Posts Tagged ‘Diplo’

Deerhunter : Helicopter (Diplo & Lunice Remix)

02:43

Anschmiegsam und doch unheilsverkündend wie ein schwarzer Kater: Diplo und Lunice lassen Deerhunters „Helicopter“ durch manch glitzernde, undurchsichtige Wolke fliegen. Aus dem blubbernden Original wird da ein flirrender Remix. Familienbanden sind hier im Spiel (Deerhunter Bradford Cox und Diplo sind mehr oder weniger miteinander verwandt), Genialitäten aber auch.


[Download]


Deerhunter : Helicopter (Video)

Das am Dienstag bei 4AD erschienene, neue Deerhunter-Werk Halycon Digest kann übrigens – dank 3voor12hier komplett vorgehört werden.

Diplo: Fuzz-Gitarren statt Beats

19:46

Wer Diplo bislang nur als partyfreudigen Überproduzenten für Beats aus aller Welt kannte (also prinzipiell wir alle), darf ihn jetzt einmal ganz ohne Bässe (und irgendwie auch Übergänge), dafür aber ganz retrograd mit allerhand Fuzz-Gitarren erleben. Dazu gebracht hat ihn die New Yorker Design- und Kommunikationsfirma Pomp&Clout, die auch schon für Boys Noize das Video zu “Jeffer” drehten. Diplos “Chasing the Dragon Mix” könnt ihr euch also auf ihrer Mix-Series-Seite hier herunterladen.

Diplo “Chasing the Dragon Mix”

Major Lazer & La Roux present Lazerproof

06:14

Es mögen seltsame Zeiten sein, in denen bereits die Gratisveröffentlichung eines Mixtapes vorab groß angekündigt wird. Allerdings macht auch das Erstellen eines solchen jede Menge Arbeit, und wenn obendrein dabei Major Lazor, der fiktive Zombiekiller, und La Roux, die britische (Chart-)Popsensation des letzten Jahres, aufeinander treffen, ist das schon eine Meldung wert.

Wie Pitchfork verkünden durfte, wird Mad Decent, das Label vom derzeitigen Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Überproduzenten Diplo (weitere, aktuelle Studiokollaborationen umfassen Snoop Dog, Tiesto, Robyn und natürlich M.I.A), morgen (Mittwoch, den 26. Mai 2010) das Lazerproof (Gratis-)Mixtape von Elly Jackson von La Roux und seinem gemeinsamen Nebenprojekt mit DJ Switch auf seinem Blog vorstellen. Die Trackliste verspricht schon einmal ein interessantes Hörerlebnis, u.a. sind auch Rusko und Amanda Blank mit von der Partie.

Aktualisierung: Das Mixtape ist jetzt auf der Mad-Decent-Webseite downloadbar und zwar hier.

Lazerproof Trackliste:
1. Bulletproof (Nacey Remix) [ft. Matt Hemerlein]
2. Colourless Artibella
3. I’m Not Your Lemonade + Heroes ‘N’ Villains Remix [ft. Gucci Mane]
4. Independent Kill [ft. Candi Redd?]
5. Keep It Fascinating
6. Magic (Falling Soldiers Dub)
7. In 4 the Kill Pon De Skream [ft. Drake?]
8. Houstatlantavegas Pains
9. Tigerlily (DYWHAP Blend) [ft. Rusko]
10. Can’t Stop Now (Armor Love Remix)
11. Quicksand (Mad Decent 2010 Rerub) [ft. Amanda Blank]
12. Cover My Eyes (Costra Nostra Edit)
13. I Said It (Major Lazer Dubplate) [ft. Opal?]
14. Hold Yuh (Double Dubplate) [ft. Gyptian]

Ein etwas älteres Interview mit Elly J haben wir hier parat.

PHOTO: edited screenshot of pitchfork.com

M.I.A “Born Free”

11:37


Achtung! Dieses Video enthält explizite Darstellungen drastischer Gewalt.

Gut drei Monate nachdem Maya Arulpragasam alias M.I.A (sic, der letzte Punkt entfällt neuerdings) mit dem spontan produzierten und selbstveröffentlichten Protestsong “Space (Odyssey)” den Rummel um ihre Person wieder neu anheizte und erste Details für ihr drittes Album verriet, ist sie nun mit der ersten offiziellen Single “Born Free” für das noch immer unbetitelte Werk zurück. Statt Frickelbeats sampelt sie hier mit SwitchJohn Hill und Diplo hier Suicides “Ghost Rider” zu einem düsternd, brodelnden Gemisch zusammen während Iggor Cavalera (Mixhell, ex-Sepultura) das Schlagzeug beisteuert. Dazu rappt M.I.A über den eigenen Umgang mit dem Erfolg – “And the higher you go you feel lower, oh. I was close to the end – staying undercover, staying undercover. With a nose to the ground I found my sound.” und “I don’t wanna talk about money, ’cause I got it.” -, sich selbst – “And I don’t wanna talk about hoochies, ’cause I been it.” – und deklariert an zentraler Stelle: “Yeah, I don’t wanna live for tomorrow. I push my life today. I throw this in your face, when I see you. I got something to say. […] I was born free!”

Die (politische) Botschaft setzt der französische Regisseur und Kourtrajme-Mitbegründer Romain Gavras parallel dazu ins Bild. Nachdem er bereits in der osteuropäischen Provinz, Moskau, einem post-industriellen Arbeiterviertel im französischen Lens und der Pariser Banlieue kleine, als Musikvideos getarnte Milieustudien für  – in dieser Reihenfolge - Simian Mobile Disco, The Last Shadow Puppets, DJ Mehdi und Justice inszeniert hat, wendet für “Born Free” seinen Blick einer US-amerikanischen Satellitenstadt, zu in der eine schwer bewaffnete und gepanzerte Spezialeinheit der Polizei eine Razzia nach vermeintlichen Terroristen (oder illegalen Einwanderern?) in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlung durchführt.

Dabei übertritt er die mit seinem eigenen Video zu Justice‘ “Stress” selbst neu definierte (und kontrovers diskutierte) Gewaltschwelle noch einmal und setzt dem Song an seinen Bruchstellen brutale Exzesse der Polizisten gegenüber den Bewohnern und Festgenommenen tabulos gegenüber. So werden sowohl ein Kopfschuss als auch das Zerfetzen eines Menschen über einer Landmine werden im Bild festgehalten – ganz getreu Alan Vegas bedrohlichem Mantra aus eben “Ghost Rider”: “America, America is killing its youth”. Zugleich karikiert er die stereotypenhaft geführte Diskussionen über Terrorismus und / oder Einwanderer in den USA mit einer überraschenden Auswahl seiner Opfer. Auch Parallelen zum israelisch-palästinischen Konflikt und zu einer Folge der Comicreihe South Park lassen sich ziehen, wie die Spex auf ihrer Seite anmerkt.

Die Single “Born Free” ist seit heute bei iTunes erhältlich. Das dazugehörige Album erscheint am 25. Juni bei M.I.As eigenem Label N.E.E.T. (das auch das Sleigh-Bells-Debütalbum Treats am 11. Mai veröffentlichen wird) und XL Recordings. Die Trackliste dazu könnt ihr bereits nachfolgend sehen, genauso wie die ersten Tourdaten für 2010 – weitere werden bald folgen!

Trackliste:
1. The Message
2. Born Free
3. Meds And Feds
4. Lovealot
5. Tequilla
6. It Is What It Is
7. xxxo
8. Tell Me Why
9. Story Told
10. Space

M.I.A Tourdaten 2010:
17.07. LA-Hard Fest, Los Angeles, USA
24.07. NYC-Hard Fest, New York, USA
01.08. Underage Festival, London, UK
05.08. Sudoeste Festival, Zambujera do Mar, Portugal
06.08. Lokerse Feesten, Lokeren, Belgien
07.08. Big Chill Festival, Herefordshire, UK
11.08. Oslo, Norway — Oya Festival, Oslo, Norwegen
13.08. Way Out West Festival, Göteborg, Schweden
14.08. Flow Festival, Helsinki, Finnland

Robyn: Five new songs from three new albums

23:04

Es gibt Neuigkeiten von Robyn! Nachdem die als geborene Robin Miriam Carlsson schwedische Sängerin einer Mainstreamkarriere – zunächst als Kinderstar, dann als Chartpopsternchen – 2005 entsagte und sich  mit dem selbstveröffentlichten Album Robyn nun auch beiderseits des Atlantiks zu ernstzunehmenden und -genommenen, unabhängigen Künstlerin und Stilikone (die schwedische Elle kürte sie zum Style Icon of the Decade) aufschwang, ist sie jetzt mit einem vollmundingen Versprechen zurück.

Ganze drei Alben hat sie für dieses Jahr angekündigt, wie sie dem schwedischen Magazin Bon in einem Interview verriet. Das erste davon soll schon diesen Juni bei ihrem eigenen Label Konichiwa Records erscheinen. Wie sie allerdings in einem weiteren, heute bei Pitchfork veröffentlichten Interview präzisierte, wird es sich eher um drei Mini-Alben mit knapp weniger als jeweils zehn Songs handeln.

Von diesem Material gibt es jetzt bereits vier fünf Songs (siehe Update unten!) – in Auszügen – zu hören. So wurde heute der Song “Fembot” als Stream auf ihre offizielle Webseite robyn.com gestellt (und kann mittlerweile auch voll gestreamt werden, siehe unten). Drei weitere Songs kann man in einer recht eindrucksvollen und intimen schwedischen Fernsehdokumentation über die Albumarbeiten sehen (siehe unten!), bei der Robyn freizügig zahlreiche Einblicke gewährt.

So lädt sie nicht nur zur Tanzstunde, sondern frühstückt auch mit dem norwegischen Produzententeam Röyksopp, bevor sie mit ihnen ins Studio fährt um den Song “None of Them” aufzunehmen, der auch kurz zu hören ist. In einer weiteren Session mit Klas Åhlund, seines Zeichens Gitarist der Teddybears, Bruder von Caesars-Sänger Joakim, Songwriter für die  Sugababes und Kelly Clarkson und Produzent von Robyn, wird der Song und voraussichtlich baldige Single “Don’t Fucking Tell Me What to Do” vorgestellt. Dazu gibt es das noch das ebenfalls neue “Dancing On My Own” zu hören und eine spontane, öffentliche Liveversion des (alten) Stücks “Show Me Love” zu sehen. Und alle vier bzw. fünf lassen erahnen, dass Robyn wohl qualitativ wieder an das Vorgängeralbum heranreichen wird.

Für die Albenproduktion(en) war Robyn u.a. auch mit M.I.A.-Entdecker und Major-Lazer-Mastermind Diplo nach Las Vegas geflogen. Zudem soll Mr Snoop “Doggy” Dogg, für den sie selbst zuvor bereits sang, mit einem Feature zu hören sein. Als übergeordnetes Thema für das erste Album gibt Frau Carlsson zudem – passend – “body and technology” an.

Erste Liveauftritte von Robyn, die im letzten Sommer beim Way Out West mit Lykke Li im Burka provozierte stehen auch fest: Am 3. Juli geht es zum dänischen Roskilde Festival, am 13. August ins norwegische Oya zum hiesigen Festival. Mehr Daten werden bestimmt bald folgen.

Update: Dank des NME-Magazins, das “Fembot” bei Soundcloud hochgeladen hat und der Spex, die uns auf immer wohl informiert auf selbiges hingewiesen hat, gibt es jetzt den Song noch komplett im Stream zu hören. Und auch das bisher völlig von uns unterschlagene “Dance Hall Queen” (Asche auf unser Haupt!), eine der Kooperationen von Robyn mit Diplo und der bisher stärkste, weil eingängigste Track. Der Song war bereits vor Wochen im Internet aufgetaucht und dann aber immer wieder von Label und Management umgehend entfernt wurden.


Stream | Robyn “Fembot


Stream | Robyn ft. Diplo “Dance Hall Queen

Plattenkiste KW 44 pt.1 A-L

12:38

julian casablancas phrazes for the young large

In letzter Zeit hat sich einiges in unserer Plattenkiste angesammelt und viele neue Veröffentlichungen stehen an, deshalb hier ‘Teil 1: A-L’ unserer aktuellen Plattenkritiken. Wir reisen nach Südafrika und nach Viersen in die deutsche Provinz, zeigen euch den Brief an Julian Casablancas aus unserem kleinen Paket mit Keksen für ihn von neulich, setzen Putzen, Autofahren und Kuscheln gleich, lauschen einen einsamen Poeten u.v.m.

beat beat beat starsbeat!beat!beat! “Stars” (EP) Richard-Mohlmann-Records/Indigo
Imaginieren wir einen warmen Herbsttag: Rote Blätter auf dem Boden, Großmama hat einen Kürbis gekauft, ich trinke zu viel Federweißer und freue mich. „Stars“ von Beat!Beat!Beat! wäre wohl die ideale musikalische Untermalung für derlei Szenerie. Kein Wunder, haben die vier Jungs aus Viersen (das ist an der niederländischen Grenze) doch zu einer Zeit aufgenommen, in der die Sonne noch ein wenig länger verweilte. Aus diesem Grund stimmt mich die gut gemeinte Spaßmusik von beat!beat!beat! auch ein wenig traurig. Bei Textzeilen wie „we fight the setting sun“ stoße ich unweigerlich auf die Tatsache, dass diese sich heute noch nicht einmal hat blicken lassen. Trotzdem kann man mit der Band auch zu dieser Jahreszeit einige angenehme Momente verbringen und es würde mich nicht wundern, wenn  Motor FM solch ansehnliche Burschen nicht schon längst in die Heavy Rotation aufgenommen hätte. Den Schritt zum Foals-Vergleich haben sie immerhin schon gemacht, auch wenn ich mit Verlaub meine, da noch ein wenig Spielraum was Experimentierfreude betrifft, erkennen zu können.
Dennoch geht ein Titel wie „Fireworks“ gut ins Bein – und Tanzen kann man ja glücklicherweise auch ohne Sonne. CW

blk jks after robotsBLK JKS “After Robots” Secrectly Canadian/Cooperative Music/Universal
Immer dieser Diplo! Erst verhilft er seiner Ex  M.I.A. zum Durchbruch,  so ca. 2004 war das, dann hebt er sein Label Mad Decent aus der Traufe, fördert Bonde de Rolé zu Tage, produziert neben Amanda Blank auch Spank Rock und Santogold, remixte die halbe Welt und sorgte dieses Jahr mit seinem Projekt für Major Lazer für Aufsehen. Nebenbei ist er noch einer der nervigsten Twitter-Nutzer aller Zeiten, aber das wie gesagt nur nebenbei. Jedenfalls darf selbiger die Entdeckung der BLK JKS (zur Aussprache des Namens wenden Sie sich bitte an die Kollegen MSTRKRFT und MGMT, danke) für die westliche Nordhalbkugel der Erde beanspruchen, denn die BLK JKS alias Molefi Makananise, Lindani Themba Buthelezi, Mpumelelo Mcata und Tshepang Ramoba kommen aus Johannesburg, Südafrika, letztere sogar aus dem Township Soweto. Dementsprechend klingen BLK JKS auch nach dem (schwarzen) Südafrika und nicht wie Dear Reader etwa wie frisch aus Montreal oder Stockholm. Was hier erklingt ist im Wesentlichen Mbaquanga, eine Zulu-afrikanische Variante des Blues, die hier jedoch gleichzeitig durchlässig für andere afrikanische Stile wie Hi-Life oder westliche wie Dub bleibt. Das ist dann zwar kein fröhlich-offener Pop a la The Very Best, aber ein eigentümlicher, dunkler und psychedelischer Zauber, der sich über den Hörer legt, ohne selbigen damit zu überfordern.

the boxer rebellion unionThe Boxer Rebellion “Union” VÖ: 30.10. bandeigener Vertrieb/ADA Global
Wer bei The Boxer Rebellion zuerst an den chinesischen Aufstand denkt, für den haben wir etwas Neues. Vier Londoner Jungs die mit „Union“ bereits ihr zweites Album in den Ring werfen. Doch zunächst sah es gar nicht so erfolgversprechend aus, nachdem ihr Label sie, trotz des vielversprechenden Erstlingswerks „Exit“, fallen lies, mussten The Boxer Rebellion den Kampf ohne Plattenfirma und Promotion aufnehmen. „Union“ schaffte es nichtsdestotrotz auf Platz vier der UK Itunes Charts und in den USA sogar auf Rang eins und erscheint nun doch noch als gepresste Version.
Auch wenn man es erwarten könnte, schlagen die Vier nicht wild auf ihre Instrumente ein, um ihrer Rebellion Ausdruck zu verleihen. Vielmehr warten sie mit atmosphärisch dicht gepackten und wohldurchdachten Songs auf. Wesentlich erzeugt durch die wandelbare und facettenreiche Stimme von Sänger Nathan Nicholson, der sich mit Leichtigkeit zwischen Thom Yorke, The Hickey Underworld und The Cooper Temple Clause hin und her bewegt, ohne seinen eigenen Stil dabei zu verlieren. Sehr schnell taucht man ein in die träumerisch gestalteten Songs die zwischenzeitlich jeh von rohen Counterparts unterbrochen werden. Doch beschleicht einen vor allem gegen Ende des Albums das Gefühl, man habe das schon so – nur besser – zum Beginn der Scheibe gehört. Das lässt die Faszination etwas schwinden, aber nicht verschwinden.
Trotz des schwächeren Abgangs überzeugt die Platte mit ihrer Atmosphäre und den durchdachten Songs und hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack. CP

julian casablancas phrazes for the youngJulian Casablancas “Phrazes For The Young” VÖ: 30.10. Rca Int./Sony Music
Lieber Julian,
wir kennen uns schon so lange, fast ein Jahrzehnt, lass uns ehrlich miteinander sein: Eigentlich brauchst du diese Platte doch gar nicht. Im Gegensatz zu deinen anderen Bandkollegen konntest du all die Jahre lang dein Ego doch ganz gut ausleben, konntest den Gelangweilten, den Kamerazertrümmerer oder eben den verschmitzten Charmeur geben so oft du wolltest und das alles ohne dass sich jemand jemals ernsthaft beschwert hätte. Aber vielleicht hast du dich am Ende einfach nur allein gefühlt, das ist legitim.
Und hey, uns alle mal an deinem schön entspannten Leben teilhaben zu lassen, ist ein ehrenwerter, fast generöser Ansatz. Beinahe hättest du mich auch hier und da ernsthaft überrascht, aber unter deinem bunten, neuen Wanderumhang trägst du noch immer die selbe alte Lederjacke – netter Versuch! Nur acht Songs hast du mitgebracht und manchmal frage ich mich, ob du dir den einen oder anderen Text wirklich einmal selbst noch durchgelesen hast, aber geschenkt. Irgendwo säuselst du mir „forgive them even if you’re not sorry“ in mein Ohr und ich weiß schon jetzt, dass es zumindest dir nicht leid tut, aber warum auch? Man sollte die Dinge nicht so schwer nehmen und zufrieden blinzelnd in den Sonnenuntergang blicken, nicht wahr? Allein für “River of Brakelights” hat sich das alles doch schon gelohnt.
Dein
TV

director I'll wait for the soundDirector “I’ll wait for sound” ADA/Warner
Mit einer großen Portion Vorschusslorbeeren, Platin und Musikpreisen von ihrem ersten Album veröffentlichen Director im Oktober ihr zweites Album „I’ll wait for sound“. Die Schüssel Vorschusslorbeeren hat sich allerdings beim Hören des Albums sehr schnell leer gegessen. Beim genaueren Hören stellt man sogar fest, dass Director sich zusätzlich an den Lorbeeren anderer bedienen. Irgendwie hat man alles schon einmal irgendwo anders gehört. Hier ein Häufchen Editors, dazwischen ein Bissen Arctic Monkeys und dort ein Häppchen Wombats. Was vielleicht lecker klingt, schmeckt aber in diesem Fall keinesfalls. Langweilig und dröge klingend kommt das Rezept mit seinen interessanten Zutaten nicht über gute Ansätze heraus. Fast jeder Song erklingt nach einem bestimmten Schema. Es gibt keine Überraschungsmomente, viel zu viele gleich klingende Passagen und der teilweise leiernde Gesang tut auch nichts zur Verbesserung der Qualität bei. Man vermisst schmerzlich die individuelle Note. Nachdem dann auch noch ein Song wie ein Cover Tiger Lous klingt, bedecken Director zu guter letzt ihr Album mit einem großen Klecks pampigen Apfel-Muse. Schmeckt nicht und hört sich auch nicht gut an. Aber nachdem Muse auf ihrem neuen Album mit dem gleichen Rezept Erfolg gefeiert haben, kommt „I’ll wait for sound“ vielleicht genauso gut bei den Menschen mit weniger Geschmacksnerven an. AH

william fitzsimmons the sparrow and the crowWilliam Fitzsimmons “The Sparrow and the Crow” Groenland/Cargo
Eigene Therapiestunden in Form von Musik. William Fitzsimmons, der früher als Psychotherapeut tätig war, und sich lange mit Geisteskrankheiten auseinander setzte, therapiert sich nun auf “The Sparrow and the Crow” selbst. Das Album ist im Groben geprägt von der Trennung seiner Frau. Schmerz, Beziehung, Loslassen – typische Gefühle nach einer Distanzierung zu seiner großen Liebe. Seine Methode der Verarbeitung startet er mit dem Eingestehen der noch existierenden Liebe zu ihr. So heißt es in “After Afterall”: I still love you/I still want you/I still need you; und in “Even Now”: Oh but I love you/Even still/Even now/Even though we fell apart. Im weiteren Verlauf des Albums scheint es aber so – wie das bei einer Therapie so sein sollte – als ob William Fitzsimmons klar wird, dass es ganz natürlich ist, loslassen zu können und zu müssen. Los zu lassen, von einer langen, aufrichtigen Liebe, und dass er, auch wenn eine tiefe Melancholie sein Empfinden beeinflusst, zur Selbsterkenntnis kommt: I don’t suppose that you’ll still have my name/You’ll have another/You’re not my lover anymore. Gut gemacht.
Diese Kognition ist zudem nicht nur für Herrn Fitzsimmons von Vorteil, sicher auch für viele andere Hörer. Und wo wir gerade beim Hören sind – die Besonderheit bei diesem Musiker ist eindeutig seine aurale Wahrnehmung. Aufgewachsen als Kind zweier blinder und musikalischer Eltern, entwickelte William F. schon sehr früh eine enge Bindung zu Instrumenten. Die Konzentration lag mehr auf dem Auditiven als beim Visuellen. Das merkt man auch bei “The Sparrow and The Crow”. Neben seiner zarten, ruhigen und stückweise illusionierten Stimme erklingt ein Piano, welches nicht in den Hintergrund sondern gleichberechtigt mit den Vocals gesetzt wird. Hinzu kommen natürlich schön harmonierende Gitarrenspiele und eine weibliche gesangliche Begleitung.
Danke für diese rezeptive Musiktherapie, William. FF

gliss devotion implosionGliss “Devotion Implosion” ADA/Warner
Hat da etwa jemand zuviel Kokain geschnüffelt? Höre ich mir “Devotion Implosion” so an, stelle ich mir Sängerin Victoria an einem Glas Whiskey nippend vorm Mikrophon stehend vor – ein wenig schwankend und zwischendurch noch eine Nase durchziehend. Ein Mix aus Garbage, The Raveonettes und The Jesus & Mary Chain. Shoegaze is back; das wissen wir jetzt auch seit Darker My Love ein recht befriedigendes Album hingelegt haben, welches ein Retro-Gefühl erzeugt und den Shoegaze-Rock auferweckt. Im Gegensatz zu ihnen kommen Gliss aber weniger spektakulär und cool rüber. Hier und da sind ein paar laute, fetzende Gitarrensounds (“Anybody Inside”) aufnehmbar, aber signifikant für die Musik ist “Devotion Implosion” nicht.  Noch eine Platte mit düster-rockigem Charakter und verzerrten Gitarren in der Musiksammlung? Nein, danke. Da höre ich mir lieber “Lust Lust Lust” von The Reveonettes auf Repeat an. Das fetzt mehr und hat einen echten Delirium-Effekt. FF

charlotte hatherly new worldsCharlotte Hatherley “New Worlds” Little Sister Recordings
Zunächst einmal kann ich nicht verstehen, warum uns Hörern so viele tolle Remixe auf LPs enthalten bleiben. So geschehen bei der ersten Singleauskopplung „White“, welche in gemischter Version tausendmal aufregender daherkommt, als die schnöde Albumversion auf „New Worlds“. Aber nun handelt es sich ja um ein Rockalbum und so klingt es auch. Das mag sich paradox anhören, denn im Idealfall ist wo Rock draufsteht auch Rock drin. Wie gesagt – im Idealfall. Und „New Worlds“ ist so ein solcher. Die ehemalige Ash Gitarristin und Sängerin spielt sich fröhlich von Song zu Song. Hatherlys Stimme hangelt sich dabei, immer ein wenig neben der Spur, an verträumten Klangwänden empor. Da gibt es Echos und verzerrte Gitarren wie in „Wrong Notes“. Die Songs entwickeln und verändern sich, halten inne und setzen an anderer Stelle wieder ein. Das ist wohl die größte Stärke an „New Worlds“ – trotz determinierter Klänge (was will man von einer Frau, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt dem Indierock frönt, anderes verlangen) ist es nicht langweilig, finden sich immer wieder überraschende Momente. Wenn der treibende Sound in der Mitte des Albums beispielsweise in eine süßes Duett mit Xylophon („Firebird“) umschwenkt, tut das dem Gesamtbild sehr gut und schützt die Musikerin vor dem Prädikat der Eintönigkeit. Unter diesen Umständen ist es dann ist es auch zu verzeihen, dass „White (Heartbeat Mix)“ nur über EP oder dem allgegenwärtigen Myspace seinen Weg in unser Herz und Füße findet. CW

lake heartbeat trust in numbersLake Heartbeat “Trust In Numbers” SRVC
People seem talk to talk their way to satisfaction, but I just want some porn to live for interaction. Eben haben Lake Heartbeat noch vom goldust in your eyes (baby) gesungen und jetzt plötzlich diese verschroben-schönen Zeilen gegen eine Welt der useless information; merkst du denn nicht, they only want to hold us down! Das wäre fast untergegangen, denn ob die zwei Schweden nun Päärchen zusammenführen oder zum Aufstand gegen die Gleichtrott aufrufen, sie tun es auf die beinahe immer gleiche Weise: feinste, im Duett gehauchte Popsongs, kuschlige, geschickt aber immer unterschiedlich  instrumentalisierte Midtempo-Nummern mit Balearicversatz. Auch der allgegenwärtige Co-Produzent Dan Lissvik von Studio hat dem Album seinen Stempel aufgedrückt. So manifestiert sich hier in lediglich zehn Songs das, was wir schon lange geahnt haben: Abseits der großen Öffentlichkeit und im Geheimen hat der schwedische Pop das nächste Level genommen. Er ist mysteriös, anstatt dir mit großer Geste nebenbei noch die neusten Karottenjeans oder Lederjacken andrehen zu wollen, er ist gesellschaftskritisch und zuckersüß zugleich, anstatt dir belanglos und schwer im Magen rumzuliegen; kurzum: zeitlos, in sich geschlossen, ja perfekt. Mehr davon, bitte.
Die Mp3 “Blue Planet” vom Album kann man sich hier bei uns herunterladen.

clara luzia the ground belowClara Luzia “The Ground Below” Asinella Records/Broken Silence
Clara Luzia tun niemandem weh. Das ist auch ganz schön, denn ein paar Seelenschmeichler schaden nicht. Nur besteht die Gefahr der Langeweile, ganz akut sogar. Vielleicht bin ich auch auf dem falschen Dampfer und man sucht sich Musik heute ähnlich aus wie Freunde. Einen zum Trinken, einen zum Führen von intellektuellen Gesprächen, zum Kochen, Tanzen und Sex. Wenn ich diese These so rabiat in den Raum stelle, dann sind Clara Luzia das österreichische Pendant für die stilisierte Putzmusik. Oder zum Autofahren, oder Kuscheln mit dem/der Freund/in. Sängerin Claras Stimme scheint auch prädestiniert  für solcherlei Tätigkeiten: Sanft schwebt sie durch die Räume, säuselt süße Zeilen, untermalt von Piano, Banjo und Cello. Doch, das klingt schön, sehr sogar – dennoch kein Album, welches einen durch alle Lebenslagen zu manövrieren vermag. Möglicherweise braucht Clara Luzia auch etwas Ziehzeit, wie ein guter Kamillentee. Aber dann wird „The Ground Below“ sicher einen kuscheligen Platz zwischen Tempos, Zartbitterschokolade und IKEA-Duftkerzen finden.  Wir wollen nicht mehr melancholisch sein, oder vielleicht doch? CW

AUTOREN: Franziska Finkenstein, August Hoffmann, Christoph Paul, Thomas Vorreyer, Carolin Weidner

Lieber Julian, wir kennen uns schon so lange, lass uns ehrlich miteinander sein: Eigentlich brauchst du diese Platte doch gar nicht. Im Gegensatz zu deinen anderen Bandkollegen konntest du all die Jahre lang dein Ego doch ganz gut ausleben, konntest singen oder eben nicht wie du wolltest, konntest den Gelangweilten, den Kamerazertrümmerer oder eben den verschmitzten Charmeur geben so oft du wolltest und das alles ohne dass sich jemand jemals ernsthaft beschwert hätte. Aber vielleicht hast du dich am Ende einfach nur allein gefühlt, das ist legitim. Und hey, uns alle mal an deinem schön entspannten Leben teilhaben zu lassen, ist ein ehrenwerter, fast generöser Ansatz. Beinahe hättest du mich auch hier und da ernsthaft überrascht, aber unter deinem bunten, neuen Wanderumhang trägst du noch immer die selbe alte Lederjacke – netter Versuch! Nur acht Songs hast du mitgebracht und manchmal frage ich mich, ob du dir den einen oder anderen Text nicht auf dem Klo ausgedacht hast, aber geschenkt. Irgendwo säuselst du mir „forgive them even if you’re not sorry“ in mein Ohr und ich weiß schon jetzt, dass es zumindest dir nicht leid tut, aber was sollte das auch sein? Man sollte die Dinge nicht so schwer nehmen und zufrieden blinzelnd in den Sonnenuntergang blicken, nicht wahr?

Kontroverse: Major Lazer “Pon De Floor” Video

05:47

major lazer pon de floor video

Das Video zu Major Lazers Über-Discotheme “Pon De Floor” ist da. Haben wir aber noch bei der Rezension des Albums “Guns Don’t Kill People… Lazers Do” galant auf die Thematisierung der Darstellung von Sexualität auf dieser Platte verzichtet haben, kommen wir nun angesichts des neuen Clips nicht drumherum. Wir erinnern uns: “GDKPLD” ist der jamaikanischen Dancehall-Szene gewidmet, produiziert von den weltweit anerkannten Produzenten Diplo und Switch.

Wie es um deren Umgang mit sexueller Identität und Orientierung steht, hat Wesley Pentz alias Diplo in einem Interview mit der Intro einmal sehr treffend zusammengefasst:

Es gibt nur eine Handvoll Themen, über die du in Jamaika singen kannst: Du kannst einen Weed-Tune machen, einen über Babylon Burning, einen über Sex mit einem Mädchen, einen übers Leute-Abknallen oder einen über Homophobie. Das war’s. Das Letztere haben wir uns ausgebeten, bei den anderen vieren hatten alle die freie Wahl.

Jameika gilt als eines der homophobesten Länder überhaupt auf der Welt. Gesellschaftlich und politisch weit verbreitet, wird diese aggressive Haltung vor allem aber von der Dancehall-Szene immer weiter befeuert. So ruft die Gruppe T.O.K., die bei Major Lazer die Vocals und Lyrics für “Bruk Out” beisteuerten, offen zur Gewalt gegen Schwule auf, etwa im Song “Chi Chi Man“. Angeheizt durch solche Songs kommt es teilweise zu regelrechten Hetzjagden und Folterungen auf bzw. von Schwulen in Kingston und anderen Landesteilen. Einen lebhaften Einstieg in die Problematik bieten die Artikel “The Most Homophobic Place On Earth?” im Time Magazine und  “Jagd auf Schwule” im Weltspiegel der ARD.

Zwar kommt Homophobie auf dem Major Lazer Album an keiner Stelle vor – Wentz hat Wort gehalten -, dafür zeigt sich einmal mehr, dass Schwulenhass und extremer Sexismus in vielen Kulturen Hand in Hand gehen. So setzt nun das Video zu “Pon De Floor” – der Song mit der wohl einprägsamsten Hookline des Jahres – die Stilisierung von Frauen zu reinen Sexobjekten, wie sie auch schon in den Songs “What U Like” oder eben “Bruk Out” betrieben wurde, in extremster, geschmacklosester Form fort.

Unter Einbindung der Gruppe Vybz Kartel, des Regisseurs Eric Warheim und des Tänzers Skerrit Bwoy (via Spex) werden übelste Geschlechterstereotypen noch weit übertroffen. Das grelle, durchaus humoristische Video zeichnet einen unterwürfigen und animalischen Idealtypus einer Frau, die auf allen Vieren mit dem Po in der Luft und mit dem Kopf gen Boden nur willig darauf wartet von einem Mann begattet zu werden; allzeit bereit versteht sich.

Damit sich allerdings jeder selbst eine Meinung dazu bilden kann, hier nun das Video (via Pitchfork):

Ghostly Label füttert dein iPhone

22:52

ghostly discovery

An alle die auf der Suche nach wirklich tollen iPhone Applikationen irgendwo zwischen iMilk und iPin (also in der Wüste) stecken geblieben sind: Ghostly hat etwas für euch. Das Label aus Minnesota hat heute seine neue App “Ghostly Discovery” für das Apple-Gadget präsentiert.

Mit drei Einstellungen – Stimmung, Digital/Analog und Geschwindigkeit – könnt ihr euere aktuellen Erwartungen an neue Musik sehr simpel einstellen und werdet von “Discovery” umgehend mit passenden Klängen aus dem Ghostly-und-Spectral-Archiv versorgt. Das kann sich mit Künstlern wie Daniel Wang, The Chap oder Mobius Band durchaus sehen lassen.

Ghostly Discovery from miguel on Vimeo.

Übrigens, Ghostly sollte man auch aus einem zweiten Grund im Auge behalten: Das Label ist Teil der RCRD-LBL-Gemeinschaft, einer Onlinekooperation aus einigen Blogs und Labeln wie Warp oder Drowned In Sound. Dort gibt es jeden Tag eine Vielzahl an .MP3s und Streams. Alles umsonst, alles legal und alles ausgesprochen hörenswert. So auch diese drei kleinen Appetithäppchen mit unseren Lieblingen Diplo, The Dead Weather, The Horrors und Damn Arms:

The Dead Weather “Treat Me Like Your Mother (Diplo Remix)”
Memory Tapes “Bicycle (Horrors Cosmic Dub)”
Damn Arms “Destination (Bang Gang Happy Acid Reshuffle)”

“Favela On Blast” Aufführung mit Diplo

16:44

favela on blast

Wer auf dem Melt! (bei dem Programm verständlich) keine Zeit hatte, sich die Aufführung der Dokumentation “Favelas On Blast” anzuschauen, der bekommt am Dienstag, den 21. Juli, eine zweite Chance. Der Film wird in Anwesenheit von einem global player (im wahrsten Sinne des Wortes) der aktuellen Szene, Diplo, vorgestellt. Danach gibt sich der Produzent noch selbst die Ehre zu einem DJ-Set und wird zeigen, dass er nicht erst seit Major Lazer kontinuierlich über die Grenzen des anglo-amerikanischen Kulturraumes hinausarbeitet.

Die Dokumentation proträtiert den berüchtigten Favela Rocinha in Rio de Janeiro, seine Bewohner und seine Baile-Funk-Musik rund um Künstler wie Sany Pitbull, MC Galo, DJ Marlboro Deize Tigrona oder Mr. Catra. Dabei ist der Film genauso wie die Realität vor Ort: Intensiv, hektisch und brutal.

Gezeigt wird er in Portugiesisch mit Untertiteln. Hier der Trailer:

Major Lazer: Guns don’t kill people…

17:55

major lazer guns don't kill people

Es ist schon irgendwie fies, wenn man schwitzend in der Redaktion sitzt und dann liegt eine CD vor einem von der man erwartet, dass sie einem nur so einheizen wird. Da hilft es nur, ein Eis zur Hand zu nehmen, sich zurück zu lehnen und rein ins Hörvergnügen:

“Guns Don’t Kill People… Lazers Do” von Major Lazer, dem gemeinsamen Projekt von Diplo und Switch, liegt vor. Es ist eine seltsame Wundertüte voller verschiedener Eindrücke geworden.

Hier gibt es als Intro pure Revolver-Westernfilm-Spannung, die sich dann im sperrigen aber packenden “Hold The Line” mit Misirlou-Hookline und Santigold- und Mr.-Lexx-Vocals entlädt. Schon zwei Songs weiter schlägt “Can’t Stop Now” (ft. Mr. Vegas & Jovi Rockwell) und später “Cash Flow” dann die Brücke zu Bob Marleys “Kaya”-Zeiten.

Dazwischen wird in eine brodelnde Dancehall-Bloc-Party irgendwo mitten in Kingston, Jameika, aufrengefah. Überhaupt ist Dancehall das bestimmende Thema dieses Werkes; in diesem Fall besonder guter Dancehall.

Noch häufiger wird in Clubs auf und unter der Erde aber wohl “Pon De Floor´´” mit seinem sich in den Verstand brennendem Sampel (aktuell unter anderem bei Radioclit und Mixhell in Benutzung) und “Jump Up”, an dem sich die Crookers versuchen durften, zu hören sein.

Und dann hat die Platte da noch diesen einen echten Überhit: “Keep It Goin Louder” ft. Nina Sky und Ricky Blaze (samt Audio Tune) ist wohl die Definition eines universellen Sommerhits. Damit könnten Major Lazer auch durchaus erfolgreich die Charts weltweit angreifen.

Dabei gibt es schon genug Chartpopreminisenzen: Mal denkt man an Sean Paul, mal an die junge Lumidee und einmal – bei “Mary Jane” – gar an Jimmy Blue (ja genau, der pseudcoole Ochsenknecht-Sohn). Der Unterschied zu der “rappenden” Marketingpuppe ist aber, dass eindeutig Substanz und ein unglaubliches Gespür für die jamaikanische Szene hinter Major Lazer steckt. Hier ist jeder Schuss ein Treffer, präzise wie ein Laser eben.

Major Lazer “Guns Don’t Kill People… Lazers Do” VÖ: 3. Juli 2009 via Cooperative Music/Downtown Music