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Air “Love 2″

18:37

AIR - LOVE 2

„Sexy Boy“ – das war der erste Song von Air, der mich richtig mitgerissen hat. Die Entwicklung und das Arrangieren der Sounds lassen so eine süßlich erotische Art entstehen, dass wilde leidenschaftliche Szenen durch meinen Kopf kreisen. Und das schaffen nur Air und Peaches. Was für ein Kontrast.

Zwar klingen die Tracks auf Airs neuem Album “Love 2″ nicht mehr so erotisch, dafür aber sanft-schlummerig und elegant. Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin bleiben ihrem Electro-Fantasy Genre treu und sorgen dafür, dass der Hörer sphärische Ebenen durchquert. Als kleines Kind hatte ich etwa oft diesen einen Traum, in dem ich umringt von roten Kreisen und einer gelben Wand durch einen runden Raum fliege – eine Art Röhre – aber nie ankomme, immer weiter fliege (nein, das war kein LSD-Trip), und zu diesem Traum passt “Love 2″ – bestückt mit dem Song “Be a bee”, den kräftigen Gitarrenklängen und den Synthie-Sounds, die etwas Gespenstisches an sich haben.

Aber auch der Song “Love” assoziiert bei mir etwas Schwebendes. Vielleicht ein Zuckerwattenland, in dem kleine Eichhörnchen herumspringen und dir aus der Hand essen. Goldig. L’amour est une drogue douce, das wusste schon Michel Reynaud. Das Einstiegslied “Do the joy” ist nebenbei auch gut überlegt ausgewählt worden. Elektronisch angehauchte Stimmen, die einen Alien-Touch haben. Find‘ ich lustig – das ermutigt doch zum Weiterhören. Und den letzten Track muss ich auch noch erwähnen, der nur instrumentalisch verläuft: “African Velvet”, geprägt von Drums, den G-Tönen einer Gitarre und einem Chill-Faktor, der das ganze Album noch mal Revue passieren lässt.

Da haben es die zwei Pariser mal wieder geschafft, das Silber in Gold zu verwandeln und den Elektropop süß klingen zu lassen – auch wenn ich “Sing Sang Sung” zu monoton ennuyant finde – fangen Air mich mit ihren traumgleichen und traumhaften Klängen ein, in denen ich kurz verweile und in einer Trance pensioniere.
Sing sang sung sing me a song – dup deep dump don’t be so dumb and listen to it.

Air “Love 2″ ist bei EMI erschienen. Lest hier das Interview mit der Band zum Album.

Air : Interview : Liebe, Tod, Kinder

02:01

air polaroid

Ihr epochales Album “Moon Safari” erblickte vor über einem ganzen Jahrzehnt das Licht der Welt, aber das bedeutet nicht automatisch, dass Air sich so langsam von der Bühne verabschieden werden. Ganz im Gegenteil: Nach vier Studioalben und zahlreichen Nebenprojekten steht nun ihr fünftes Werk und Nachfolger von “Pocket Symphony” aus dem Jahre 2007 an – “Love 2″. So mögen zwar nicht alle ihre Projekte derart begeistert aufgenommen wurden sein wie das Debüt, aber diesmal haben Air die Sache umgedreht.

Natürlich ist auch an Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen und so erscheinen sie etwas übernächtigt in der Lounge ihres Berliner Hotels zum vormittäglichen Interview. Aber selbst wenn sie nicht mehr wie Frankreichs Poster Boys #1 aussehen, so sind doch noch immer Philosophen, Konzeptionalisten, Liebhaber, Kinder, Cineasten, Anhänger der freien Liebe und französische Charmeure der alten Schule geblieben. Sollten sie also jemals eine Sekte gründen, wir wären sofort dabei.

Nähern wir uns dem Album mal theoretisch an: Das Intro “Do The Joy” predigt den Hedonismus. Welche Rolle spielte dieses philosophische Konzept beim Entwurf des Albums?
JEAN-BENOÎT: Dieses Konzept könnte tatsächlich zum Album oder “Do the Joy” passen, da wir im Text zuerst einen apokalyptischen Teil haben – das Ende der Welt wird erwähnt – und dann haben wir da den Refrain, der uns auffordert ‘do the joy’ right now. Daneben ist es auch sehr anzüglich; wir sagen:  ‘do the joy, do the shouts, do the cry, then do the smile’. Ich denke, das hängt auch mit unserem Alter zusammen. Wir spüren wie die Zeit vergeht. Wir wollen jetzt glücklich sein, Zeit ist für uns etwas Wertvolles geworden. Wir wollen auf uns Acht geben und alle Schwierigkeiten vergessen, um die Freuden des Lebens zu genießen.

Habt ihr so einen Moment schon einmal erlebt, in dem euch bewusst wurde, dass das Leben jederzeit enden könnte?
JEAN-BENOÎT: Ich erinnere mich als wir in Griechenland eine große Show gespielt hatten und dann zu einer Party aufbrachen. Nigel Godrich hatte das Auto gemietet und jemand von den Veranstaltern fuhr es. Er machte eine Kehrtwende und in diesem Moment erwischte uns ein sehr, sehr schnelles Motorrad. Das Auto war völlig zerstört und unsere Köpfe schmerzten. Der Motorradfahrer war auf den Boden geworfen worden und schwer verletzt. Es war schrecklich. Aber wenn du weißt, dass das Leben jederzeit enden kann, dann weißt du auch, dass du jederzeit aufhören und wieder von vorne beginnen kannst. Wenn dir das Glück am Leben zu sein wirklich bewusst wird und du dich richtig konzentrierst, dann erlebst du das Vergehen der Zeit völlig neu und verlierst dieses unschöne Gefühl von vorbeigehender Zeit, ohne dass du dagegen ankämpfen könntest.

Man hat immer die Möglichkeit seinem Leben eine andere Richtung zu geben?
JEAN-BENOÎT: Ja, es ist Magie; das Leben ist Magie.
NICOLAS: Da stimme ich zu. Besonders Liebschaften sorgen dafür, dass du immer weiter machst. Dort kannst du alles geben und dadurch wieder von vorne beginnen. Es ist sehr schön zu denken, dass sie eine Fülle an positiven Auswirkungen haben, die man einfach immer wiederholen kann. Das ist der Zauber der Liebe. Es ist eine Falle und eine sehr emotionale Konzeption, aber es funktioniert ziemlich gut. Es ist verrückt. Ja, es ist die Kraft der Liebe, die dir die Stärke gibt, dich von allem zu lösen. Du kannst alles verändern und mit etwas Leidenschaft alle Grenzen sprengen.

Verbringt ihr die langen gemeinsamen Nächte auf Tour oder im Studio mit Diskussionen über solche Fragestellungen?
JEAN-BENOÎT: Wir reden manchmal darüber, ja.
NICOLAS: Es ist gut, diese (Gespräche) auf Touren zu haben, denn dann ist man weit weg von seinem eigentlichen Leben und sieht alles mit einer gewissen Distanz. Wir leben alle in einem Zirkel und die Touren durchbrechen ihn. Plötzlich sieht man wirklich Aspekte seines Lebens wie ein Geist, wie ein anderer Teil deinerselbst. So eine Tour bringt viele Diskussionen über Fragen mit sich, die du dir vorher noch nie gestellt hattest.

VIDEO: AIR “DO THE JOY (EXTRACT)”:

Zurück zum Hedonismus, der ja auch häufig mit Egoismus assoziiert wird: Vor Jahren zu Zeiten von ‘Walkie Talkie’ sagtet ihr einmal, dass Air eine ‘selbstsüchtige’ Band sei, die alle Lieder nur für sich macht.
JEAN-BENOÎT: Heute denke ich nicht mehr so. Ich weiß nicht genau, was Hedonismus bedeutet, aber ich möchte nicht wirklich ein Teil davon sein. Es kann extrem oder gar bösartig sein und man verhält sich mies zu anderen Menschen, denn man denkt nur an sich, will nicht frustriert sein und alles geschieht nur zum eigenen Vergnügen – was auch immer die Konsequenzen dafür seien mögen, selbst wenn es jemanden verletzt. Wir mögen so etwas nicht, wir wollen niemandem aufgrund unserer eigenen Frustration wehtun. Das Album ist als wenn man die Botschaft der Luft hören könnte oder in einer Art Vorstellung durch die Welt oder den Himmel schwimmt. Wir wollen einfach mit dieser Musik entfliehen und nicht unsere Egos befriedigen. Es geht nicht um uns, es geht um den Geist des Menschseins und das Genießen von Musik und Klängen.

Womit wir wieder bei der Zirkelperspektive sind: Wie kann man genau diese Botschaften und Einflüsse hören und einfangen, wenn man sich ein eigenes Studio namens ‘Atlas’ baut und somit seinen eigenen Mikrokosmos noch mehr ausgeprägt hat?
NICOLAS: Die Touren führen uns ja aus diesem Zirkel heraus und das Studio wiederum erschafft eine Blase innerhalb von ihm. Es ist als würde man direkt in das Herz des ganzen Systems gehen und dann reißt einen die Tour wieder davon weg. Es gibt hier also zwei völlig unterschiedliche Konzepte.  Aber als Künstler verspürt man immer den Drang, sich zu isolieren. Selbst wenn du jung bist und gerade erst mit der Musik anfängst, benutzt du sie ja um dich vor der Welt zu verschließen. Wenn sich dann der Erfolg einstellt und du eine Karriere beginnst, wird es richtig gefährlich, denn eine Karriere gewährt dir keine Möglichkeit, um aus der Blase zu gelangen. In deiner Jugend machst du zwar auch Musik, aber danach sitzt du immer noch in deinem eigenen Zimmer, es ist immer noch dasselbe Leben. Später ist es dann wie mit den Drogen: Man verliert die Realität aus den Augen. Als Künstler ist es wichtig, sich von Dingen berühren zu lassen. Wenn du also die Blase nicht verlässt, dann passiert genau das nicht und du wirst langweilige Musik machen.

Ihr verfolgt auch die Doktrin, dass jedes Album unterschiedlich zum Vorgänger sein muss oder?
NICOLAS: Ja, das machen wir immer. Ich denke, es ist sehr kindisch von uns, dass wir immer so schnell gelangweilt sind, dass uns die Aufnahmen wie sie gemacht wurden plötzlich keine Freude mehr bereiten. Die Leute sagen, es wäre die Pflicht des Künstlers, sich ständig selbst zu überdenken und sich gewissermaßen Gefahr auszusetzen, aber so ist das nicht. Man fängt einfach an sich zu langweilen und will etwas Neues, Frisches mit einem neuen Instinkt machen. Das ist kein eigentlicher Prozess.

Dann lasst mich mal versuchen, das nachzuvollziehen. Als ihr an ‘Love 2′ gearbeitet habt, erschien euch ‘Pocket Symphony’ als nicht erdig und nicht divers genug oder?
JEAN-BENOÎT: Hmm, wir haben nach Diversität gesucht, ja. Es ist nicht so, dass jedes Album eine Reaktion auf das vorherige sein muss. Wir hören auch Musik von anderen Leuten und was wir dort als neu empfinden, stehlen wir und machen etwas völlig Anderes daraus. So läuft das. Bei diesem Album warum wir einfach auf der Suche nach dem Leben, dem Leben in allem, nach der Energie des Lebens und den Freuden der Harmonie. Wir suchen immer nach den Einflüssen unserer Sounds, Harmonien, Akkorde und Melodien.

Ihr habt das Album zum ersten Mal mit einem Schlagzeuger, Joey Waronker, eingespielt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum dieses Album klingt, als ob es endlich die verborgen Verbindungen zwischen dem, was Air so einzigartig macht (Space mal ausgenommen), und den traditionellen Linien der Popmusik seit den 1950ern, 60ern offenlegt.
NICOLAS: Bei diesem Album stimmt das wirklich. Wir  haben im Studio diese Versuchung gespürt, alles etwas traditioneller aufzunehmen. Manchmal haben wir ja Computer zum Experimentieren, um Schwächen der Aufnahmen auszugleichen oder für einige Effekte genutzt, um etwas Kreatives auszuprobieren. Diesmal aber war der eigentliche Sound schon von Anfang an so voll, so cool und physisch. Wir wollten das nicht verändern, sondern es pur belassen.  Ich denke für uns wird es der nächste Schritt sein, beim nächsten Album etwas mehr zu experimentieren und uns wieder vom traditionalistischen Aufnahmeprozess zu entfernen, denn dieses Album war von vorne bis hinten ein sehr traditionelles. Damit ist ‘Love 2′ in gewisser Weise das klassischste Werk, das wir je gemacht haben. Aber wenn wir denken, dass es klassisch ist, gibt es immer noch genug Leute, die meinen, es wäre ziemlich abgedreht. Davon haben wir eben unsere eigenen Vorstellungen.

Irgendwie erinnert mich das an Atlas, den mythischen Titanen, der die Welt auf seinen Schultern trägt; eine gute Wahl für den Namen des ersten eigenen Studios.  Lasst uns über “Love 2″ als Begriff reden. Handelt es sich hier nur um ein simples Update oder gleich um eine ganz neue Konzeption von Liebe?
JEAN-BENOÎT: Hmm, ich denke der Ausgangspunkt war zu Sagen: Okay, lass uns über die Liebe reden, lass es uns ‘Love 2′ nennen und zwar obwohl es ziemlich falsch sein mag. Heutzutage ist alles so kalt, es geht nur noch um das Aussehen, den Stil. Du musst stylish sein bla bla. Es ist also von uns wirklich naiv, wenn wir einfach nur ‘Love’ oder ‘Love 2′ sagen. Wir wollten also diesen Ausgleich schaffen, sowohl musikalisch als auch philosophisch, denn wir wollten ja wirklich über die Liebe sprechen; die Liebe jeglicher Art, also nicht nur das Verlangen, sondern auch die menschliche Liebe, die man für seine Kinder, seine Frau oder seine Eltern, irgendjemand oder irgendetwas empfindet. Dieses Konzept heißt Gleichmut, das bedeutet, dass man alle Menschen um sich herum gleichermaßen gut behandelt, seien es Kinder oder ein Fremder auf der Straße. Daneben wollten wir auch unseren Sound sehr warm, natürlich und gut aufgenommen haben, um im Kontrast zu einigen elektronischen Bands mit ihrem MP3-Sound zu stehen. Das mag zwar cool sein, aber wir haben uns gesagt, wir wollen etwas Anderes ausprobieren.

Eure alte Maxime ‘Keine Computer!’…
JEAN-BENOÎT: Ja, keine Computer, nur etwas wirklich Warmes. Aber es gab einen Computer, der das Album aufgenommen hat. Irgendwo steckt halt immer einer drin.

Ihr habt einmal behauptet, ihr seht in jedem eurer Songs eine Frau. Wie verhält sich das hier?
JEAN-BENOÎT: Ja, wir denken und reden immer von einer Frau im Sinne von ‘Sie ist gleich da drüben und doch eine Utopie’. Es ist eine schöne Frau und wir haben uns schon immer zu ihr hingezogen gefühlt und sie ist einfach da, wie eine Muse.

Ist es die Erscheinung der Erdenmutter?
JEAN-BENOÎT: Erdenmutter?
NICOLAS: War nicht Gaia nicht nur die Erdenmutter, sondern auch die von Atlas? [Nein, Atlas war der Sohn von Gaias Sohn Iapetus.]
JEAN-BENOÎT: Erdenmutter…
[Für die nächsten Minuten starrt Jean-Benoît nun beseelt lächelnd an die Wand hinter mir und denkt wohl an die Erdenmutter.]
NICOLAS: Es gibt da diesen Film ‘La maman et la putain‘ (Die Mama und die Hure) – wir versuchen alle diese beiden unterschiedlichen Extreme zur selben Zeit zu haben. Man will jemanden haben, der sich um einen kümmert, la maman, und jemanden, der dein Verlangen stillt, la putain.

Ihr habt auch Soundtracks gemacht, wäre dann  ‘La maman et la putain’ die Geschichte zu ‘Love 2’?
NICOLAS: Ja, wir haben da eine gewisse Expertise auf diesem Gebiet. Wir mögen Filme mit Handlung und hier haben wir verrückte Keyboards und viel Free Dance, also ist es eher ein Bruce Lee Film oder etwas ähnlich Altes. Es könnte aber kein Nouvelle Vague Film sein. Wir haben zwar schon solche Musik gemacht, aber dieses Album ist anders als die anderen. Es ist wild, es ist wie ‘Do the Joy’. Wenn man sagen will, es sei ein vergnügliches, dann ist es das wohl auch aber dennoch eher kein intellektueller Film.

Nun, wenn sich Mann und Frau glücklich vereinen, dann führt das im besten Fall zu Kindern und…
NICOLAS: Daran glauben wir nicht. Wir glauben nicht das Männer und Frauen dafür geschaffen wurden, für eine längere Zeit zusammen zu leben. Wenn du eine Frau bzw. eine Beziehung hast, solltest man das solange behalten wie möglich, aber mit den Jahren werden deine Hormone, Instinkte und Gefühle die Oberhand gewinnen und jemand anderes wird deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So läuft das eben. Wir haben da dieses heuchlerische Rollenmodell: Die Gesellschaft versucht dich zu zwingen mit deiner Ehefrau in eurem Haus glücklich zu werden und Kinder zu haben. Wir denken jedoch, dass das großer Mist und nur Gehirnwäsche ist.

Trotzdem muss der Mensch sozialisiert werden.
NICOLAS: Ja, aber ich denke, dass das ‘Paar’ ein reaktionäres Nachkriegskonzept ist. In der Romantik, den alten Zeiten, ja sogar im 19. Jahrhundert, hatte man seine Ehefrau, um mit ihr eine Familie zu gründen, aber gleichzeitig noch zahlreiche Mätressen. Ein ‘Paar’ bedeutet nicht wirklich irgendetwas, das ist nicht natürlich und eine Heirat ist nicht nur unnatürlich sondern auch schrecklich. Man macht alles verkehrt herum, Ekel erregend.

Eigentlich wollte ich bloß auf die kindliche Seite des Albums hinaus. Lieder wie “Sing Sang Sung” oder “Be A Bee” dürften auch Kindern gefallen. War das Absicht?
JEAN-BENOÎT: Wir machen die Musik auch für Kinder, aber ich weiß nicht warum. Es gibt etwas wirklich Niedliches und Süßes in uns drinnen; manchmal zeigt es sich. Wir wissen, dass es wohl von einem Mangel an Zuneigung in unserer Kindheit herrührt. Als Kinder wollten wir Musik zum Einschlafen haben, da es sehr beruhigend ist, aber wenn du so was nicht hast, dann stellst du dir eben als Kind die Töne in deinem Kopf vor.

Lassen wir das Album mal für einen Moment auf uns wirken und seien wir wieder Kinder. In diesem Hotel gibt es dieses riesige Aquarium, den  ‘Aqua Dom‘. Habt ihr jemals davon geträumt im Meer zu leben?
NICOLAS: Wir nennen uns zwar ‘Air’ aber wir sind eher ‘Wasser’. Mein Traum ist es wirklich, unter dem Meer in einer Blase zu leben. Das ist eine alte Fantasie von mir. Als Kind habe ich all diese Comics über Städte unter dem Meer gelesen, das war ziemlich cool für mich. Ich würde mich da unten viel wohler fühlen. Es ist so toll schwimmen zu gehen, einfach ins Wasser zu springen; am Mittelmeer etwa, dort begegnet man wirklich der Erdenmutter.
JEAN-BENOÎT: Ich wäre gerne ein Delphin. Sie können schneller als Haie schwimmen und sind lustige Tiere, die an die Oberfläche müssen, um atmen zu können.

In ‘Per Anhalter durch die Galaxis‘ wurden die Delphine zur Erde gesandt, um die Menschheit vor dem Abriss des Planeten zu warnen, aber wir verstanden sie nicht.
JEAN BENOÎT: Ich mochte diesen Film, aber die meisten konnten nicht verstehen warum. Als ich ihn sah war das so schön, so verrückt und neu mit unglaublicher Musik, aber irgendwie hat es niemanden interessiert. Das war wirklich seltsam.

Und wenn die Erde zerstört werden würde und ihr in einer Marsstation aufnehmen könntet, würdet ihr es machen?
NICOLAS: Natürlich, wir hatten schon einmal diesen Gedanken. Das wäre wie auf einem Schiff zu sein und ein anderes Leben zu leben, wir würden uns dort also sehr wohl fühlen. Für uns wäre das ziemlich natürlich, da wir ja Produzieren auf engstem Raum und ohne Tageslicht gewohnt sind.

air love 2 sm“Love 2″ ist Airs fünftes Studioalbum und wird am 2. Oktober bei EMI erscheinen (5.10. UK/ 6.10. USA, letzteres via Astralwerks). Im November und Dezember wird die Band durch Skandinavien und Osteuropa touren bevor sie im Januar eine komplette Europatour beginnen. Im Frühjahr 2010 geht es dann in die USA.

VIDEOS: taken from en.aircheology.com
POLAROID: Thomas Vorreyer
(aufgemischt! möchte der Band für die einmalige Ausnahme danken!)

JEAN-BENOÎT:
NICOLAS:

Let’s start with a theoretical approach: “Do The Joy” preaches the hedonism. Which role does this philosophical concept play in your work?
JEAN-BENOÎT: This concept could apply to the album or to “Do the Joy”, because in it’s lyrics you have an apocalyptic part speaking about the end of the world and also you have the chorus saying we should do the joy right now. It’s also really sexual. We say ‘do the joy, do the shouts, do the cry, then do the smile’. I think it’s also coming from our age because we feel the time going on. We want to be happy now, time is precious for us. We want to take care of ourselves and forget all the difficulties enjoying the pleasure of life.

Did you experience a special moment making you aware that life can end within every second?
JEAN-BENOÎT: I remember that one day when we played in Greece a big show and then left to go to a party. Nigel Godrich rent the car and it was driven by someone from the live organisation. He did a U-turn and we hit a really fast motorbike. The car got destroyed and we had banged heads. The guy was thrown on the ground and badly hurt. It was horrible. But you know, life can stop anytime but as well it can restart anytime. You can be really conscious about the pleasure to live and I think you can extend your time. If you really concentrate you can newly feel the time going on and can stop this ugly feeling that the time goes on and you can’t stop it.

You’ve always the possibility to change your life’s direction.
JEAN-BENOÎT: Yes, it’s magic. Life is magic.
NICOLAS: I do agree. Especially love stories keep you going on and you can give everything and start again. It’s very nice to think that they have a lot of good consequences and you can always do everything again. That’s the magic of love. It’s a trap and a very mental conception, but it works pretty well. It’s crazy. Yes, it’s the power of love that gives you the strength to detach from everything. You can move it all if you have the passion you blow anything.

Do you spend those long nights you share together at the studio or the tour bus with discussions about such elementary questions?
JEAN-BENOÎT: Yes, sometimes we speak about this.
NICOLAS: It’s good to have those on tour because you’re far away from your life and everything from a distance. We all live in a circle and the tour takes you out of it, suddenly you can really see your life, like a ghost, like from another part of you. A tour brings many discussions to you you’ve never before thought about.

Hedonism is always associated with egoism. Back in the “Walkie Talkie” days you once said: “Air is an egoistic band” doing all songs just for themselves.
JEAN-BENOÎT: I don’t even think like that at all right now. I don’t excactly know what hedonism is, but I don’t really like to be a part of it. It can be extreme or evil and make you behave badly to people, because you just think of yourself, don’t want to be frustared and do all things just for your own pleasure – whatever the consequences are, even if it hurts the people around you. We don’t like that, we don’t want to hurt anybody in the name of our frustration. The album is just like the listening to the message of the air and to swim in a sort of imagination through the world or in the sky. We just want to escape with this music and not only please our egos. It’s not about ourselves, it’s about a spirit of beeing human and enjoying the pleasure of music and sounds.

And there we’re back with the circle perspective: You can feel and catch this spirit when you pull yourselves away from the world and lock in your new own studio “Atlas” where you have your own microcosmos?
NICOLAS: It’s two different things. The tour takes you out of the circle and the studio creates a bubble in the circle. It’s like you’re going really into the heart of the system and the tour then takes you out from it. That’s two different concepts. But when you’re an artists you have the reflex to isolate yourself. Even when you’re young and start to learn music you do it to close yourself from the world. When the success arrives and you have a carreer then it’s really dangerous because you can live in the bubble without facing everyday’s life. You have to be very careful with that because you can start making very boring music because your carreer doesn’t give you the opportunity to get out of the bubble. When you’re young you make music and afterwards you still sit in your own room, it’s still your life. It’s like a tragedy with drugs which can make you loose the reality. As an artists it’s important to let things hit you, so when you don’t leave the bubble this won’t happen and you’ll make boring music.

Too, you follow the dogma that every record has to be in some way different from it’S predecessor, don’t you?
NICOLAS: Yeah, we do that all the time. I think it’s very childish because we get bored with things so fast that we don’t think that it’s fun anymore to make the record like we made it before. People say it’s a duty of an artist to reconsider himself and put one in danger. But it’s not like that. You are just bored and want something new and fresh with a new instinct. It’s no strict process.

Okay then let me have a guess: when you sat in your studio working on “Love 2″ you expirienced “Pocket Symphony” as not earthy and diverse enough.
JEAN-BENOÎT: Hmm, we were searching for diversity, yes. It’s not like that every album is always a reaction to the previous one. We were also listening to some other projects and to what we think is new in their music. We steal things and then do something else. That’s it. On this record we were just searching for the life in everything, for the energy in life and the pleasure of harminonies. We are searching for affection of the sounds, harmonies, chords and melodies.

I think

NICOLAS: On this album this is very true. Because we feeled temptation to record in the studio in a more traditional way. Sometimes we used the computer to experiment or to hide the weakness of the original recordings or to try some effects, editing or computeral structures to do something artistic. But this time when we started recording the original sound was so fat, so cool and so physical from the beginning. We didn’t want to touch that, we wanted to keep it very pure. I think the next step, the next album we’re going to do will be experimenting more and going away from traditional recording process, because this album has been from a to z a very traditional one. So in some way “Love 2″ is the most classic we’ve ever done. But if we think it’s classic anyone will still think it’s pretty weird. We have our own clear vision of what’s classic and what’s experimental.

Somehow this reminds me of Atlas, the titan from Greek mythology carrying the world on his shoulders. Good pick for a studio name. Let’s speak about “Love 2″. Do we have a simple update of love here or is a complete reinvention, a totally new concept?
JEAN-BENOÎT: Hmm, I think the originial core was to say: Okay we speak about love, the title is “Love 2″ but it’s quite wrong to dare to speak about love. Nowadays everything is so cold, everything is about style. You have to be stylish bla bla. So from us it’s really naive, when we just say ‘love’ or ‘love 2′. So we wanted to bring this in balance sonicly and philosophicaly, because we wanted to speak about love, any kind of love not only desire but also the human love you can have for your children, your wife or your parents or anybody or anything. This concept is equaminity which means you consider all people around you on the same level, let it be children or a foreigner on the street. Also we wanted to have the sound to be really warm, natural and well recorded to be in a position opposite to some electronic bands with their MP3-sounds, which is cool but we said to ourselves: we want to try something different.

Your old dictum to resign from computers…
JEAN-BENOÎT: Yes, no computers, just something really warm. But there’s a computer recording the album. There’s always some of them anywhere.

You once claimed to see certain women in every of your songs. How does this look right now?
JEAN-BENOÎT: Yes, we always think and speak about women in a way of ‘she’s over there but an utopie’. It’s a beautiful woman and we always felt for her and she’s over there like our muse.

Is this the vision of the mother earth?
JEAN-BENOÎT: Mother earth?
NICOLAS: Wasn’t Gaia not only the mother earth but also Atlas mother? (No, he was a son of her son Iapetus)
JEAN-BENOÎT: Mother earth…
NICOLAS: ‘La maman et la putain'(The Mother and the Whore) – we all try to have these two different and extreme visions at the same. You want to have someone you feel warm with, la maman, and then you want to fulfill your desire, la putain.

You, too, have recorded some movie soundtracks, so if we rethink this from the opposite end would ‘La maman et la putain’ be the plot for ‘Love 2’?
NICOLAS: Yeah, we have an expertation on soundtracks. We like plot movies, have crazy keyboards and a lot of free dance so it’s this time more a Bruce Lee movie or older stuff like that. It couldn’t be a Nouvelle Vague movie. We did music like that but this one is not like the ones before. It’s wild, it’s like “Do the Joy”. And if you say it’s a pleasurable one, it could be that but not an really intellectual movie though.

Well, when men and women unite in pleasure the results are children and…
NICOLAS: We don’t believe in that. We don’t think that men or women are made to live together for a long time. If you have a woman and a romance you should keep it as long as you can but through the years your hormons, your instincts, your feelings will take over and then your attracted by someone else. That’s how it works. We have a hypocritical role model. The society tries to force you to be happy with your wife in your house and have children. We think this is bull shit, brain washing.

But still man needs to be socialized.
NICOLAS: Yeah, but I think the ‘couple’ is a reactionary post war concept. In the romance, the old time or even in the 19th century you had your wife to have a family with her but you had a lot of mistresses. A ‘couple’ doesn’t really mean anyhing. That’s not the natural way to be and a wedding is not only unnatural but horrible. You do everything reverse, that’s disgusting.

Actually I just wanted to head over to the childlike attitude of parts of the record. Songs like “Sing Sang Sung” or “Be A Bee” could appeal to children. Did you made them like that on purpose?
JEAN-BENOÎT: We do music also for the children but I don’t know why. There’s something really sweet in ourselves. Sometimes it shows up. We know it’s or it seems coming from a lack of affection when we were children. We wanted to have music to go to sleep with since it’s really salving and if you do not have this you tend to compose some tones in your head as a child.

Let’s have the record affet us and be children for one moment. There’s this huge fish tank called ‘Aqua Dom’ above us. Have you ever imagined being an inhabitant of the sea?
NICOLAS: We’re called Air but our music is much more ‘water’, much more aquatic. My dream is to really live under the sea in a bubble, that’s an old fantasy for me. When I was a child I was reading all those comics about cities under the sea. That’s pretty cool. I would feel much more comfortable to be underwater. It’s so good to swim, to jump into the water. It’s amazing to go to the Mediterranean, there you meet mother Earth.
JEAN-BENOÎT: I would like to be a dolphine. They can swim faster than sharks. Also they are funny animals and have to go to the surface to breath.

In ‘The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy’ the dolphines were send to earth to warn mankind against the planet’s destruction but we can’t not understand them.
JEAN BENOÎT: I liked this movie but ome people didn’t understand this. When I saw it was so beautiful, so crazy and new with amazing music but no one really cared. It’s really strange.

And if Earth get’s destroyed but you could your next record on a Mars station, would you do this?
NICOLAS: Yeah of course, we had the same idea. This would feel like being on a ship and live different lifes so we would feel very comfortable on the Mars or the moon. It would be natural for us because we are already used to produce and live close face-to-face without daylight.