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Greco-Roman erklimmen den Olymp

19:19

Wir können uns an kaum eine Party erinnern, die uns derart vorab in Entzückung versetzt hat, wie die kommende vom Greco-Roman International Sonic Wrestling Team (kurz: Greco-Roman) diesen Samstag (13. März) in der Villa, Berlin. Denn diesmal ist es Alex, einer von vier kreativen Köpfen hinter dem Label und seine Ständige-Ein-Mann-Vertretung in der deutschen Hauptstadt – dazu sei hier die Lektüre unsere 2009er Interviews mit ihm über Greco-Roman und seine Arbeit empfohlen -, ist es gelungen, fast die gesamte Greco-Roman-Familie für eine Nacht in Berlin zu vereinigen, einschließlich Labelmitbegründer Joe Goddard und den weiteren Hot Chips Alexis Taylor, Felix Martin und Al Doyle (der fünfte, Owen Clarke, wird sicherlich ebenfalls anwesend sein).

Einen Tag nach Hot Chip’s bereits ausverkauftem, heutigen Konzert im Berliner Astra werden Felix und Al einmal mehr ein flamboyantes Techno-DJ-Set vorlegen, während sich Alexis und Joe, der vor kurzem sein gelungenes Soloalbum Harvest Festival auf dem Label veröffentlichte, sich gleichzeitig nicht nur DJ-battlen werden, sondern auch ihr altes Nebenprojekt Booji Boy High exklusiv von den Toten wiederaufstehen lassen werden. Der namensgebende Booji Boy, ist ein Charakter in der stilprägenden Art- / Postpunkformation Devo, die auch auf die Musik der beiden großen Einfluss hatte. BBH bislang einzige Veröffentlichung reicht bis in den Januar 2007 zurück, also damals als Myspace noch total cool war und Dinge wie Soundcloud und Twitter noch in den Sternen standen, und ist die bei DFA herausgebrachte Doubleshaw Single, die man sich noch hier anhören kann.

Für noch mehr Familienerinnerungen wird euch Rob Smoughton alias Grovesnor, seines Zeichens ehemaliger Schlagzeuger bei Hot Chip, bescheren, der in seinem DJ-Set wohl auch sein neues Album Soft Return unterbringen wird. Greco-Romans Clubmonster Drums of Death wird ebenfalls vor Ort sein, während der Berliner DJ Jan Mir und der wundervolle Daniel Snaith von Caribou, der ebenfalls demnächst das Album Swim veröffentlichen und auf Deutschlandtour gehen wird. Also hört euch seinen nicht minder tollen Remix für die Dänen von Oh No Ono und “Eleanor Speaks” nachfolgend an und ladete ihn euch, genau wie einen ebenfalls gelungenen, 30-minütigen Greco-Roman-Soundsystem-Mix, den Alex für Shir Khans Radioshow Soundgarden bei fritz gemacht hat (Download hier), bei Pitchfork herunter.

Nicht vergessen darf man, aber dass es sich hier offiziell um eine Recordreleaseparty handelt, also widmen wir uns noch einmal der göttlichen From the Seat of Mount Olympus Compilation, die selbst den guten, alten Homers und Herodots noch so manche Geschichte erzählen könnte. De facto handelt es sich hier um den Rerelease der ersten fünf Greco-Roman-Vinylsingles als Fünferpack-CD-Box.

Da hätten wir zuerst die offizielle Labelymne “Oi New York, This Is London” von David E. Sugar, der auch bei Kitsuné veröffentlicht, dem französischen Label, das Greco-Roman bald überflügeln könnte. Mit im Paket sind Remixe von Hot Chip, dem damals noch “jungen” prä-La-Roux-In-For-The-Kill-Remix Skream und Made To Play’s Mastermind Jesse Rose, die alle ihre Sache ordentlich machen. Besonders interessant ist aber die Vorgeschichte, unter der die Single und damit auch das Label erst entstand; nachzulesen und erklärt von Alex selbst im Interview.

Dann haben wir noch Grovenors fantastisches “Drive Your Car“, eine sinnlich-süße, betörende, allerdings tanzbare Discosoulnummer (Souldisconummer?) zu der unsere Ohren das allererste Mal griechisch-römisch verführt wurden. “Kalemba” der angolanisch-portugiesischen Kuduru-Botschafter von Buraka Som Sistema hat eine interessante Entwicklung verlaufen: Während die B-Seite, der Hot-Chip-Remix, bereits im Sommer 2008 durch die Blogosphäre wanderte, tauchten das Original Ende 2009 plötzlich in den spanischen Singlecharts auf und hielt sich dort für ganze 14 (!) Wochen, davon fünf auf Position, in den Top 10, leider hatten GR keine Lizenssrechte mehr. Round 4 blieben solche Reisen verwehrt, allerdings ist Drums of Dums mit seiner cluborientieren Breathe EP wohl noch immer das oberste Aushängeschild des Labels.

Last but not least, steuerte auch Totally Enormous Extinct Dinosaurs drei diverse, frickelnd, puckernd vor sich hin blubbernde Songs bei, die nicht uns zu einer kompletten Rezension der EP veranlassten, sondern auch die UK-Hardcore / Techno-Veteranen 2 Bad Mice zu einer als Remix getarnten Zeitreise in das Jahr 1992. Und wo wir schon einmal bei TEED sind: Ihr solltet euch definitiv einmal die neulichen,wirklich außergewöhnlich hochwertigen Liveaufnahmen aus London-Camden hier anschauen.

Das wäre es soweit – kauft euch ein Stück kommende Musikgeschichte und feiert mit Greco-Roman und uns am Samstag in der Villa.

Ein paar ausgewählte Läden wie Rough Trade führen die Compilation übrigens schon in ihrem Sortiment, der kürzeste und günstigste Weg auf den Mount Olympus führt allerdings über den labeleigenen Greco-Roman-Store. Hier noch einmal die kompletten Tracklistings:

Round1 – David E. Sugar
1. Oi New York, This Is London
2. Oi New York, This Is London (Hot Chip vs. Ragga Twins Remix)
3. Oi Berlin, This Is London (Skream Remix)
4. Oi Berlin, This Is London (Jesse Rose Vocal Remix)

Round2 – Grovesnor
1. Drive Your Car
2. Drive Your Car (Grovesnor’s Rebel Quarter Version)
3. Drive Your Car (Hot Chip Remix)
4. Drive Your Car (Oliver $ Remix)

Round3 – Buraka Som Sistema
1. Kalemba
2. Kalemba (Hot Chip Remix)

Round4 – Drums of Death
1. Breathe
2. Breathe (Drop The Lime Run Ur Pockets Remix)
3. Cursed By Magick
4. Midnight Stalker

Round5 – Totally Enormous Extinct Dinosaurs
1. Bournemouth
2. Moon Hits The Mirrorball
3. Sickly Child
4. Moon Hits The Mirrorball (2 Bad Mice Lost ’92 Remix)