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Köln: Electronic Beats Festival 2012

10:29

Bereits in den letzten drei Jahren hat das Electronic Beats Festival eine attraktive Mischung aus Indie und elektronischer Musik präsentiert. Nachdem unter anderem Fever Ray, Phoenix und Gossip oder Animal Collective und Planningtorock fulminante Auftritte im Kölner E-Werk darboten, werden am 24. Mai freilich keine weniger bedeutenden Bands auf der Bühne stehen.

So darf man sich – neben The Hundred In The Hands und Citizens! – auf das immer stilvoll gekleidete britische Rockduo The Kills (Foto) freuen, dessen viertes Album Blood Pressures im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Des Weiteren werden die drei Schweden der Gruppe Miike Snow, die 2009 den Hit Black & Blue herausbrachten, ins E-Werk geladen sowie Austra, welche den Abend mit gefühlvoll, leicht düsteren Synthie-Tönen versorgen werden. Das Debütalbum Feel It Break des kanadischen Trios zählte zu den Überraschungserfolgen des vergangenen Jahres.

Da die Domstadt auch einen populären Entstehungsort für Electro und Techno-Produktionen markiert, kommt das Electronic Beats Festival nicht daran vorbei, die in Köln beheimateten Georg Conrad und Marius Bubat von COMA einzuladen. Diese sind neben auf dem lokalen Label Kompakt unter Vertrag und werden dem Festival einen guten Abschluss mit Technopop verleihen.

Der Vorverkauf findet sich hier.


The Kills Baby Says (Video)

Köln : Electronic Beats Festival

16:23

Ein guter Zugangspunkt für elektronische Musik sind u.a. die Webseite, das Magazin und die DVD-Serie Slices der Electronic Beats Redaktion, einer Dependance der Telekom. Mehrmals im Jahre erfreut es die Liebhaber solcher sowie experimenteller Musik zudem mit einer Festival-Reihe, anno 2010 etwa in Berlin mit The Human League, Róisín Murphy und Bon Homme. Und wo vor zwei Jahren u.a. Phoenix und Fever Ray beeindruckende Shows im Kölner E-Werk präsentierten und im Jahr darauf Major Lazer und Moderat folgten, werden in diesem Jahr – am 19. Mai – Animal Collective (Photo), Nouvelle Vague, Planningtorock und Holy Ghost! erwartet.

Der Abend des Festivals wird also einen Mix aus den sphärisch-psychedelischen Sounds des Quartetts Animal Collective, den zarten Stimmen, vermischt mit New Wave und Electro, der französischen Band Nouvelle Vague sowie Synthie-Pop von Holy Ghost! aus New York bieten. Nicht zu vergessen sei die Absonderlichkeit von Janine Rostron alias Planningtorock, die kürzlich mit The Knife und Mt. Sims das Album Tomorrow, In A Year herausbrachte und dieser Tage ihr neues Soloalbum W präsentiert. Zur musikalischen Einstimmung auf ihren Auftritt dient das neue Video zu “The Breaks“. Und die guten Nachrichten sind noch nicht vorbei, denn am Schluss des elektronisch-beatlastigen Abends werden noch die zwei Monsieurs Gernot Bronsert und Sebastian Szary von Modeselektor ihr DJ-Set präsentieren.

10 Jahre Electronic Beats : Ticketverlosung

08:35

Die Mad Men (und women) hätten es sich kaum besser ausdenken können: Seit nunmehr zehn Jahren gelingt es dem internationalen Musik- und Lifestyle-Programms der Telekom, Electronic Beats, nicht nur den Namen seiner Mutterfirma im Gespräch zu halten, sondern auch mit einem Medienkonglomerat aus u.a. Online-, Print- und DVD-Magazin sowie Radio tatsächlich für die potentielle (Neu-)Kundschaft einen beständigen kulturellen Mehrwert zu schaffen. Das Herzstück waren dabei seit jeher die EB-Festivals und -Touren in ganz Europa, so dass natürlich zehn Jahre nach der ersten Nacht in Köln mit u.a. Mouse on Mars (und jeweils zwei bzw. ein Jahr nach unserem Berliner Interview mit Andy Butler und einem ersten Fever Ray Konzerterlebenisses in Köln) die gemeinsam vollbrachte Dekade gebührend am 4. November im Berliner Radialsystem V begangen werden muss.

Da ist ein ebenso geschichtsträchtiger Headliner wie die Synth-Pop-VisionärInnen von The Human League nur angebracht. Seit 1977 musikalisch mal mehr, mal weniger aktiv, bringen sie demnächst ihr nunmehr zehntes Studioalbum auf dem britischen Label Wall of Sound heraus. Ob sich darauf ähnlich verführerische Hits wie “Don’t You Want Me” aus dem Jahre 1981, das noch heute (oft auch als Instrumentalmix) zum nächtlichen Tanzkanon gehört, finden werden lassen, kann ansatzweise bereits bei den Electronic Beats nachvollzogen werden. Schließlich haben Philip Oakey, Joanne Catherall und Susan Ann Sulley angekündigt die neuen Stücke direkt live auszuprobieren.

Ein komplett neues Set, das DJ Set, Visuals und Live-Performance in sich vereinen soll, möchte die ehemalige Moloko-Sängerin und (vermutlich eingetragene) Róisín Murphy (Photo) präsentieren. 2008 bereits für Electronic Beats und ihrem zweiten Album Overpowered aus dem Vorjahr unterwegs, unterstützte sie zuletzt die Crookers im Studio und bekam Ende 2009 ihr erstes Kind. Zusammen mit “Orally Fixated” war ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Mutterwerden, die zweite Single “Mamma’s Place” samt einer hochschwangeren, doch modisch beschlagenen Murphy auf dem Cover, die bislang letzte Veröffentlichung der Irin.

Die ganz großen Klangflächen dürfen des weiteren Delphic aufziehen, die mit ihrem Auftritt ein durchaus erfolgreiches Jahr 2010 abschließen, das im Januar mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums Acolyte sein Anfang nahm. Zudem kehrt WhoMadeWhos Bassist Tomas Høffding mit seinem Solo-Alter-Ego Bon Homme kurz nach seinem Set beim Berlin Festival wieder an die Spree zurück – sein Debütalbum ist in der Zwischenzeit ebenfalls erschienen.

Zwar ist die große Geburtstagsfeier bereits ausverkauft, wer aber Electronic Beats in den Kommentaren unten (oder alternativ auf unserer Facebookseite) bis Dienstag (02.11.2010), 14 Uhr, noch einen Geburtstagswunsch hinterlässt, kann 1×2 Einladungen für Donnerstag gewinnen. Das Los wird entscheiden. Somit viel Glück!

EB Festival: Köln im Phoenix-Fever

20:00

Am Mittwoch noch im inoffiziellen neuen Berliner Dom, dem Berghain, gespielt, am Samstag, dann schon wieder im E-Werk in Köln beim Electronic Beats Festival. Die französische Band Phoenix war es, die die Bühnen rockte und den Electronic Beats den richtigen Schwung zum Feiern gab.

Die Zuschauer: Reserviert sieht anders aus

Die Zuschauer: Reserviert sieht anders aus

Vor ihnen konnten sich die Festival-Besucher jedoch erst mal mit den Filthy Dukes und Junior Boys beglücken, die ihre neuen Platten vorstellten (nur der Kölner Verkehr spielte nicht so ganz mit, leider verpasst. Soll aber gut gewesen sein). Anschließend dann Fever Ray. Sängerin Karin Dreijer Andersson, die Frontfrau des Duos The Knife, stach bei diesem Event noch mehr raus, als später Beth Ditto von Gossip. Denn ihr atmosphärischer, düsterer Stil zwischen Electronica und Gothic-Anleihen ist live schon eine Sache für sich. So kam es schon mal zu einer Gänsehaut – so düster war das Bühnenbild mit den 80er-Jahre-Lampenschirmen, die abwechselnd im Dunkeln leuchteten, sowie die vom Nebel umhüllte Karin.

Fever Ray, v.r.n.l.: Mitmusiker, Lampenschirm, Karin Dreijer

Fever Ray, v.r.n.l.: Mitmusiker, Lampenschirm, Karin Dreijer

Danach dann endlich: Bam bam! Das genaue Gegenteil von Fever Rays Auftritt und Musik: Phoenix! Eine gute Entscheidung war es, die zwei Hits „Lisztomania“ und „1901“ des neu erschienenden Albums „Wolfgang Amadeus Phoenix“ schon am Anfang zu spielen – so wurde die euphorische Stimmung des Publikums noch intensiver und hielt bis zum Schluss des Konzerts an. Eine gute Stimmung hat man auch bei dem Quartett aus Versaille selbst bemerkt, die sympathisch von der Bühne in die Menge blickten und sich mehrmals bei der Audienz bedankten, es sei doch so schön. War’s auch!

Phoenix: Volles Engagement

Phoenix: Volles Engagement

Kurz vor Ende der Show entschloss sich Sänger Thomas Mars, seiner Audienz noch einen Besuch abzustatten. Er sprang von der Bühne in die Masse und ging langsam hinein. Die Reaktion erinnerte einen dann an die Schlussszene von Patrick Süskinds „Parfum“ – jeder wollte ihn anfassen und ein Stück von ihm kosten.
Na ja, so krass war es dann doch nicht und Thomas ging unverletzt wieder auf die Bühne und brillierte weiter mit seinen Kollegen. Mit langem Applaus der Zuschauer, einem Lächeln und „Thank you! Merci beaucoup“ der Phoenix-Musiker, ging dieses gewohnt wunderbare Konzert zuende.

Von der Party-Stimmung, die bei Phoenix herrschte, rüber zu Gossip: Dort präsentierte sich Sängerin Beth Ditto lebhaft-energisch mit ebenfalls neuen Songs. Keine Scham, mit hautenger Kleidung aufzutreten; keine Scham, das Mikro ins Publikum zu werfen – so wünscht man sich das.

Gossips Beth Ditto: Eine tolle Sängerin, eine tolle Frau

Gossips Beth Ditto: Eine tolle Sängerin, eine tolle Frau

Kaum zu glauben, aber das Hochgefühl ging dann nach kurzem, entspanntem Aufenthalt im Biergarten noch weiter. Denn Simian Mobile Disco waren ja noch am Start. Und, wie immer: Toll! Wir können den September kaum abwarten, da erscheint nämlich ihre neue Platte. (Das Video zur Vorabsingle „10.000 Horses Can’t Be Wrong“ gibt es allerdings schon zu sehen.)
Fazit: Electronic Beats said: Party! And we said: Yeah! Schön war’s.

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Alle Fotos (c)Electronic Beats Festival.

Electronic Beats Festival Köln

14:44

- Der Bericht vom Event samt Fotos ist bereits online -

Am 23. Mai im E-Werk zu Köln geht das Electronic Beats Festival nach 2006 wieder an den Start. Mit den Interpreten Fever Ray, Phoenix, Gossip, Simian Mobile Disco, den Junior Boys und Filthy Dukes möchte ein bekanntes magentafarbenes Mobilfunkunternehmen, Künstler populärer und abseitiger Dance- und Elektromusik zusammen bringen. Dieses vielversprechende Line-Up widerstrebt dem Vorhaben auch in keinster Weise.

phoenix-electronic-beats

Phoenix: Gekonnte Animateure (c) Phoenix

Da haben wir Karin Dreijer Anderson alias Fever Ray, den weiblichen Part des schwedischen Avantgarde-Duos The Knife, die vor kurzem ihr faszinierend dunkles Debütalbum herausbrachte. Auffallend sind ihre Ganzkörperbemalungen und Rabenmasken – also live auf jeden Fall ein Blickfang.
Ein anderer Blickfang, aber das totale Gegenteil von Frau Anderson, ist Beth Ditto mit ihrer Post-Punk Band The Gossip. Früher noch mit den Yeah Yeah Yeahs und Whites Stripes auf Tour, nun schon länger allein unterwegs und jetzt in der Domstadt. Auf neue Songs, laute Töne und einem energetischen Auftritt dürfen wir gespannt sein.
Der Höhepunkt des Festivals wird wohl für viele die französische Band Phoenix sein, deren Album zwei Tage später am 25. Mai erscheinen wird. Kreativ bei der Namensvergabe der Platte waren sie: „Wolfgang Amadeus Phoenix“ heißt es und wird schon jetzt in großen Zügen gelobt. Auf ihrer Webseite kann man sich den Track „1901“ des neuen Albums downloaden – for free.
Ein weiterer Höhepunkt sind Simian Mobile Disco. Von SMD hat man zwar längere Zeit nichts mehr gehört, aber wer denkt, da kommt nichts mehr, ist im Unrecht. Im Juli wird ihr neues Album „Temporary Pleasures“ erscheinen. Und gibt es etwas Schöneres anstatt die neuesten Songs zuerst live mitzuerleben als auf Platte?
Mit Synthiesounds, Housetracks und 80er-Wave werden die Junior Boys aus Kanada das E-Werk elektrisieren. Wer beim letzten Electronic Beats Festival Zoot Womans Gig genoss, wird auch bei diesen ähnlich klingenden Jungs Spaß haben.
Relativ neu erscheinend, aber schon lange dabei sind die Filthy Dukes. Aus dem renommierten Dance-Palast „The Fabric“ kommend, will das Trio aus London jetzt auch mal andere Bühnen und Audienzen mit ihren Pop- und Elektro-Sounds beglücken.

Herkules ist verliebt

02:55

herculesandloveaffair

“Ich bin ein völlig anderer Mensch als ich es vor einem Jahr war” – Andy Butler und seine Hercules and Love Affair besuchten einmal mehr Berlin. Mit nur einem einzigen Album hat das Projekt vor gut acht Monaten die “Disco Revolution” (so Label DFA) ausgelöst und wird dieses Jahr wohl unzählige Jahrescharts anführen. Geführt hatte man Butler & Co auch und zwar in ein schmuckloses Standardhotel nebst des Postbahnhofes, in dem man am Abend im Rahmen des Electronic Beats Festivals auftreten würde. Nachdem Bandkollegin Kim Ann Fox zwinkernd dem Zimmer entschwunden war, sprachen wir auf Andys Bettkante über den Erfolg und die Identität seines Projektes, wahre Disco Music, Gender-Fragen und seine große Liebe.

Andy, vor gut einem halben Jahr kam dein Album raus und ging dann durch die Decke! Was waren deine Erwartungen als du es gemacht hast?
Oh, ich habe gar nicht wirklich irgendwelche Erwartungen gehabt. Ich wusste, da es auf DFA (Anm. DFA Records aus New York u.a. LCD Soundsystem) erscheinen wird, und weil Antony (Anm.: Antony Hegarty wurde mit Antony & the Johnsons berühmt und kollaborierte u.a. mit Herbert Grönemeyer) singen würden, dass es einige sehr gespannte Leute geben würde. Denn sowohl DFA, als auch Antony haben sehr loyale Fans. Also wusste ich, dass es eine starke Reaktion geben würde, aber ich hatte keine Vorstellung davon, was noch passieren würde. Ich war einfach glücklich ein Album aufnehmen zu können.

Mittlerweile nennt es DFA sogar “a Disco Revolution”. War das im Geheimen vielleicht doch dein Plan?
Nein, definitiv nicht. Ich hatte nie andere Ambitionen als einfach meine eigene Musik zu schreiben. Ich habe vor Jahren angefangen mit Disco beim Songschreiben zu spielen, so verfolge ich eher die Bassline und höre jede Menge Disco Music. Ich bin also viel mehr in dem aufgegangen, was ich kannte und mochte.
Ich meine über die letzten sieben Jahre war ich von Leuten umgeben, die alle das selbe Interesse hatten. Es gab eine richtige Subkultur auf der ganzen Welt. Diese Leute liebten die Disco Music wirklich. Ich lernte viele von ihnen kennen, spielte und schrieb Musik für sie und wurde von ihnen inspiriert. Also gab es da definitiv eine Gruppe von Künstlern, die Disco Music liebten.
Aber ich denke das Album ist viel mehr als das. Ich wollte ein Spektrum schaffen, dass – da wo ich lebte – so noch nicht existierte. Ich wollte diese Art von Freiheit, die Freiheit des Künstlers, um bestimmte Klänge zu entdecken und auszuprobieren.

Für eine lange Zeit drang aber kaum Musik aus dieser Subkultur heraus an die Öffentlichkeit. Letztendlich war das dir vorbehalten. Jetzt gibt es viele Künstler – besonders aus New York, wie etwa das ganze Italians Do It Better! Label oder in gewisser Weise auch Telepathe -, die offensichtlich auch einen direkten Disco Bezug haben. Gibt es jetzt etwa eine Art neue Bewegung?
Nun für mich es schwierig darüber zu sprechen, denn ich kenne sowohl Mike Simonetti von Italians Do It Better!, als auch diese Mädchen von Telepathe. Ich bin mit ihnen noch nie kreativ geworden und ich denke auch nicht, dass ich ein Teil dieser Szene bin. Ich nehme daran nicht wirklich teil, viel eher partizipiere ich an einer – wie ich sie nennen würde – traditionellen Dance-Szene, eine House-Music-Szene. Sicherlich kommen viele Bands aus Brooklyn und es gibt viele Bands, die etwas in New York bewegen, aber sieh mal: als Kim, Nomi, Antony und ich Hercules and Love Affair machten, hatte niemand von uns wirklich etwas mit jenen Leuten zu tun. Selbst DFA erschien erst drei Jahre später, nachdem ich mit dem Schreiben solcher Musik angefangen habe, auf dem Schirm. Wir waren gewisser Weise isoliert. Von daher ist es schwer für mich von einer Revolution oder einer echten Szene oder sowas zu sprechen. Daran haben wir nicht teilgenommen.

Okay.

Wenn ich über Disco rede, von Leuten, die selbst in der Disco Music involviert sind, dann von den Leuten, zu denen ich aufschaue bzw. die ich meistens hörte. Diese Leute waren eher von House Music sozialisiert; also weniger Indierock, weniger Rock’n’Roll, mehr Club. Leute wie Daniel Wang, Metro Area…

…oder Frankie Knuckles, der dann sogar “Blind” remixte…
… genau, genau. Natürlich auch all diese “klassichen” Leute. Aber in den letzten zehn Jahren haben viele sich bewegt und an etwas mehr Disco ausprobiert. Ich denke ich bin also eher die Fortsetzung dieser Linie, als dieser ganzen Band-Indentitäts-Sache. Mike Simonetti und Italians Do It Better! etwa haben einen Punkrock- oder Hardcore-Independent-Hintergrund. Ich aber komme von der Clubmusik.

Haben Hercules and Love Affair dennoch eine Band-Identität?
Es ist … ein Projekt – im traditionellen Sinne keine Band. Obwohl es eine Art Bandgefühl gibt, denn wir touren zusammen und sind eine bestimmter Zahl an Leute, der immer die selbe Musik über die letzten fünf Monate hinweg. Eigentlich ist es ein Versuch neue Musik zu schaffen. Für mich ist es ein Projekt, das ich als Vehikel nutze um meine Songs rauszubringen. Also lud ich andere Künstler und DJs ein, um mir zu helfen dies zu realisieren. Aber deshalb gibt es noch keine “Band”. Am meisten verbunden, sowohl auf persönlicher wie auch auf ästhetischer Ebene, fühle ich mich mit Kim Ann Fox. Sie ist wohl die einzige richtig feste, andere Person in diesem Projekt. Jeder andere ist eher Gast und nimmt in unterschiedlichster Weise am ganzen Teil.

Wird das Projekt auch über die Europa und Australien Tour hinaus weiterbestehen und wird es ein zweites Album geben, mit neuen Features etwa?
Ja, daran wurde bereits gearbeitet und schon einiges aufgenommen. Einige Stücke sind schon geschrieben und fertig, es gibt viel neues Material. Daneben gab es auch viel, was es nicht auf das erste Album geschafft hatte. Ungeachtet davon werde ich immer Musik schreiben, Remixe machen… einfach das tun, was ich gerade tue. Das existiert auch ohne eine Veröffentlichung oder die Plattenindustrie. Das bin und bleib einfach ich.

Du bist der Kopf des Projektes. Bist du Herkules, gibt es Parallelen zwischen euch?
Nein, der Name Hercules and Love Affair kommt einfach von diesem wunderschönen griechischen Mythos. Eine Geschichte, die mich persönlich sehr berührt hat. Er handelt von Herkules und einem seiner Liebhaber, und Herkules Herz ist bricht über dem Verlust seiner Liebe. Ich dachte es wäre einfach ein schönes Bild von diesem sehr maskulinen, starken Mann, der gleichzeitig sehr verwundbar, emotional und nun gebrochen ist.

Ist das gleichzeitig auch ein männlicher Sterotyp, der dich schon immer angezogen hat?
Ich denke, dass das tatsächlich ein sehr interessanter Gedanke ist, aber Männer im Algemeinen immer dazu hochstillisiert werden hart und rau zu sein oder den starken Führer zu mimen. Ich dachte, dass das ein ganz besonderer, weisender Mythos war, denn über den stärksten Mann des ganzen Planenten wurde in der antiken Welt zur selben Zeit erzählt, wie er unter seinem Herzschmerz litt und von der Gnade seiner eigenen Gefühle abhing. Das ist wirklich interessant und ich denke das genauso diese ganze Gender- und Sexualitäts-Thematik in sich sehr limitierend ist. Möglicherweise war das hier auch ein Statement um einen Gegenpol dazu zu schaffen.

Ist es der Benefit eines Künstlers, diese Grenzen brechen zu können?
Ich denke ja. Für mich war das Benutzen genau dieses speziellen Mythos eine Art Statement oder Kommentar dazu, wie wir Menschen sind, wie wir sozialisiert werden. Das ist ein Luxus und gehört zu den lustigen Aspekten des künstlerischen Schaffens. Du bist in der Lage Normen zu hinterfragen und Leute zum Nachdenken zu bewegen. Oder du kannst dir auch selbst Fragen stellen und diese dann offen erkunden – Dinge entdecken und erkennen, Dinge, die dich verwirren. Während meines bisherigen Lebens habe ich daraus Kunst gemacht, denn sie garantiert, dass man sich damit weiter auseinandersetzt und Leute damit bewegen kann.

Eines dieser Dinge war bestimmt Herkules große Liebe. Was ist aus dem Mann geworden, für den du “This is my Love” geschrieben hast?
Er ist immer noch mein Freund. Er ist… Das ist wirklich ein gutes Beispiel dafür, wie ich versucht habe zu verstehen, was Liebe ist. Mit den verschiedenen Gesichtern von Liebe und Verlust, Emotion, Romantik, Sex und Verlangen umzugehen. Ich wurde einfach dazu getrieben, diesen Song zu schreiben, denn ich dachte ich hatte jemanden wirklich besonderen gefunden. Verstehst du?

Voll und ganz. Hat die neue Erfahrung des Tourens euere Beziehung verändert?
Oh, das hat es definitiv. Es ist herausfordernd und eine weitere Lernerfahrung. Quasi gibt es einen Haufen an Songs, die geschrieben werden müssen, allein über die letzten sechs Monate. Zu Touren ist eine verrückte Erfahrung. Es gab viele Gedanken und neue Formen des Denkens in meinem Kopf, mit denen ich vorher noch nie auszukommen hatte. So ist das Leben halt. Ich bin zwar in keiner bestimmten Position, aber ich bin ein völlig anderer Mensch als ich es vor einem Jahr war… in mancher Hinsicht.