discofunknummer von WhoMadeWho wollen wir aber in jeder Zukunft nicht missen.

MGMT – Kids (Official Video)

Er war der Übersong des Jahres 2008, und da er immer noch gut in den Diskos weltweit funktioniert, dachten sich ManaGeMenT wohl, das inoffizielle Video, in dem zwei mutmaßliche Kunststudenten eine Cats-Parodie ablieferten, müsste durch ein offizielles ersetzt werden. Gesagt getan. Marktwirtschaftlich nur logisch sind Kinder im Video zu sehen, jede Menge Kinder.

Fever Ray – Triangle Walks

Mit dem Video zu ihrer dritten Single macht Fever Ray das eigentümlich-gruselige Konzerterlebniss ihrer Aufritte auch am Computer erlebbar. Unruhige Geister sollten sich schonmal nach einer Wechselunterhose umschauen.

Crystal Fighters – Xtatic Truth

Diese spanisch-britisch-us-amerikanische Fünfmanncombo hat 1. nichts mit den Crystal Castles oder Crystal Stilts zu tun und könnte 2. ein heißer Kandidat für verausgabende Sommerkonzerte sein. Ihre bald auf Kitsuné erscheinende Debütsingle “Xtatic Truth” hat in jedem Fall das Zeug dazu.

Simian Mobile Disco – Audacity of Huge

Appropos Zeug: Welche Stoffe wurde denn bitte hier eingeworfen? Das Jas Shaw und James Ford sicherlich gerne auch mal zu stimulierenden Substanzen greifen, ist sicherlich unzweifelhaft. Dieses Video aber setzt dem Ganzen eine goldene, schimmernde Krone auf! Ein (Farben)Rausch.

The XX – Crystalized

Wenn, sagen wir mal, Chairlift in etwa die neuen Belle & Sebastian sein sollten, dann wären sie die nächsten Young Marble Giants.  Musik wie ein ruhiger Schwarz-Weiß-Film voller großartiger Bilder.

Diese Lobpreisung konnte man vor kurzem hier über The XX aus London lesen. Jetzt die dazugehörigen Bilder.

Chew Lips – Salt Air

Chew Lips, die wir ebenfalls vor kurzem – damals noch zur Single “We Don’t Wanna Wait” – vorgestellt haben, haben ein neues Video draußen. Statt salziger Seeluft bzw. Szenen am Meer sehen wir aber Sängerin Tigs neuen Haarschnitt; die große Liebe nicht ausgeschlossen.

Gossip – Heavy Cross

Über Beth Ditto und ihre Band Gossip kann man heutzutage vielerorts vieles lesen. Meistens mit im Topf: Neu-Buddie Karl Lagerfeld. Der ist beim Video von “Heavy Cross” nicht dabei, dafür hat das neue Label Sony/BMG aber einen Goldanzug und Feenstaub aus dem Major-Ärmel geschüttet. Falls sich noch jemand für die Musik interessiert: Grandiose Single.

Mos Def – Casa Bey

Als Einstimmung auf das splash! Festival: Der Mund des Hip Hop aus dem wohl die meiste Wahrheit und Weisheit strömt; festgehalten on tape.

N.A.S.A. – A Volta

Drogen Teil 2: Dieses Video quillt so über an Ideen, dass wir alle Vermutungen dem Zuschauer überlassen und lediglich darauf verweisen, dass es eine Mickey Mouse als fiesen Boss schonmal bei South Park gab; geschenkt.

Major Lazer – Hold The Line

Den Major Lazer und seine verrückte Geschichte haben wir vor einigen Tagen erst vorgestellt, nun zeigen wir euch das eindeutiges Beweismaterial dazu.

Dinosaur Jr – Over It

Zum Abschluss etwas Entspannung: Dinosaur Jr. zeigen, dass man auch mit Mitte-Vierzig noch Skaten und BMX fahren kann und/oder gute Musik machen. Das ganze sommerlich schön und ästhetisch inszeniert als kultureller Generationenbeitrag zu The Presets “If I know you” Video.

Im tropischen Download Dschungel

15:01

the very best

Das Debütalbum von The Very Best “Warm Heart Of Africa” soll erst am 4. September erscheinen. Da ist der Sommer doch schon vorbei! Damit unsere Hüftgelenke bis dahin nicht einrosten, widmen wir uns in einem Downloadspezial dem gemeinsamen Projekt von Radioclit und Esau Mwamwaya. Unterstützung gibt es dabei von einer weiteren Supergroup der Bewegung, Major Lazer (Diplo, Switch, M.I.A. uw.!), sowie von Afrikan Boy aus London und aus dem Hause Boys Noize Records.

Für den Anfang kommt ihr aber  am ersten Mixtape von The Very Best erstmal nicht vorbei. Neben Architecture In Helsinki, M.I.A. oder Vampire Weekend wird hier auch Michael Jackson von Radioclit, bekannt durch ihre famosen Secousse Parties in London, durch den Transformator gezogen, während Esau für ungewohnte Reime sorgt. Das komplette Mixtape kann man sich hier herunterladen. Vorher solltet ihr euch allerdings von ein paar malawischen Kindern zeigen lassen, wie man dazu richtig tanzt:

Und wer jetzt Lust hat das neue, eigene Album anzuhören, dem gibt das Trio den Song “Warm Heart” ft. Ezra Koenig von Vampire Weekend via Gorilla vs Bear in die digitale Hand. Dazu gibt es auf der Seite ihres Labels Green Owl noch “Ntende Uli” im freien Stream. Eigentlich gemein, dass sie uns trotzdem noch so lange warten lassen wollen. Übrigens, Green Owl setzt sich dafür ein, dass seine Musik umweltverträglich produziert und veröffentlicht wird. Wenn das mal nix ist.

Johann Hugo von Radioclit vertreibt sich die Zeit bis September derweil mit der jamaikanischen Sängerin Terry Lynn. Zusammen haben sie mal eben die EP “It Was Written” in zwei Tagen aufgenommen und auf The Fader veröffentlicht – kostenlos versteht sich. Dazu wird es eine US-Tour geben. Der Austausch von Afrika gegen Jameika funktioniert hier anscheinend tatsächlich.

Major Lazer

Aus den USA kommt auch eine Hälfte von Major Lazer, nämlich Wesley Pents alias Diplo. Der hatte ja vor kurzem Santogolds Debütalbum in das sommertaugliche “Top Ranking” umgemixt, bei dem er auch auf Radioclit zurückgriff (Die stecken alle unter einer Decke sage ich euch!). Nun hat er sich den britischen Produzenten Dave Taylor alias Switch geschnappt und die Kunstfigur Major Lazer erschaffen. Dieser tapfere Held kämpfte 1984 gegen eine mysteriöse Zombiearmee (Kavinsky war wohl aber leider nicht dabei), verlor einen Arm, bekam dafür einen Laser angenäht und arbeitet nun für die CIA als Barbesitzer getarnt auf Trinidad. Von da kommt am 3. Juli das Album „Guns Don’t Kill People… Lazers Do“ und mit ihm dieser feine Track zusammen mit Jameikas Mr. Lexx und M.I.A.: Hold the Line. Die Hookline erinnert ein wenig an Dick Dales & The Del Tones “Misirlou”, aber das geht okay. Ihr solltet auch mal die Major Lazer Seite bei RCRDLBL besuchen, dort gibt es zahlreiche Remixe zum freien Download.

M.I.A. und Diplo sind übrigens alte Bekannte: Bereits 2004 hatte der Produzent ihre Songs auf dem “Piracy Funds Terrorism Vol. I” Mixtape mit denen von damals bekannten R’n’B-Größen vermengt. Besonders hervorzuheben ist der “Amazon” Remix mit Ciaras “Goodies”. Das gesamte Tape gibt es Dank Jetcomx wieder online.

Ein letztes noch zu M.I.A.: Auf ihrem zweiten und bislang letztem Album “Kala” von 2007, das sie übrigens mit eben jenem Switch geschrieben hatte, hatte sie den Song “Hussle” zusammen mit dem Londoner MC Afrikan Boy aufgenommen. Von diesem soll an dieser Stelle bald noch viel, viel mehr (Video, Singles, Deutschlandtour…) zu lesen sein, den aktuellen Remix seines Tracks “This is Afrika” wollen wir euch allerdings dennoch nicht vorenthalten. London To MK hat ihn dankenswerter Weise hochgeladen.

Einfluss hatten Major Lazer auch auf Djedjotronics neues Mixtape aus dem Hause Boys Noize Records. Gleich zweimal tauchen sie da auf. Den Mix, die volle Tracklist und ein Kind mit übergroßer Brille und Milchzähnen gibt es hier. Und nun: Spread the word kids und tanzt!