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Splash! Festival 2012

10:12

Wenn im Sommer wieder die Festival-Saison ansteht, dann ist für viele deutsch Hip Hop-Fans ein Termin schon fest eingeplant: das Splash Festival. Hier zu Lande gibt es wohl kaum eine Rap-Veranstaltung die in Sachen Popularität und Bekanntheit mit dem Event in Gräfenhainichen konkurrieren kann. Da dass Splash dieses Jahr sein 15. Jubiläum feiert, wurde angekündigt, dass man diesmal ein besonders qualitatives Line-Up aufstellen wollte. Nun, da die meisten Acts bereits bereits angekündigt wurden, kann man den Organisatoren durchaus zum Gelingen dieses Vorhaben gratulieren. So wurden für das Wochenende vom 6. bis zum 8. Juli eine ganze Reihe interessante Künstler gebucht, die den Gästen vor den Bühnen und in den Zelten durchaus Freude bereiten dürften.

Der wahrscheinlich renommierteste Name, der Ferropolis zu dieser Zeit einen Besuch abstatten wird, ist Nas. Ein ganz unbelastetes Verhältnis zum Festival hat er zwar nicht, vielen ist noch die äußerst kurzfristige Absage von 2005 im Gedächtnis, jedoch trat er 2010 erfolgreich mit Damian Marley auf, so dass man drauf hoffen kann, den für Klassiker wie Illmatic verantwortlichen MC auch dieses Jahr mit einer guten Show erleben zu können. Bei dieser dürfte er dann auch weitere Einblicke in sein neues Album Life Is Good geben, welches diesen Sommer endlich erscheinen soll.

Natürlich treten nicht nur alte Idole auf, sondern auch die Helden der neuen Generation. Zur Speerspitze dieser gehört dank des einschlagenden Erfolgs seines Mixtapes LiveLoveA$ap auch A$AP Rocky. Seine einzigartige Mixtur aus Trill Shit made in the Dirty South, klassischem Harlem-Gepose, Marke Dipset, seinem Faible für Betäubungsmittel aller Art und die verträumten und gleichzeitig klanggewaltigen Beats von Produzenten wie Clams Casino, bescherte ihm einen der größten Hypes der letzten Saison. Nun darf der selbsternannte “Pretty Motherfucker” beweisen, ob er auch live den Vorschusslorbeeren und seinem Major-Deal gerecht wird.

Auch die Pittsburgher Wiz Khalifa und Mac Miller konnten in letzter Zeit durch ihre erfolgreichen Debütalben, zahlreiche Mixtapes und ihre unüberhörbaren Hit-Singles Black & Yellow bzw. Donald Trump für Furore sorgen. Neben der selben Heimat, teilen sie sich auch ähnliche Themen für ihre Songs, nämlich reichlich Gras, schöne Frauen und wilde Partys. Das tuen die beiden aber auf ihre jeweilige eigene und so sympathische Art, so dass man für ein Festival im Sommer kaum passendere Acts finden konnte.

Abseits dieser Rapper werden aus den Vereinigten Staaten aber auch noch weitere mehr oder weniger junge Herren die Fans beglücken. So darf man sich u.a. auf den, den Country Shit a la UGK und Outkast zurückbringenden Big K.R.I.T., der sich bisher sowohl in punkto Lyrics als auch Beats äußerst talentiert gezeigt hat. Auch die Oldschool-Legenden De La Soul und der stets maskierte MF Doom werden die Bühnen beehren.

Mit letzterem hat der aktuell gehypteste Deutschrap-Act ein Detail gemeinsam, eine Maske. Während sich Doom mit Metallgesicht präsentiert, ziert den vorderen Teil des Schädels von Cro ein Panda. Das hinderte ihn jedoch nicht im letzten Herbst das Video zum Hit Easy zu veröffentlichen, welches mittlerweile fast die 16 Millionengrenze geknackt hat.

Ähnlich erfolgreich, auch ohne Internet, waren es ihrer Zeit die Beginner. Nachdem die gemeinsame Arbeit die letzten Jahre auf Eis ruhte, gaben sie 2011 auf dem Berlin Festival ihren Comeback-Auftritt. Dieser zeigte, dass die Herren immer noch in der Lage sind, die Massen zu begeistern, so dass man auch beim Splash auf eine gute Show hoffen kann.

Für alle die es etwas schräger und abwegiger mögen, steht Deutschlands Marsianer Nummer 1, Marsimoto zur Verfügung. Auch er versteht es live zu überzeugen und dürfte das Gelände wieder in alle vereinendes Grün hüllen. Die deutsche Abteilung des Line-Ups ergänzen weiterhin Künstler wie der inoffzielle “Everybody’s Darling” der hiesigen Rap-Szene Motrip, die Selfmade-Label-Partner Kollegah und Favorite und als besonderes Schmankerl der Urvater des Sprechgesangs in unserer Sprache: Torch.

Wer nun nicht das ganze Wochenende Rap hören möchte, dürfte Gefallen an den Beat-Bastlern des Hi-Hat Clubs, dem Dubstep-Produzenten Skream oder dem Diplo-Switch-Gespann Major Lazer finden.

Insgesamt verspricht das Splash Festival eine musikalisch äußerst gelungen Veranstaltung zu werden, die so gut wie alle aktuell relevanten Facetten der Subkultur präsentiert. Man darf somit voller Vorfreude auf das Wochenende vom 6. bis zum 8. Juli blicken.

Das gesamte Programm findet sich hier, Karten können hier erworben werden. Nachfolgend ein paar Videos zur Einstimmung:

Blick zurück aufs Splash! Festival

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Startet man eine Reflexion zum diesjährigen Splash! Festival, schießen einem einige Gedanken durch den Kopf: Wieso wurde es noch mal nach Ferropolis verlegt? Wieso hat Talib Kweli schon um 21.00 Uhr gespielt? (Wtf!) Und was war eigentlich mit diesen Security-Leuten los?

Das Line-Up war vielversprechend. Deichkind, K.I.Z. und Talib Kweli sowie Methodman & Redman wurden als große Highlights schon im Vorhinein gefeiert. Die Deichkinder lieferten dann auch eine mega krasse Show ab, die in diesem Sinne weniger mit Musik zu tun hatte, eher mit der künstlerischen Bühnenshow, der großen Crew und Krawalllaune.

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Die drei Berliner von K.I.Z. (im Bild oben: Maxim) ließen ebenfalls eine Menge Endorphine bei der Audienz entstehen. Das Publikum brüllte „Hurensohn“ und „Da wird der Hund ja in der Pfanne verrückt“, während K.I.Z. Geldscheine mit ihren Gesichtern in die Luft warfen – ein großes Fest.

Hingegen schnitten Talib Kweli und Method Man (s. unten) & Redman eher schlecht ab. Der eine ersetzte zwar am Freitag kurzfristig Mos Def, musste/wollte dafür aber schon um 21.00 Uhr nach Santigold spielen – und hatte somit einen schweren Stand -, die anderen zwei machten lieber mehr Promotion für ihr Album und ihren Film anstatt zu performen. Besser machten es Mike Skinner alias The Streets. Der namensgebende Titel “Everything is borrowed” vom aktuellen Album erwies sich live als Knaller.

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Samstag dann wieder ein Wermutstropfen: Q-Tip hatte laut Pressemitteilungen Rückenschmerzen und musste nach Leipzig ins Krankenhaus statt auf die Ferropolis. Dafür können die Splash-Veranstalter natürlich nichts, schade war es trotzdem.

Gespaltene Meinungen gab es auch zum Thema „Elektro auf einem (auf DEM) HipHop-Event?“. Nicht nur im Line-up hat er sich fest etabliert, während der Umbauarbeiten lief ebenfalls elektronische Musik, im Skatepark größtenteils auch. Auf der Bühne fand man sie dann bei Peaches wieder: Sie legte eine geniale Performance hin; im Nudesuit und mit den blonden Mähnenperrücken, die wir aus dem „Talk To Me“ Video kennen. Und beim Boys Noize DJ-Set waren ja auch viele Hopper und Nicht-HipHopper anwesend und schwangen die Hände. Das Splash zeigte sich also konsequent: Man möchte nun wirklich neben den Xrabit-Hörern auch Peaches-Hörer ansprechen, was, wie gesehen, durchaus funktionierte.

Fakt bei den ganzen Pro und Cons ist natürlich, dass kein Festival perfekt läuft – das ist nahezu ausgeschlossen und unmöglich. Die Frage beim Splash! bleibt jedoch offen, wie es sich entwickeln wird. Wird es sich aufrecht erhalten können, denn die Besucherzahl dieses Jahr schien Umzug nicht gerade profitiert zu haben? Wird sich das Publikum halten oder muss der Splashfreund Angst haben, dass mehr Elektro dazukommt dafür weniger Raggae und HipHop und deren Fans? Findet man professionellere Security-Firmen?

Wünschen kann man nur, dass es das größte und beste HipHop-Festival Europas bleibt!

*Nachtrag: Wie aufgemischt! von Seiten der Melt! Festival Veranstalter erfahren haben, werden beide Festivals im nächsten Jahr noch enger zusammenarbeiten (der Umzug auf die Ferropolis in diesem Jahr war ja bereits gemeinsam koordiniert). Das heißt, dass auch die Line-ups teilweise aufeinander abgestimmt werden sollen. Da könnte es durchaus passieren, dass der Elektro vom Splash! schneller wieder verschwindet als gedacht oder sich eben erst richtig festsetzt. Wir sind gespannt.

FOTOS: BILDHAUERPHOTOS.COM