Posts Tagged ‘Dan Lissvik’

Klarwerden / klar werden

11:24

Es regnet. So wie gestern Nacht als wir vom Tanz nachhause kamen und so wie gestern morgen, als wir das Haus verließen. Und überhaupt so wie scheinbar alle anderen Tage davor. Dabei ist doch Wochenende. Der kopfeigene Nebel muss gelichtet werden. Guten Morgen!


Yuck : Rubber (Mogwai Remix) [Download]


Fixers : Amsterdam [Download]


Ariel Pink : Round and Round (Little Loud Remix) [Download]


Korallreven ft. Victoria Bergsman : Honey Mine [Download]


Joe Worricker : Bobby Blue (Lissvik Remix) [Download]

Rubber ist die bereits dritte Single von Yuck und Mr Stuart Braithwaites Remix ein kleine Zugabe. Ein Debütalbum soll im Januar 2011 bei Fat Possum folgen. Fixers liegen da ein paar Schritte zurück: Das Oxforder Quintett verkauft Amsterdam bisher nur als Tourkassette (oder bietet es mit Remixen für lau zum Download an). Mehr sollte aber ebenfalls bald folgen, das Video zur Single gibt es schon mal hier. Ariel Pink waren zuletzt in Europa auf Tour, der Remix des britischen Produzenten Little Lould dient bereits schon wieder als Wegzehrung für die kommende US-Tour. Korallrevens neue Single Honey Mine kann jetzt samt eines Remixes von Dan Lissvik bei Acéphale vorbestellt werden; der Studio-Mann mixt derweil noch schnell den Milchbubicharme aus Joe Worricker.

PHOTO: “Fog over Miami” by miami_jj (CC:by-nc-nd)

Ikons (Album)

02:58

Wenn sich sechs schwedische Musiker in Göteborg unter dem programmatischen Alias IKONS*, schwedisch für Ikonen, versammeln, sollte man wissen, dass es sich hier wohl um eine sich selbst bewahrheitetende Prophezeiung handeln tut. Nachdem wir also bereits ihren Song “Slow Light” zuvor als “kosmischen, achtminütigen Krautrockritt” vorgestellt hatten, widmen wir uns nun dem titellosen Debütalbum der Band.

Und die IKONS haben hier tatsächlich einen wohl verfassten, pulsierenden und neun-Song-starken Angriff auf den eingeschlafenen Rock’n’Roll-Zirkus vorgelegt, der es sich in sich hat und einige Parallelen zum letzten Album der Horrors zieht.

Das Groß der Songs folgt dabei einem ähnlichem Muster: Zuerst baut das Sextetts beinahe schleifenartige einen stetig dichter und dichter werdenden wall of sound auf, den dann plötzlich ein Keyboard oder ein Gitarre bricht. Und in diesen Moment fühlt man sich fast so, als würde man gerade das erste Mal zu Can, Space’s “Magic Fly” oder Air‘s Moon Safari lauschen, ohne dass einem hier eine eineindeutige Interpretation der Songs vorgegeben wird. Es entwickelt sich so eine kontinuierliche Reise hinaus in die Weiten des Alls hin zum nächsten transzedenten Level. Kein Wunder also, dass der geschätzte Dan Lissvik von Studio zusammen mit Alex Palmestål von Pistol Disco das Mixen des Albums übernommen hat.

Rau und schön zugleich klingend, gelingt es den IKONS einen in eine Vision der Zukunft hineinzuziehen, die scheinbär näher an den 1960er/70er Vorstellungen des Postmillenium-Lebens im Weltraum angelehnt ist, als an unsere gegenwärtigen, klinisch sauberen und nüchtern gestalteten Entwürfe. Dabei erscheint die Musik am Ende doch zeitlos – man kann es retro futuro** nennen, wenn man denn mag.

Mit “Bye” findet sich zum Abschluss noch ein im weitesten Sinne typisch schwedischer, hallender Rocksong, der einmal mehr, das ureigene Gefühl für nahezu perfekte Gesangsharmonien unter Beweis stellt.

Dabei hat das Album vor allem in seiner Mitte auch einige wenige zähe Momente und von Zeit zu Zeit stößt man auf musikalische Wiederholungen, aber insgesamt bekommt man hier eine LP, die nicht nur aufgrund ihres Stils, sondern auch ihrer Qualität, aus dem weiten Feld der heutigen Veröffentlichungen heraussticht.

Ikons (titellos) ist als CD, Vinyl und Download beim schwedischen Service Label erschienen.

*Zur Band gehört auch ein Videokünstler.
**Das echte Retro Futuro ist ein feines Veranstaltungskollektiv aus Berlin.

Plattenkiste KW 44 pt.1 A-L

12:38

julian casablancas phrazes for the young large

In letzter Zeit hat sich einiges in unserer Plattenkiste angesammelt und viele neue Veröffentlichungen stehen an, deshalb hier ‘Teil 1: A-L’ unserer aktuellen Plattenkritiken. Wir reisen nach Südafrika und nach Viersen in die deutsche Provinz, zeigen euch den Brief an Julian Casablancas aus unserem kleinen Paket mit Keksen für ihn von neulich, setzen Putzen, Autofahren und Kuscheln gleich, lauschen einen einsamen Poeten u.v.m.

beat beat beat starsbeat!beat!beat! “Stars” (EP) Richard-Mohlmann-Records/Indigo
Imaginieren wir einen warmen Herbsttag: Rote Blätter auf dem Boden, Großmama hat einen Kürbis gekauft, ich trinke zu viel Federweißer und freue mich. „Stars“ von Beat!Beat!Beat! wäre wohl die ideale musikalische Untermalung für derlei Szenerie. Kein Wunder, haben die vier Jungs aus Viersen (das ist an der niederländischen Grenze) doch zu einer Zeit aufgenommen, in der die Sonne noch ein wenig länger verweilte. Aus diesem Grund stimmt mich die gut gemeinte Spaßmusik von beat!beat!beat! auch ein wenig traurig. Bei Textzeilen wie „we fight the setting sun“ stoße ich unweigerlich auf die Tatsache, dass diese sich heute noch nicht einmal hat blicken lassen. Trotzdem kann man mit der Band auch zu dieser Jahreszeit einige angenehme Momente verbringen und es würde mich nicht wundern, wenn  Motor FM solch ansehnliche Burschen nicht schon längst in die Heavy Rotation aufgenommen hätte. Den Schritt zum Foals-Vergleich haben sie immerhin schon gemacht, auch wenn ich mit Verlaub meine, da noch ein wenig Spielraum was Experimentierfreude betrifft, erkennen zu können.
Dennoch geht ein Titel wie „Fireworks“ gut ins Bein – und Tanzen kann man ja glücklicherweise auch ohne Sonne. CW

blk jks after robotsBLK JKS “After Robots” Secrectly Canadian/Cooperative Music/Universal
Immer dieser Diplo! Erst verhilft er seiner Ex  M.I.A. zum Durchbruch,  so ca. 2004 war das, dann hebt er sein Label Mad Decent aus der Traufe, fördert Bonde de Rolé zu Tage, produziert neben Amanda Blank auch Spank Rock und Santogold, remixte die halbe Welt und sorgte dieses Jahr mit seinem Projekt für Major Lazer für Aufsehen. Nebenbei ist er noch einer der nervigsten Twitter-Nutzer aller Zeiten, aber das wie gesagt nur nebenbei. Jedenfalls darf selbiger die Entdeckung der BLK JKS (zur Aussprache des Namens wenden Sie sich bitte an die Kollegen MSTRKRFT und MGMT, danke) für die westliche Nordhalbkugel der Erde beanspruchen, denn die BLK JKS alias Molefi Makananise, Lindani Themba Buthelezi, Mpumelelo Mcata und Tshepang Ramoba kommen aus Johannesburg, Südafrika, letztere sogar aus dem Township Soweto. Dementsprechend klingen BLK JKS auch nach dem (schwarzen) Südafrika und nicht wie Dear Reader etwa wie frisch aus Montreal oder Stockholm. Was hier erklingt ist im Wesentlichen Mbaquanga, eine Zulu-afrikanische Variante des Blues, die hier jedoch gleichzeitig durchlässig für andere afrikanische Stile wie Hi-Life oder westliche wie Dub bleibt. Das ist dann zwar kein fröhlich-offener Pop a la The Very Best, aber ein eigentümlicher, dunkler und psychedelischer Zauber, der sich über den Hörer legt, ohne selbigen damit zu überfordern.

the boxer rebellion unionThe Boxer Rebellion “Union” VÖ: 30.10. bandeigener Vertrieb/ADA Global
Wer bei The Boxer Rebellion zuerst an den chinesischen Aufstand denkt, für den haben wir etwas Neues. Vier Londoner Jungs die mit „Union“ bereits ihr zweites Album in den Ring werfen. Doch zunächst sah es gar nicht so erfolgversprechend aus, nachdem ihr Label sie, trotz des vielversprechenden Erstlingswerks „Exit“, fallen lies, mussten The Boxer Rebellion den Kampf ohne Plattenfirma und Promotion aufnehmen. „Union“ schaffte es nichtsdestotrotz auf Platz vier der UK Itunes Charts und in den USA sogar auf Rang eins und erscheint nun doch noch als gepresste Version.
Auch wenn man es erwarten könnte, schlagen die Vier nicht wild auf ihre Instrumente ein, um ihrer Rebellion Ausdruck zu verleihen. Vielmehr warten sie mit atmosphärisch dicht gepackten und wohldurchdachten Songs auf. Wesentlich erzeugt durch die wandelbare und facettenreiche Stimme von Sänger Nathan Nicholson, der sich mit Leichtigkeit zwischen Thom Yorke, The Hickey Underworld und The Cooper Temple Clause hin und her bewegt, ohne seinen eigenen Stil dabei zu verlieren. Sehr schnell taucht man ein in die träumerisch gestalteten Songs die zwischenzeitlich jeh von rohen Counterparts unterbrochen werden. Doch beschleicht einen vor allem gegen Ende des Albums das Gefühl, man habe das schon so – nur besser – zum Beginn der Scheibe gehört. Das lässt die Faszination etwas schwinden, aber nicht verschwinden.
Trotz des schwächeren Abgangs überzeugt die Platte mit ihrer Atmosphäre und den durchdachten Songs und hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack. CP

julian casablancas phrazes for the youngJulian Casablancas “Phrazes For The Young” VÖ: 30.10. Rca Int./Sony Music
Lieber Julian,
wir kennen uns schon so lange, fast ein Jahrzehnt, lass uns ehrlich miteinander sein: Eigentlich brauchst du diese Platte doch gar nicht. Im Gegensatz zu deinen anderen Bandkollegen konntest du all die Jahre lang dein Ego doch ganz gut ausleben, konntest den Gelangweilten, den Kamerazertrümmerer oder eben den verschmitzten Charmeur geben so oft du wolltest und das alles ohne dass sich jemand jemals ernsthaft beschwert hätte. Aber vielleicht hast du dich am Ende einfach nur allein gefühlt, das ist legitim.
Und hey, uns alle mal an deinem schön entspannten Leben teilhaben zu lassen, ist ein ehrenwerter, fast generöser Ansatz. Beinahe hättest du mich auch hier und da ernsthaft überrascht, aber unter deinem bunten, neuen Wanderumhang trägst du noch immer die selbe alte Lederjacke – netter Versuch! Nur acht Songs hast du mitgebracht und manchmal frage ich mich, ob du dir den einen oder anderen Text wirklich einmal selbst noch durchgelesen hast, aber geschenkt. Irgendwo säuselst du mir „forgive them even if you’re not sorry“ in mein Ohr und ich weiß schon jetzt, dass es zumindest dir nicht leid tut, aber warum auch? Man sollte die Dinge nicht so schwer nehmen und zufrieden blinzelnd in den Sonnenuntergang blicken, nicht wahr? Allein für “River of Brakelights” hat sich das alles doch schon gelohnt.
Dein
TV

director I'll wait for the soundDirector “I’ll wait for sound” ADA/Warner
Mit einer großen Portion Vorschusslorbeeren, Platin und Musikpreisen von ihrem ersten Album veröffentlichen Director im Oktober ihr zweites Album „I’ll wait for sound“. Die Schüssel Vorschusslorbeeren hat sich allerdings beim Hören des Albums sehr schnell leer gegessen. Beim genaueren Hören stellt man sogar fest, dass Director sich zusätzlich an den Lorbeeren anderer bedienen. Irgendwie hat man alles schon einmal irgendwo anders gehört. Hier ein Häufchen Editors, dazwischen ein Bissen Arctic Monkeys und dort ein Häppchen Wombats. Was vielleicht lecker klingt, schmeckt aber in diesem Fall keinesfalls. Langweilig und dröge klingend kommt das Rezept mit seinen interessanten Zutaten nicht über gute Ansätze heraus. Fast jeder Song erklingt nach einem bestimmten Schema. Es gibt keine Überraschungsmomente, viel zu viele gleich klingende Passagen und der teilweise leiernde Gesang tut auch nichts zur Verbesserung der Qualität bei. Man vermisst schmerzlich die individuelle Note. Nachdem dann auch noch ein Song wie ein Cover Tiger Lous klingt, bedecken Director zu guter letzt ihr Album mit einem großen Klecks pampigen Apfel-Muse. Schmeckt nicht und hört sich auch nicht gut an. Aber nachdem Muse auf ihrem neuen Album mit dem gleichen Rezept Erfolg gefeiert haben, kommt „I’ll wait for sound“ vielleicht genauso gut bei den Menschen mit weniger Geschmacksnerven an. AH

william fitzsimmons the sparrow and the crowWilliam Fitzsimmons “The Sparrow and the Crow” Groenland/Cargo
Eigene Therapiestunden in Form von Musik. William Fitzsimmons, der früher als Psychotherapeut tätig war, und sich lange mit Geisteskrankheiten auseinander setzte, therapiert sich nun auf “The Sparrow and the Crow” selbst. Das Album ist im Groben geprägt von der Trennung seiner Frau. Schmerz, Beziehung, Loslassen – typische Gefühle nach einer Distanzierung zu seiner großen Liebe. Seine Methode der Verarbeitung startet er mit dem Eingestehen der noch existierenden Liebe zu ihr. So heißt es in “After Afterall”: I still love you/I still want you/I still need you; und in “Even Now”: Oh but I love you/Even still/Even now/Even though we fell apart. Im weiteren Verlauf des Albums scheint es aber so – wie das bei einer Therapie so sein sollte – als ob William Fitzsimmons klar wird, dass es ganz natürlich ist, loslassen zu können und zu müssen. Los zu lassen, von einer langen, aufrichtigen Liebe, und dass er, auch wenn eine tiefe Melancholie sein Empfinden beeinflusst, zur Selbsterkenntnis kommt: I don’t suppose that you’ll still have my name/You’ll have another/You’re not my lover anymore. Gut gemacht.
Diese Kognition ist zudem nicht nur für Herrn Fitzsimmons von Vorteil, sicher auch für viele andere Hörer. Und wo wir gerade beim Hören sind – die Besonderheit bei diesem Musiker ist eindeutig seine aurale Wahrnehmung. Aufgewachsen als Kind zweier blinder und musikalischer Eltern, entwickelte William F. schon sehr früh eine enge Bindung zu Instrumenten. Die Konzentration lag mehr auf dem Auditiven als beim Visuellen. Das merkt man auch bei “The Sparrow and The Crow”. Neben seiner zarten, ruhigen und stückweise illusionierten Stimme erklingt ein Piano, welches nicht in den Hintergrund sondern gleichberechtigt mit den Vocals gesetzt wird. Hinzu kommen natürlich schön harmonierende Gitarrenspiele und eine weibliche gesangliche Begleitung.
Danke für diese rezeptive Musiktherapie, William. FF

gliss devotion implosionGliss “Devotion Implosion” ADA/Warner
Hat da etwa jemand zuviel Kokain geschnüffelt? Höre ich mir “Devotion Implosion” so an, stelle ich mir Sängerin Victoria an einem Glas Whiskey nippend vorm Mikrophon stehend vor – ein wenig schwankend und zwischendurch noch eine Nase durchziehend. Ein Mix aus Garbage, The Raveonettes und The Jesus & Mary Chain. Shoegaze is back; das wissen wir jetzt auch seit Darker My Love ein recht befriedigendes Album hingelegt haben, welches ein Retro-Gefühl erzeugt und den Shoegaze-Rock auferweckt. Im Gegensatz zu ihnen kommen Gliss aber weniger spektakulär und cool rüber. Hier und da sind ein paar laute, fetzende Gitarrensounds (“Anybody Inside”) aufnehmbar, aber signifikant für die Musik ist “Devotion Implosion” nicht.  Noch eine Platte mit düster-rockigem Charakter und verzerrten Gitarren in der Musiksammlung? Nein, danke. Da höre ich mir lieber “Lust Lust Lust” von The Reveonettes auf Repeat an. Das fetzt mehr und hat einen echten Delirium-Effekt. FF

charlotte hatherly new worldsCharlotte Hatherley “New Worlds” Little Sister Recordings
Zunächst einmal kann ich nicht verstehen, warum uns Hörern so viele tolle Remixe auf LPs enthalten bleiben. So geschehen bei der ersten Singleauskopplung „White“, welche in gemischter Version tausendmal aufregender daherkommt, als die schnöde Albumversion auf „New Worlds“. Aber nun handelt es sich ja um ein Rockalbum und so klingt es auch. Das mag sich paradox anhören, denn im Idealfall ist wo Rock draufsteht auch Rock drin. Wie gesagt – im Idealfall. Und „New Worlds“ ist so ein solcher. Die ehemalige Ash Gitarristin und Sängerin spielt sich fröhlich von Song zu Song. Hatherlys Stimme hangelt sich dabei, immer ein wenig neben der Spur, an verträumten Klangwänden empor. Da gibt es Echos und verzerrte Gitarren wie in „Wrong Notes“. Die Songs entwickeln und verändern sich, halten inne und setzen an anderer Stelle wieder ein. Das ist wohl die größte Stärke an „New Worlds“ – trotz determinierter Klänge (was will man von einer Frau, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt dem Indierock frönt, anderes verlangen) ist es nicht langweilig, finden sich immer wieder überraschende Momente. Wenn der treibende Sound in der Mitte des Albums beispielsweise in eine süßes Duett mit Xylophon („Firebird“) umschwenkt, tut das dem Gesamtbild sehr gut und schützt die Musikerin vor dem Prädikat der Eintönigkeit. Unter diesen Umständen ist es dann ist es auch zu verzeihen, dass „White (Heartbeat Mix)“ nur über EP oder dem allgegenwärtigen Myspace seinen Weg in unser Herz und Füße findet. CW

lake heartbeat trust in numbersLake Heartbeat “Trust In Numbers” SRVC
People seem talk to talk their way to satisfaction, but I just want some porn to live for interaction. Eben haben Lake Heartbeat noch vom goldust in your eyes (baby) gesungen und jetzt plötzlich diese verschroben-schönen Zeilen gegen eine Welt der useless information; merkst du denn nicht, they only want to hold us down! Das wäre fast untergegangen, denn ob die zwei Schweden nun Päärchen zusammenführen oder zum Aufstand gegen die Gleichtrott aufrufen, sie tun es auf die beinahe immer gleiche Weise: feinste, im Duett gehauchte Popsongs, kuschlige, geschickt aber immer unterschiedlich  instrumentalisierte Midtempo-Nummern mit Balearicversatz. Auch der allgegenwärtige Co-Produzent Dan Lissvik von Studio hat dem Album seinen Stempel aufgedrückt. So manifestiert sich hier in lediglich zehn Songs das, was wir schon lange geahnt haben: Abseits der großen Öffentlichkeit und im Geheimen hat der schwedische Pop das nächste Level genommen. Er ist mysteriös, anstatt dir mit großer Geste nebenbei noch die neusten Karottenjeans oder Lederjacken andrehen zu wollen, er ist gesellschaftskritisch und zuckersüß zugleich, anstatt dir belanglos und schwer im Magen rumzuliegen; kurzum: zeitlos, in sich geschlossen, ja perfekt. Mehr davon, bitte.
Die Mp3 “Blue Planet” vom Album kann man sich hier bei uns herunterladen.

clara luzia the ground belowClara Luzia “The Ground Below” Asinella Records/Broken Silence
Clara Luzia tun niemandem weh. Das ist auch ganz schön, denn ein paar Seelenschmeichler schaden nicht. Nur besteht die Gefahr der Langeweile, ganz akut sogar. Vielleicht bin ich auch auf dem falschen Dampfer und man sucht sich Musik heute ähnlich aus wie Freunde. Einen zum Trinken, einen zum Führen von intellektuellen Gesprächen, zum Kochen, Tanzen und Sex. Wenn ich diese These so rabiat in den Raum stelle, dann sind Clara Luzia das österreichische Pendant für die stilisierte Putzmusik. Oder zum Autofahren, oder Kuscheln mit dem/der Freund/in. Sängerin Claras Stimme scheint auch prädestiniert  für solcherlei Tätigkeiten: Sanft schwebt sie durch die Räume, säuselt süße Zeilen, untermalt von Piano, Banjo und Cello. Doch, das klingt schön, sehr sogar – dennoch kein Album, welches einen durch alle Lebenslagen zu manövrieren vermag. Möglicherweise braucht Clara Luzia auch etwas Ziehzeit, wie ein guter Kamillentee. Aber dann wird „The Ground Below“ sicher einen kuscheligen Platz zwischen Tempos, Zartbitterschokolade und IKEA-Duftkerzen finden.  Wir wollen nicht mehr melancholisch sein, oder vielleicht doch? CW

AUTOREN: Franziska Finkenstein, August Hoffmann, Christoph Paul, Thomas Vorreyer, Carolin Weidner

Lieber Julian, wir kennen uns schon so lange, lass uns ehrlich miteinander sein: Eigentlich brauchst du diese Platte doch gar nicht. Im Gegensatz zu deinen anderen Bandkollegen konntest du all die Jahre lang dein Ego doch ganz gut ausleben, konntest singen oder eben nicht wie du wolltest, konntest den Gelangweilten, den Kamerazertrümmerer oder eben den verschmitzten Charmeur geben so oft du wolltest und das alles ohne dass sich jemand jemals ernsthaft beschwert hätte. Aber vielleicht hast du dich am Ende einfach nur allein gefühlt, das ist legitim. Und hey, uns alle mal an deinem schön entspannten Leben teilhaben zu lassen, ist ein ehrenwerter, fast generöser Ansatz. Beinahe hättest du mich auch hier und da ernsthaft überrascht, aber unter deinem bunten, neuen Wanderumhang trägst du noch immer die selbe alte Lederjacke – netter Versuch! Nur acht Songs hast du mitgebracht und manchmal frage ich mich, ob du dir den einen oder anderen Text nicht auf dem Klo ausgedacht hast, aber geschenkt. Irgendwo säuselst du mir „forgive them even if you’re not sorry“ in mein Ohr und ich weiß schon jetzt, dass es zumindest dir nicht leid tut, aber was sollte das auch sein? Man sollte die Dinge nicht so schwer nehmen und zufrieden blinzelnd in den Sonnenuntergang blicken, nicht wahr?

Taken By Trees “My Boys”

11:53

taken by trees my boys

Victoria Bergsman mag zwar nicht allzu vielen Leuten bekannt sein, dennoch kennt ihre Stimme wohl jeder seitdem sie den weiblichen Gesangspart in Peter Bjorn & Johns “Young Folks” übernommen hatte. Anfang diesen Monats hat die junge Schwedin unter ihrem Alias Taken By Trees ihr zweites Album “East Of Eden” (Rough Trade) veröffentlicht, für das sie nach extra Pakistan gereist war, um dort ihre neun neuen Songs aufzunehmen, die anschließend von Studios Dan Lissvik in Schweden veredelt worden. Das Animal Collective Cover “My Boys” ist eine der überwiegend englischsprachigen Kompositionen dort und gefällt sich gefällt sich in vergleichsweise sehr zugänglichem – beinahe mächte man sagen: typisch schwedischem – Folkpop.

Laut Eigenaussage soll es demnächst auch eine Tour geben. Wir warten gespannt.

[via]

Lake Heartbeat “Blue Planet”

10:34

lake heartbeat

Ist das hier der perfekte Pop? Dürfen wir jetzt das Buch der Weisheiten auf ewig schließen und uns einfach nur noch einer einzigen Platte zuwenden? Fakt ist, nach u.a. Studio, Lindstrøm, Fontän und Air France haben uns hier wieder zwei Schweden ganz schön rangekriegt. Da überrascht es nicht, dass der Co-Produzent von Lake Heartbeats Debütalbum “Trust Numbers” Studio‘s Dan Lissvik ist, der mit seiner eigenen Band schon zwei wunderbare Alben vor- und eines solo nachgelegt hat und vor kurzem mit einem Remix von Fever Ray‘s “When I Grow Up” für Furore sorgte.

Hinter Lake Heartbeat wiederum verbergen sich die gewissen J.Kask und K.Kåks, die – obwohl man angesichts des Gesangs wohl etwas anderes vermuten würde – augenscheinlich zwei junge Männer sind. Es wäre jetzt müssig zu erwähnen, dass sie von Lissvik & Co auch die mediale Geheimniskrämerei erlernt haben. Außerhalb Schwedens wird solcher Musik gerne das Etiquette balearic angehängt und Lake Heartbeat tun nicht wenig, um damit zu kokketieren. Ihre Songs sind träumerische, von Synthesizern getragene Erzählungen über die Liebe und den Sommer mit fantastischen Texten; unglaublich schöne Musik für ein einsames Inselleben (zu zweit) also.

Wir haben nun für euch die Lake Heartbeat Single “Blue Planet” für euch (s. unten). Das dazugehörige Album “Trust Numbers” ist beim schwedischen Label Service (u.a. Jens Lekman, Studio) und kann hier erworben werden. Lohnen tut auch ein Blick rüber zu Gorilla vs. Bear, die einige weitere MP3s zu Band und Umfeld zusammengetragen haben.

Lake Heartbeat “Blue Planet” [download mp3]